Kalenderblatt zum 2. Mai

Engländer und Russen stritten sich um Wismar

Der 2. Mai 1945 in Wismar

Der 2. Mai 1945 war ein Mittwoch und in Wismar schien an diesem für die Stadt besonderen Tag die Sonne. Am Morgen kam Mecklenburgs Nazi-Gauleiter SS-Obergruppenführer Friedrich Hildebrandt nach Wismar, nachdem er fluchtartig seinen „Befehlstand“ auf der Paulshöhe in Schwerin vor den heranrückenden Amerikanern verlassen hatte, um Stadtkommandant Oberst Schröder die Verteidigung der Stadt zu befehlen. Dieser verwies auf die tausenden Flüchtlinge und Verwundete, die sich in Wismar aufhielten und auf die vorhandenen Panzersperren an den Hauptzufahrtstraßen und im Hafenbereich, sowie auf die gefluteten Flächen der Kuhweide und der Rabenwiese. Oberst Schröder hatte keinesfalls die Absicht, Wismar gegen die heranrückenden Truppen der Engländer und Russen in einen sinnlosen Verteidigungszustand zu versetzen. Zur gleichen Zeit verlangte ein Frontoffizier mit vorgehaltener Pistole von Oberbürgermeister Alfred Pleuger, dass er einen Befehl zur Öffnung der Schleusen des Mühlenteiches geben soll. Pleuger lehnte in Abstimmung mit Oberst Schröder energisch ab. Hildebrandt fuhr wutschnaubend weiter nach Poel, wo er mit einem Schiff nach Schleswig-Holstein floh.

Eine politische Führung funktionierte am 2. Mai 1945 nicht mehr. In der NSDAP Kreisleitung hatten sich nach einem Saufgelage die Kreisleiter von Wismar, Paul Ohl, und Rostock, Otto Dettmann, sowie die Sekretärin Gisela von Sobbe erschossen. Diese wurden auf dem Soldatenfriedhof beigesetzt. Besonders nach dem letzten verheerenden Luftangriff vom 14. April breitete sich Resignation aus und es interessierte nur noch die Frage: Wer kommt zuerst, die Engländer oder die Russen. Eine Verteidigung der Stadt kam für einen Großteil der Wismarer nicht in Frage. Alfred Pleuger hatte Kenntnis davon, dass die Engländer von Boizenburg anrückten und von Osten die Russen kamen. Gemeinsam mit Stadtkämmerer Dr. Heinz Maus fuhr er mit einer weißen Fahne in Richtung Gadebusch, um die Stadt kampflos den Engländern und nicht den Russen zu überlassen. Die Wismarer trafen auf eine kanadische Fallschirmjägereinheit der 6. britischen Luftlandedivision, die die beiden Wismarer kurzerhand mit auf dem Marsch nach Wismar nahmen. Gegen zwölf Uhr Mittag kamen die Kanadier in der Stadt an.

Pleuger war als „lebendiges Schutzschild“  auf einen Kühlergrill eines Jeeps gebunden. Wismar gehörte zu den wenigen Städten Deutschlands, die kampflos übergeben wurden. Hitlerjungen hatten noch eine kleine Brücke bei Steffin gesprengt. Es gab einen kurzen Kampf um eine Straßensperre und bei den Dornierwerken auf dem Haffeld kam es zu einem kurzen Schusswechsel. Aus dem Hafen liefen zur gleichen Zeit einige deutsche Kriegsschiffe und U-Boote ungestört aus.

Nachmittags traf ein kanadischer Erkundungstrupp an der östlichen Stadtgrenze die ersten Russen, die ebenfalls in Wismar einmarschieren wollten. Der kanadische Oberstleutnant Napier Crookenden machte den Russen unmissverständlich klar, auch mit Verweis auf die militärische Stärke seiner Truppen, dass Wismar in ihrer Hand seien. Die Russen hatten keine Ahnung, dass Wismar schon besetzt war, hatten sie doch den Befehl bis Lübeck zu marschieren. Ein in voller Fahrt in Richtung Wismar sich befindlicher russischer Panzer, konnte in letzter Minute aufgehalten werden.

Am Abend des 2. Mai 1945 war für Wismar die Nazizeit vorbei, die Kanadier und Engländer hielten Wismar fest in der Hand, und Feldmarschall Montgomery telegrafierte nach London, dass seine Truppen den Wettlauf gegen die Russen gewonnen haben. Montgomery hatte den schnellen Vormarsch der Truppen entgegen den Abmachungen mit den Amerikanern befohlen, denn er traute den Russen nicht zu, dass sie bei Lübeck Halt machen würden, sondern weiter in Richtung Dänemark ziehen würden.  Die Russen quartierten sich im Gutshaus Kritzowburg ein und es kam in den folgenden Tagen zu mehreren, auch „feucht-fröhlichen“ Begegnungen zwischen den „Waffenbrüdern“. Der Wismarer Stadtkommandant, Major Charles, schlug sein Quartier im Rathaus auf. Am 7. Mai flog der englische Feldmarschall Montgomery nach Wismar und traf sich mit dem russischen Marschall Rokossowsky in der Dr.-Unruh-Straße 7, dem Hauptquartier der 6. Luftlandedivision.

Am 12. Mai 1945 veranstalteten die Engländer eine große Siegerparade auf dem Marktplatz. Gemäß den Vereinbarungen von Jalta vom Februar 1945 über die Aufteilung Deutschlands, räumten die Engländer am 30. Juni 1945 Wismar und am 2. Juli 1945 zogen die Russen ein und blieben 48 Jahre bis zum 30. Juni 1993 in Wismar.

Mit den Engländern verließ auch Alfred Pleuger die Stadt, in der er noch bis zum 21. Mai 1945 Oberbürgermeister war. Den Russen traute man nicht.

Was geschah weiter:

  1. Mai 1846 Beginn der Erdarbeiten für die Eisenbahn am Platter Kamp.
  2. Mai 1905 Die Insel Walfisch wird wieder städtisches Eigentum.

1.Mai 1949 Grundsteinlegung für das Wohngebiet Flöter Weg.

  1. Mai1905 Einweihung der Knaben-Volksschule (Gerhart-Hauptmann-Gymnasium.
  2. Mai 1857 Beginn der Versorgung mit Steinkohlengas.
  3. Mai 1957 Übergabe des ehemaligen Fründts Hotel als MTW.
  4. Mai 1967 Inbetriebnahme des Wasserwerkes Friedrichshof.
    6. Mai 1909 Einweihung des neuen Krankenhauses am Dahlberg.
  5. Mai 1990 erste freie, unabhängige Kommunalwahlen seit der DDR.
  6. Mai 1993 Tag der „Offenen Tür“ in Kaserne der Roten Armee und Verabschiedung der Roten Armee unter Major Wladimir Utjaschew nach 48 Jahren (2.Juli 1945 – 30.6.1993). Jedes Garnisonsmitglied erhält auf Vorschlag von Bürgermeisterin Dr. Rosemarie Wilcken ein Erinnerungsgeschenk.

Detlef Schmidt

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