Kalenderblatt zum 20. August

Anton Johann Friedrich Haupt – ein Reformer als Bürgermeister

Am 20. August 1826 wurde Anton Johann Friedrich Haupt mit gerade einmal 26 Jahren zum 1. Bürgermeister Wismars gewählt und man zählt ihn seitdem zu einen der bedeutendsten Bürgermeistern Wismars. Sein Porträt im Bürgerschaftssaal erinnert die tagende Bürgerschaft, wie auch die Stadtverwaltung und alle Bürger an diesen nahezu rastlos wirkenden Mann des frühen 19. Jahrhunderts. Zu Recht wird er in der Wismarer Geschichtsschreibung als einer der bedeutendsten Bürgermeister genannt, denn in seiner kurzen Lebenszeit setzte er sehr viele, noch heute wirksame Einrichtungen um.

Geboren wird er am 18. September 1800 in Wismar als Sohn des Stadtsyndicus und Senators Dr. Gabriel Haupt. Sein Großvater war Superintendent von St. Marien. Viel ist über seine Kindheit nicht bekannt, außer, dass er, nach seinen eigenen Worten, „eine stille und glückliche Kindheit“ hatte. Er war Schüler der großen Stadtschule und nach Aussagen seines Lehrers und späteren Freundes, Magister Carl Ferdinand Crain, des Rektors der damaligen Großen Stadtschule, gehörte Haupt zu seinen begabtesten Schülern. 1817 bestand er die Reifeprüfung und begann am 28. April 1817 mit seiner Immatrikulation ein Jurastudium an der Universität Jena und das nicht zufällig, denn seine Großeltern mütterlicherseits lebten hier. In Jena schloss sich der junge Student 1817 spontan und überzeugt der studentischen Burschenschaft an, deren führender Vertreter er bald wurde. Die Burschenschaften setzten sich für demokratische Ordnung in den deutschen Teilstaaten ein. Begeistert nahm er am Wartburgfest der Burschenschaft am 18. Oktober 1817 teil. Überzeugt vertrat er die Interessen der studentischen Jugend. 1819 wechselte er an die Universität Bonn. Hier wurde er 1819 Mitglied der Burschenschaft Allgemeinheit. Unter anderem deswegen wurde er verhaftet und unter Hausarrest gestellt. Nach einer scheinbaren Loyalitätserklärung, in der er sein politisches Wirken darlegte, nichts verschwieg, aber auch keinen seiner Kommilitonen denunzierte, konnte er im Sommer 1820 nach Wismar zurückkehren. Wenn über seine Jenaer Studentenzeit gesagt wird, dass er „keine dicken Hefte gefüllt hat“, so mag es stimmen, doch das Versäumte holte er mit den ihm eigenen Fleiß auf. Nach bestandener juristischer Prüfung erhielt Haupt in Wismar die Konzession zur Führung einer Anwaltspraxis, die er mit nur 22 Jahren eröffnete und machte mit der Schrift „Über die Ideen eines neuen Gesetzbuches für Mecklenburg“ auf sich aufmerksam. Rasch erwarb er sich ein hohes Ansehen, nicht zuletzt wegen seiner beruflichen Tüchtigkeit, und so wurde er 1823 zum Ratsmitglied berufen. In dieser Eigenschaft setzte er sich besonders tatkräftig  für die am 23. Juni 1824 gegründete „Städtische Ersparnißanstalt“, dem direkten Vorläufer unserer Sparkasse  ein. Nachdem Anton Johann Haupt am 20. August 1826 zum ersten Bürgermeister gewählt wurde, begann er mit dem ihm eigenen Eifer und dem immensen Fleiß weitere dringende Vorhaben in Verwaltung und Bürgerschaft umzusetzen.

1827 schuf er eine neue Armenordnung, die eine deutliche Verbesserung in der Verwaltung des Armenwesens darstellte.  In seiner Eigenschaft als landesherrlicher Kommissar zur Untersuchung des Armenwesens in Mecklenburg schrieb er: „Darf der Staat sich selbst eine Klasse von Proletariern schaffen, die schlecht werden muss, weil man sie schlecht behandelt…“ Weit vorausschauende Gedanken und Visionen eines jungen Bürgermeisters.

Am 22. August1827 legte Bürgermeister Haupt legt der großherzoglichen Kommission einen Plan zur Reform der geistlichen Hebungen vor, eine Reform, der wir uns noch heute verpflichtet fühlen und am 18. März 1829 ratifiziert Anton Haupt die neue Kirchenverfassung. Wismars neue städtische Verfassung geht im Wesentlichen auf den Entwurf von Haupt zurück, die am 29. Dezember 1830 durch den Großherzog bestätigt wird. Hiermit sind erstmals seit den Handwerkerunruhen von 1427 die Handwerker wieder „ratsfähig“.

Auf Anton Haupts Reformvorschläge geht auch die Errichtung des ersten städtischen Krankenhauses in Wismar zurück, wobei eine 1831 drohende Choleraepedemie sicher beschleunigend wirkte. 1833 wurde dieses Krankenhaus an der Stadtmauer im ehemaligen Schwarzen Kloster eröffnet. Am 2. November 1830 schildert Bürgermeister Anton Haupt  dem Rat die Vorteile einer modernen Friedhofsanlage. Wismar gehörte zu den wenigen Städten, deren Toten innerhalb der Stadtmauer bei den Kirchen beerdigt wurden. Bislang scheiterten alle Versuche eine neue Friedhofsanlage zu errichten und hier wirkte die Choleragefahr von 1831 beschleunigend und am 24. Oktober 1831 wird der neue Friedhof auf dem Galgenberg eingeweiht. Um Vorurteile aus dem Weg zu räumen, bestimmt der junge Bürgermeister, dass er bei seinem Ableben dort begraben werden möchte. Seine letzte Reform diente der Neuordnung des Stadtbuchwesens, die am 13. September 1832 in Kraft trat. Noch kurz vor seinem Tod, ein Jahr nachdem die erste Eisenbahn für den Personenverkehr in Deutschland von Nürnberg nach Fürth fuhr, forderte der weitsichtige Haupt die Errichtung einer Eisenbahn nach Wismar.

Am 22. November 1835 starb Anton Haupt durch einen Schlaganfall in seinem Haus in der Lübschen Straße. Sein Sohn, Anton Johann Haupt d. Jüngere war von 1878 bis1889 Bürgermeister in Wismar.

1936, zum einhundertsten Todestag von Bürgermeister Anton Johann Friedrich, ehrt ihn die Stadt Wismar mit der Benennung einer Straße nach ihm. Bis dahin hieß die Straße „Bernittenhöfer Weg“. Bernittenhof war jahrzehntelang ein beliebtes Ausflugsziel der Wismarer und befindet sich im Bereich des Stadtteiles Friedenshof I. Ein kleiner Teich erinnert noch an das ehemalige Gehöft, wo sich noch bis in die siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts Gärten befanden.1976 wurde die inzwischen zweispurig, zeitweilig bis 1959 als Rennstrecke „Hanseatenring“ genutzte Straße, zusammen mit der Straße „Köppernitztal“ willkürlich in „Wilhelm-Pieck-Allee“ umbenannt. Nach der politischen Wende erfolgte 1993 durch einstimmigen Bürgerschaftsbeschluss die Rückbenennung beider Straßen in ihre traditionellen Namensgebungen. Die Familiengrabstelle des Bürgermeisters Haupt wird auf dem Ostfriedhof, auf dem ehemaligen Galgenberg, als Denkmal erhalten.

Was sonst noch geschah

  1. August 1945 Die gesetzlichen Krankenkassen werden zusammengefasst und nehmen Sitz im Schabbelhaus.
  2. August 1954 Die Wilhelmstraße wird in Claus-Jesup-Straße umbenannt.).
  3. August 1631 Die Stadt wird von schwedischen Truppen eingeschlossen.
  4. August 1934 Alle städtischen Beamten werden auf Adolf Hitler vereidigt.
  5. August 1945 Bekanntmachung über eine Berufserhebung. Ausgabe und Rückgabe der Fragebögen in den Lebensmittel-Ausgabestellen.
  6. August 1864 Zerstörung des Restaurants am Wendorfer Ufer durch eine Sturmflut.
  7. August 1876 Benennung der Bauhofstraße
  8. August.2006 Die Teilstrecke der Autobahn 14 zwischen Wismar und Jesendorf wird für den Verkehr frei gegeben. Am 21. Dezember 2009 wird die gesamte Strecke bis Schwerin freigeben.

Detlef Schmidt

 

 

 

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