Kalenderblatt zum 20. September

 Vor über 300 Jahren wurde der Militärfriedhof geweiht

Am 20. September 1698 ist auf Veranlassung des damaligen Wismarer Gouverneurs Nils Gyllenstierna, eingedeutscht und geadelt 1706, Nikolaus von Güldenstern, der Soldatenfriedhof an der Rostocker Straße geweiht worden. Güldenstern ist am 13. Oktober 1648 im gerade erst schwedisch gewordenen Wismar geboren. Sein Vater war bis zu seinem Tod 1650, Vize-Kommandant in Wismar. Güldensterns Eltern starben recht früh und so kam er in den Haushalt seines Onkels Johan Freiherr Gyllenstierna der ab 1662 Vizepräsident des Tribunals in Wismar wurde. Nach Studium in Uppsala, Rostock und Königsberg und trat 1666 in das schwedische Heer ein. Hier machte er Kariere und brachte es bis zum Feldmarschall. Am 22. Juli 1696 wird von Güldenstein Generalleutnant und Gouverneur von Wismar. Er starb am 30. März 1720, hochgeehrt als Feldmarschall und Präsident des Königlichen Kriegskollegiums, in Stockholm.

Die Stadt ist seit 1632 von den Schweden besetzt und wird nach dem Westfälischen Frieden von 1648, der den dreißigjährigen Krieg beendete, schwedisches Staatsgebiet. Gouverneur von Güldenstein war ein exzellenter Fachmann auf seinem Gebiet und die Kenntnisse über seine Geburtsstadt Wismar kamen ihm auch zugute. In Wismar waren stellenweise zwischen eintausend und dreitausend Soldaten in der Stadt, wobei es im Durchschnitt 1.500 Militärangehörige waren. Dazu kamen ungefähr 800 Soldatenfrauen mit ihren Kindern, die ihre Männer auf den Feldzügen begleiten durften. Für die Wismarer war das eine teure Angelegenheit, denn neben Verpflegung hatten die Wismarer so zwei bis drei Soldaten Quartier zu geben. Ein Problem ergab sich mit der länger werdenden Besatzung. Verstorbene Ausländer kamen nicht auf die Begräbnisstellen der Bürger und in den Kirchen. Das war im Höchstfall nur Höheren, wie General Helmut von Wrangel, der mit seiner Frau in St. Marien beigesetzt wurde, zugute. Die Verstorbenen wurden auch nicht in ihre Heimatorte überführt, sondern wurden dort beigesetzt, wo sie starben. Von Güldenstern schaffte hier die dringend benötigte Abhilfe, indem er an den Wismarer Rat den Antrag für einen Begräbnisplatz seiner Garnison stellte. Im September 1698 ist der Platz gefunden und genügte Jahrhunderte lang seiner Bestimmung. Vor dem Altwismartor in genügendem Abstand zur Stadt wurde der Garnisonsfriedhof, der heutige Soldatenfriedhof angelegt und sollte nun bis zur letzten Beerdigung 1950 seiner Funktion gerecht werden. Auf dem Soldatenfriedhof wurden nun bis 1803, als die Schweden Wismar verließen, nur Militärangehörige der schwedischen Garnison und ihre Angehörigen beigesetzt. Sofort nach Abzug der Schweden im August 1803 ist diese Begräbnisstelle von mecklenburgischen Truppen, die ab 1820 in Wismar stationiert waren, genutzt worden. Doch nach dem Abzug der Schweden 1803 wurde Wismar in die Eroberungszüge Napoleons einbezogen, dessen Truppen am 28. November 1806 in Mecklenburg einmarschierten und Wismar am 30 August 1813 wieder verließen. Nach 1813 war dann das 1. Mecklenburgische Musketier-Bataillon stationiert, die 1820 Wismar wieder zur Garnisonstadt machten.

Die Einquartierung bei den Bürgern hörte erst auf, als 1881 durch den Wismarer Architekten Helmuth Brunswig die Kaserne Scheuerstraße gebaut wurde. Ein Jahr später ist das 1690 erbaute ehemalige schwedische Packhaus von Helmuth Brunswig ebenfalls zur Kaserne ausgebaut worden. Doch reichten die beiden neuen innerstädtischen Kasernen nicht aus, um alle Militärangehörigen der Wismarer Garnison unterzubringen. So wurde 1895 das Haus hinter dem Packhaus neu erbaut und 1912 wurde auch das Packhaus noch einmal erweitert und modernisiert. Im April 1920 ist die Wismarer Garnison durch Bürgerschaftsbeschluss aufgegeben worden. Angehörige der Wismarer Garnison wurden ebenfalls auf den Soldatenfriedhof bestattet. Später auch die Gefallenen des 1.Weltkrieges und ab 1939 sind deutsche Soldaten, Kriegsgefangene, wie Franzosen, Italiener, Polen und Russen und Zivilisten begraben.

In Wismar endete der Krieg am 2. Mai 1945. In der Nacht zuvor erschossen sich bei einem Trinkgelage die NSDAP Kreisleiter von Rostock, Otto Dettmann und Wismar, Paul Ohl. Ebenso nahm sich die Sekretärin, Gisela von Sobbe das Leben. Der Ortsgruppenführer der NSDAP, Raymund Zawadski beging ebenfalls am 2. Mai 1945 Selbstmord. Diese wurden  auf dem Soldatenfriedhof anonym begraben. Bis 1950 fanden hier vereinzelt Verstorbene ihre letzte Ruhe.

Zu DDR-Zeiten sind dann die Gräber eingeebnet worden und es entstand ein Park mit einem seltenen und alten Baumbestand. Erst nach der Wende und dem Kriegsgräbergesetz, ist der Soldatenfriedhof neugestaltet worden. Auf Bronzetafeln längs des Hauptweges sind die Namen von den seit 1817 dort beigesetzten Personen eingraviert. Es ist ein historischer Ort, an dem man in Ruhe seiner im Krieg ums Leben gekommenen Angehörigen gedenken kann. Es ist heute auch ein Ort, an dem jährlich am Volkstrauertag der Opfer von Krieg, Terror und Gewaltherrschaft gedacht wird.

 Was sonst noch passierte

20. September 1990 Arbeitslosenquote liegt in Wismar bei 7,1 %, das sind über 3.000 Menschen.

21. September 1952 Einweihung des Kurt-Bürger-Stadions mit 16.000 Menschen.

23. September 1839 Beantragung der Ehrenbürgerschaft Dahlmanns, jedoch Ablehnung durch den Rat.

23. September 1945 Wismarer Fußballer bestreiten erste Auswärtsspiele.

23. September 1997 Die „Volksbank Wismar eG“ fusioniert mit der „Raiffeisenbank eG Grevesmühlen“ unter dem neuen Namen „Volks- und Raiffeisenbank eG“. Im Jahr 1999 kam es zu einer Fusion mit der Raiffeisenbank Wismar. Seitdem trägt sie den Namen „Volks- und Raiffeisenbank eG Wismar“ mit Sitz in Wismar. Seit dem 8. August 2005 im Neubau Mecklenburger Straße 12 -16.

26. September 1989 Die Bürgerbewegung „Initiative 89“ wird gegründet.

29. September 1541 Michaelistag. Gründung der Großen Stadtschule im Grauen Kloster der Franziskaner. Seit 1948 heißt die Schule „Geschwister-Scholl Oberschule“ und erhält 1991 den Namen „Große Stadtschule – Geschwister Scholl Gymnasium“.

29. September 1956 Übergabe der Werft-Poliklinik an der Koggenoor an Dr. Walter Heller als ärztlichem Direktor.

30. September 1903 Uhrmachermeister Julius Brunnckow mit 76 Jahren gestorben. Mitglied des Bürgerausschusses und stellvertretender Vorsitzender, Vorsitzender des Wismarer Gewerbevereins. Namensgeber der „Brunnckowkai“ am Hafen.

September 1992 Die Karl-Marx-Straße heißt wieder Lübsche Straße.

 

Detlef Schmidt

 

 

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