Kalenderblatt zum 20. April

Wismar wurde zum Spielball der Großmächte

Am 20. April 1716 zogen die alliierten Armeen der Dänen und Preußen nach Wismar ein. Seit 1700 tobte schon der „Große Nordische Krieg“, der eine Neuordnung Ost- und Nordeuropas nachziehen sollte. Der „Große Nordische Krieg“ war ein in Nord-, Mittel- und Osteuropa ge-führter Krieg um die Vorherrschaft im Ostseeraum, der 1700 begann. In diesem Jahr griff die Allianz der Russen, Preußen und Dänen Schweden an. Schweden gehörte in Europa zu den Großmächten und wurde zu der Zeit vom erst 18jährigen Karl XII. regiert und vor allen Din-gen sahen Zar Peter und die Dänen hier eine reelle Chance, die Schweden zu besiegen. Trotz der ungünstigen Ausgangslage blieb der schwedische König zunächst siegreich. Als er sich 1708 anschickte, auch Russland in einem Feldzug endgültig zu besiegen, erlitten die Schwe-den in der Schlacht bei Poltawa im Juli 1709 eine verheerende Niederlage, die die Kriegswen-de bedeutete. Von dieser Niederlage ermutigt, traten die ehemaligen schwedischen Gegner Dänemark und Sachsen wieder in den offenen Krieg gegen Schweden ein. Von nun an bis zum Kriegsende hatten die Alliierten die Initiative in ihrer Hand und drängten die Schweden in die Defensive.
Wismar als schwedische Besitzung wurde am 14. August 1711 hineingezogen als dänische Truppen, nach einem für sie in Lübow siegreich erfolgten Gefecht mit den Schweden, Wismar belagerten. Im Verlaufe des Krieges griffen auch die Preußen und eben die Sachsen mit Polen ein. Peter I. hatte sein Ziel mit der Vormachtstellung in der Ostsee erreicht. Er sicherte wäh-rend des Krieges seine Gebietsgewinne im Ostseeraum, auch mit seinem neuen Flaggschiff, der „Standard“, dass erst 1703 gebaut wurde. Im Sommer 1713 hatte er das schwedische Südfinnland erobert. Zu Wasser waren die Schweden mit ihren großen Schiffen, die viele Ge-schütze tragen konnten, der russischen Flotte zunächst weit überlegen. Peters einzige Chance war eine Schlacht in Küstennähe. Unter Aufbietung aller Mittel verdoppelte er seine Ostsee-flotte. Im August 1714 lagen sich die beiden Flotten gegenüber. Während einer anhaltenden Flaute kämpften sich die kleineren, aber wendigen russischen Schiffe durch den schwedischen Geschützhagel und enterten die unbeweglichen schwedischen Schiffe. Damit herrschte die russische Flotte über die nördliche Ostsee. Peter I. war auf der Höhe seiner Macht. Für die Wismarer war die zehnmonatige Belagerung hart. Die Lebensmittel wurden knapp und ein schwedischer Festungsausbruch zur Nahrungsbeschaffung endete in einem Fiasko. Am 20. April 1716 ist Wismar von preußischen und dänischen Truppen eingenommen worden. Damit fiel auch der letzte schwedische Besitz in Norddeutschland. Erst nachdem der als uneinsichtig und stur geltende schwedische König am 11. Dezember 1718 während einer Belagerung von Frederikshald, wo er auf der Flucht vor seinen Feinden und nach Umwegen über die Türkei zurückgekehrt war, unter ungeklärte  n Umständen fiel, konnte der für Schweden aussichtslos gewordene ungleiche Krieg beendet werden. Die Bedingungen der Friedensverträge von Stockholm, Frederiksborg und Nystad bedeuteten das Ende Schwedens als europäische Großmacht und den gleichzeitigen Aufstieg des 1721 von Peter I. gegründeten Russischen Kaiserreiches.
In der Folgezeit wurden in Wismar alle Festungsbauten geschleift. Eine als sicher geltende Festung war innerhalb weniger Jahrzehnte nutzlos geworden. Die Leidtragenden waren die Wismarer, die diese Festungsbauten abtragen mussten. Es ist überliefert, dass die, die einst die Festungswälle erschaffen haben, auch wieder abgerissen haben. Ebenso die Festung auf dem Walfisch, die erst etwas über 20 Jahre stand. Für Wismar bedeutete das Kriegsende, dass die Stadt zunehmend verfiel, da die Schweden kaum Interesse an ihrer deutschen Besitzung hat-te. Im Friedensvertrag wurde vereinbart, dass die Stadt Wismar auch zukünftig keinerlei mili-tärische Nutzung mehr haben sollte. Der Krieg hatte gravierende Auswirkungen auf die Be-völkerungsentwicklung im Königreich Schweden. Auf fünf Frauen kamen zuletzt nur noch drei Männer, was dazu führte, dass vorwiegend Frauen die landwirtschaftliche Arbeit über-nehmen mussten.

Was sonst noch geschah
23. April 1859 Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Wismar.
23. April 1994 20.000 Menschen demonstrieren in Wismar für den Erhalt des Werftstandor-tes.
25. April 1850 Einweihung der Knaben-Bürgerschule im ehemaligen Waisenhaus (seit 1689) in der Kirche des Schwarzen Klosters.
26. April 1716 Zar Peter I. besichtigt Stadt und Festung.
26. April 1907 Benennung der Straßen Schwarzkopfenhof, Gerberhof, Grothusenschanze.
26. April 2002 Der Schwedentisch von 1907 im Tierpark erhält nach 80 Jahren wieder eine Sonnenuhr.
26. April 1990 Aus der „Bank für Handwerk und Gewerbe eGmbH Wismar“ geht die „Volksbank Wismar eG“ hervor. Umzug in das ehemalige Gebäude der SED Hinter dem Rat-haus.

Detlef Schmidt

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