Kalenderblatt zum 20. Februar

 Kalenderblatt zum 20. Februar

Kreuzfahrtpionier Wilhelm Bade aus Wismar

Seit Jahren erfreuen sich Kreuzfahrten, Dank auch akzeptabler Preise, steigender Beliebtheit. Ein maßgeblicher Wegbereiter ist der am 20. Februar 1943 in Hohen Wieschendorf geborene Eduard Gustav Wilhelm Bade. Seinen Eltern, Friedrich und Henriette Bade gehörte das Gut Hohen Wieschendorf. Wilhelm Bade wurde 1858 in St. Nikolai zu Wismar konfirmiert und schlug dann eine seemännische Ausbildung ein.
Wilhelm Bade nahm als II. Offizier auf der „Hansa“ an der 2. Deutschen Nordpolarexpedition teil, die am 15.Juni 1869 in Bremerhaven begann. Die Strapazen reiche Expedition dauert 14 Monate, was jedoch den recht jungen Seemann Wilhelm Bade nicht abhielt, seit 1874 als Kapitän, sich weiter für die Erkundung der nordpolaren Region in Reisen, Vorträgen und Reisebeschreibungen einzusetzen. Besonders der Archipel Spitzbergen hatte es ihm angetan und 1891 war diese Insel erneut Ziel seiner Reise. Ab 1892 begann Kapitän Wilhelm Bade, dem in Wismar die „Ostseefischerei Wendorf“ gehörte und zeitweise in der Mecklenburger Straße 4 wohnte, die polare Insel Spitzbergen nach abbaubaren Rohstoffen, wie Steinkohle, zu erkunden. Doch zunehmend wurde die touristische Erkundung wichtiger. Dazu charterte er die entsprechenden Schiffe, wie die „Admiral“, die unter der Flagge der Woermann-Linie aus Hamburg fuhr. Von Travemünde ging es am 1. August 1893 von Travemünde mit 70 Passagieren zunächst auf die Bäreninsel und dann nach Spitzbergen. Diese ersten Touristenfahrten erfreuten sich großer Beleibtheit, so dass Wilhelm Bade nicht nur deutsche Schiffe charterte, sondern auch norwegische. Bade veranstaltete seine erste touristische Vergnügungsfahrt in die Arktis 1893 für die Nordische Hochseefischerei-Gesellschaft. Ab 1894 führte er jährlich im eigenen Unternehmen eine Fahrt durch. Wegen der großen Nachfrage wurden es ab1901 jährlich zwei Fahrten, im Juli und im August. Damit veranstaltete er die ersten touristischen Seereisen in diese Region. Die Reisen waren mit 800 bis 1.800 Mark (das entspricht heutigen 5.000 bis 11.000 Euro) für eine dreiwöchige Reise nicht gerade preiswert und richtete sich sicherlich nur an ein begütertes Publikum. Dafür fuhr man auch mit dem gecharterten norwegischen Salondampfer „Kong Harald“ die norwegischen Fjorde entlang bis Spitzbergen und die Küche soll ausgezeichnet gewesen sein. Um für seine Passagiere das Risiko zu mindern setzte Wilhelm Bade 1902 den finnischen Passagierdampfer „Oihonna“ ein, der auch die dementsprechende Eisklassifikation hatte. An Bord konnte man Walbeobachtungen machen und eigene Bildpostkarten von seinen „Nordlandfahrten“ erwerben, die in alle Welt gingen. Auf seinen Reisen fungierte Wilhelm Bade jedoch nicht als Kapitän sondern als Reiseleiter. Wilhelm Bade wohnte zuletzt in der Dankwartstraße 13 und verstarb am 27. Juli 1903 als Inhaber der „Nordlands-Passagierfahrten“ in einem Rostocker Krankenhaus. Begraben ist er auf dem Friedhof von Proseken. Er hinterließ über seine Fahrten penibel geführte Tagebuchaufzeichnungen, die im Wismarer Stadtarchiv verwahrt werden. Kapitän Wilhelm Bade aus Wismar kann zu Recht das Verdienst zugesprochen werden, mit seinen weltweit ersten Touristenfahrten zur See, ein Pionier der modernen Kreuzfahrt zu sein. Nach Wilhelm Bades Tod, führten seine Söhne das Unternehmen weiter, das jedoch 1908 aufgelöst wurde.

Detlef Schmidt

 

 

 

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