Kalenderblatt zum 20. August

Claus Jesup – Handwerker und Stadtrebell

Am 20. August 1954 wird die Wilhelmstraße während des 725-jährigen Stadtjubiläum in Claus-Jesup-Straße umbenannt. Um 1270 gab es diese Straße schon als „Vogtsgrube“, denn in der heute noch sehr breiten Straße befand sich ein Wasserlauf, was noch deutlicher bei der um 1400 erwähnten Straßenbezeichnung „Faule Grube“ wird. Die Faule Grube war mit Sicherheit Brackwasser, das ohne fließenden Zufluss war. In diesem Bereich hatten die Wollenweber ihr Wohn und Arbeitsquartier. Sie gehörten zu den geachtetsten Zünften und hatten in der St. Georgenkirche eine eigene Kapelle. Im 15. Jahrhundert gab es 30 Amtsmeister. An der Faulen Grube hatten sie ihr Zunfthaus und der Zunftmeister Claus Jesup besaß an der Faulen Grube ein Haus. Hier wohnten und arbeiteten viele Wollweber. Die Faule Grube sollte im 19. Jahr-hundert zur Promenade ausgebaut werden, was jedoch nicht richtig gelang. Die Grube wurde Anfang des 19. Jahrhunderts zugeschüttet und bepflanzt. 1875 erhielt sie nach dem deutschen Kaiser, den Namen Wilhelmstraße.
Doch wer ist Claus Jesup, dessen Name nach 600 Jahren so bekannt ist und von dem Friedrich Techen meinte, dass er „eine schreckliche Gestalt sei“? Im bürgerlichen Wismar und deren Geschichtsschreibung ist er als Rebell gegen die Obrigkeit und in der sozialistischen DDR wird zum als „Revolutionär gegen das herrschende Patriziat“. Beides ist nicht ganz richtig.
Man weiß über Claus Jesup Lebensdaten wenig, nur dass er wohl zwischen 1448 und 1453 verstorben ist. Als Ältermann oder Obermeister der Wismarer Wollenweberzunft, besaß er großen Einfluss. Die Wollweber waren selbst geachtete Handwerker und so ist es nicht ver-wunderlich, dass sie eben mehr Einfluss im Wismarer Rat forderten. Im Wismarer Rat hatten die Kaufleute, Brauer und Schiffer das Sagen und kein Handwerker hatte Zutritt. Schon 1403 war es in Lübeck zu Unruhen gekommen und diese hatten auch Einfluss auf Wismar. Zu Himmelfahrt 1410 wurde der alte Rat verdrängt und Claus Jesup vertrat im gleichen Jahr Wismar auf dem Hansetag zu Lübeck. 1411 wurde er zum ersten Mal Bürgermeister der Han-sestadt Wismar und hatte das Amt bis 1413. Der neue Rat amtierte jedoch noch bis 1416, ehe wieder die vormaligen Verhältnisse eingesetzt wurden. Die Unzufriedenheit unter Wismars Bürgern und Handwerkern blieb jedoch und als im August 1427 die Niederlage der Wismarer im Sund gegen die Dänen bekannt wurde und gleichzeitig der Verlust von Salzschiffen, be-gann der Zorn der Wismarer Bürger nahezu über zu kochen. Claus Jesup erkannte die brenzli-ge Lage und wurde erneut zum Anführer der unzufriedenen Masse. Vor lauter Furcht, dass ihm etwas passieren könnte, einigte sich Bürgermeister Johann Banzkow mit Claus Jesup, in-dem er ihm die Torschlüssel der Stadt anvertraute. Es wurde ein Bürgerausschuss mit 24 Bür-gern und zwölf Zunftmeister gewählt, später durch einen sechziger Ausschuss ersetzt, der den alten Wismarer Rat mit Forderungen bedrohte. Sie forderten andere unliebsame Beschlüsse der Hansetage rückgängig zu machen, die Herabsetzung der Biersteuer und neue Braurege-lungen, größere Freiheiten beim Erwerb von Hopfen und die Bäcker beschwerten sich, dass Bürgermeister Banzkow ihnen die Preise diktierte. Der Ausschuss untersuchte auch die Schuldfrage bei der Kriegsführung mit den Dänen und forderte die Hinrichtung des Rats-mannes Hinrik von Haaren, der die Wismarer befehligte. Er wurde am 31. Oktober 1427 auf dem Markt hingerichtet. Ehe man sich über Verfehlungen des Bürgermeisters Johann Banz-kow auseinandersetzte, wollte dieser sich durch Flucht einer Bestrafung entziehen. Dies wur-de aber als Schuldeingeständnis angesehen und er wurde ebenfalls am 18. November 1427 auf dem Markt hingerichtet. Am 11. Januar 1428 ist der Wollweber Claus Jesup erneut zum Bür-germeister gewählt. Der neue Rat wandte sich an die Herzogin Katharina in Schwerin und versprach ihr die Treue, was für die Stadt eine Legitimation ihrer Verwaltung bedeutete. Die Söhne von Johann Banzkow wandten sich jedoch an den römischen Kaiser Sigismund, der am 4. Oktober 1428 über Wismar den Bann aussprach. Dies verbunden mit massiven Drohungen gegen Stadt und Bürger, falls sie nicht willig sind und sich fügten. Unter der Mitwirkung der Hansestädte Hamburg, Stralsund und Lüneburg bewegten sie die Wismarer zur Aufgabe. Der Rat musste öffentlich seine Schuld eingestehen, die Ausschüsse auflösen und gegenüber den Familien der Hingerichteten Abbitte leisten. Die Stadt musste Pilgerfahrten nach Rom und auch nach Santiago de Compostella unternehmen. Den Bürgern wurde ein erneuter Treueeid gegenüber dem Landesherren und dem Rat abgenommen. Ausgeschlossen wurde aber, dass Rache genommen wurde und so blieb Claus Jesup bis an sein Ende unbehelligt in der Stadt, obwohl er sich sicherlich viele Feinde gemacht hat. Zur weiteren Sühne wu

Was sonst noch geschah
20. August 2000 Der erste Schwedenlauf mit 70 Läufern findet während des 1. Schwedenfestes in Wismar statt.
21. August 1932 Der Wismarer Grafiker und Maler Rolf Möller wird geboren.
22. August 1631 Die Stadt wird von schwedischen Truppen eingeschlossen.
24. August 2006 Die Teilstrecke der Autobahn 14 zwischen Wismar und Jesendorf wird für den Ver-kehr frei gegeben, die gesamte Strecke bis Schwerin am 21.12.2009.
25. August 1944 11. Luftangriff zerstörte Dornierwerke und Waggonfabrik 205 Menschen kamen dabei ums Leben und 105 Wohnhäuser wurden zerstört.
25. August 1948 In den Wallgärten wird eine Liegehalle für 20 Lungenkranke eingerichtet.
26. August 1822 Wismarer Maler Theodor Martens geboren. Er gilt neben Carl Düberg und Carl Canow als eine der bedeutendsten Maler Wismars des 19. Jahrhunderts.
28. August 1955 – 1. Rennen auf dem Hanseaten-Ring.
28. August 1992 Übergabe des Rathauses nach Modernisierung vom Brand am 18.12.1990.

Detlef Schmidt

rde in der Nähe von St. Marien 1433 eine Sühnekapelle errichtet, die 1850 wegen Baufälligkeit entfernt wur-de. Auf dem Markt sollte ein Sühnestein aufgebaut werden. Heute erinnert auf der Westseite eine Tafel an das Ereignis.

 

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