Kalenderblatt zum 21. August

Wismarer Künstler wurde heute vor 85 Jahren geboren

Heute wäre Wismars bekanntester Künstler der vergangenen Jahrzehnte, der Grafiker und Maler Rolf Möller, 85 Jahre alt geworden. Am 6. Januar 2015 verstarb der zuletzt in Wodorf wohnende Maler nach längerer Krankheit. Er wurde in Krefeld-Uerdingen geboren, wohin seine Eltern wegen der Weltwirtschaftskrise gezogen sind. 1936 zog die inzwischen vier-köpfige Familie wieder nach Wismar. Rolf war der älteste seiner Brüder Klaus und Peter. Das Wismar nicht seine Geburtsstadt ist, hielt ihn nicht davon ab, „seine große Liebe“ Wismar, als seine Heimatstadt anzuerkennen. Hier und in der Region holte er sich die Inspiration zu seinen Werken und war fest verwurzelt.
Das Talent zum Zeichnen und Malen entdeckten schon rechtzeitig seine Volksschullehrer, aber auch seine Eltern, die ihm zu Kriegsweihnachten 1943 einen Tuschekasten schenkten und so den Grundstein für sein späteres künstlerisches Wirken legten. Bühnenmaler wollte er werden, doch 1948 brannte das Theater an der Mecklenburger Straße aus und um etwas „ordentlich“ zu lernen, ging er bei einem „Stubenmaler“ in die Lehre. Seinem Lehrmeister und den an der Berufsschule lehrenden Meistern fiel die außergewöhnliche Begabung von Rolf auf und er konnte seine Lehre nach zwei Jahre, anstatt drei Jahren beenden. 1950 gehörte er zum ersten Jahrgang der in Wismar begründeten Fachkunstschule, die 1953 nach Heiligendamm verlegt wurde. Nach erfolgreichen Abschluss konnte er sein Studium 1953 an der Hochschule für angewandte Kunst in Berlin-Weißensee fortsetzen und er wurde im Verband der Bildenden Künstler aufgenommen. 1956 kehrt er als akademisch ausgebildeter Grafiker nach Wismar zurück und sucht nun seine Existenz zu begründen. Zunächst wurde er Werbeleiter bei der DDR-Handelsorganisation HO, doch einem Grafiker konnte dies nicht richtig fordern. Die neue Werft suchte einen technischen Grafiker und Rolf Möller war der Richtige. Fortan setzte er Schiffe und Zubehör in das richtige Format und es war schon etwas mehr in die künstleri-sche Richtung. Diese schlug er endlich 1964 ein, als er sich von Werft und Angestelltensein trennte, um den nicht immer einfachen Werdegang eines „Freischaffenden“ einzuschlagen. Rolf Möller war immer derjenige, den man nicht einbinden konnte und der sich erst richtig in der freien Arbeit entwickelte, so wie das damals in der DDR überhaupt möglich war. Aufträ-ge erhielt er aufgrund seiner Fachlichkeit zur Genüge von den Werften, aber auch aus der Bauindustrie zur Schaffung von „Kunst am Bau“. Daneben entwarf er für anstehende Stadt- und Gemeindejubiläen die grafische Gestaltung der Broschüren. Aus dieser Zeit entstammt auch die Zusammenarbeit mit Groß Stieten und einem Möller-Relief am jetzt abgerissenem Mehrzweckgebäude. Ihm oblag auch die gesamte grafische Konzeption zur Mecklenburger Mühle. Wismar feierte 1979 sein 750-jähriges Stadtjubiläum und Rolf Möller drückte ihr mit vielen Grafiken, Signets, Buch- und Flyer Gestaltungen und Bilder seinen „künstlerischen Stempel“ auf. Es gab und gibt wohl kein Erinnerungsstück, das nicht die Handschrift von Rolf Möller aufweist. Bei Rolf Möller war es nun mal nicht die herrschende Ideologie, der er sich unterwerfen sollte sondern seine hervorragende künstlerische Umsetzung der Aufträge.
1974 erwarb er ein niederdeutsches Hallenhaus in Wodorf, das er zum Atelier und Wohnhaus für sich und seine Frau Gisela ausbaute. Hier fand er auch stärker zur Malerei zurück, wobei die ländliche Umgebung ihn hier wieder beeindruckte, doch auf den viel gezeichneten Salz-wiesen von Poel, war immer auch seine Heimatstadt Wismar drauf. Er erhielt Gelegenheit, seine Bilder in Ausstellungen zu zeigen. Die gesellschaftliche Wende von 1989 war auch für ihn eine Zäsur. Letztendlich konnte er die Stätten, die ihn auf Fotos so sehnsüchtig anblickten, besuchen. Reisen nach Italien, Norwegen, Dänemark und Schweden stillten seine Sehnsucht. Überwältigt von der Natur Norwegens und der Klarheit in Dänemark, begann wieder eine neue Phase seines künstlerischen Lebens. Besonders Norwegen hatte es ihm angetan. Hier entstanden Freundschaften, die bis zu seinem Tod anhielten. Rolf Möllers Malerei war keine beliebige oder sich dem Käufer anbiedernde, sondern sie enthielten den künstlerischen Blick eines Norddeutschen, wie er sich immer verstanden fühlte. Rolf Möllers Frau Gisela, verstarb 2009. Er wohnte nun allein in seinem Haus, versuchte aber trotzdem nicht, sich zurückzuzie-hen. Sein Zeichenblock und die Staffelei waren immer bereit, neue Eindrücke gleich zu verar-beiten. Einen letzten öffentlichen Höhepunkt erlebte er 2012, als ihm zu Ehren eine Ausstel-lung zur Zerstörung des Gotischen Viertels in St. Georgen mit seiner künstlerischen Umset-zung eröffnet wurde. Möllers Werke sind in vielen Häusern Norddeutschland anzutreffen, aber auch als Kunstwerke am Bau. Das Wismarer Museum und auf der Insel Poel hat Werke von ihm. Erkennungssicher auch seine Buchillustrationen und seine Gebrauchsgrafiken sind Erzeugnisse ausgemachter handwerklich-künstlerischer Sprache, die in ihrer Art einzigartig sind.

Was geschah sonst noch
22. August 1631 Die Stadt wird von schwedischen Truppen eingeschlossen.
23. August 1934 Alle städtischen Beamten werden auf Adolf Hitler vereidigt.
24. August 1876 Benennung der Bauhofstraße, nach Neupflasterung mit der Straße „hinterm Herrenstall“ zusammengeführt.
24. August 2006 Die Teilstrecke der Autobahn 14 zwischen Wismar und Jesendorf wird für den Verkehr frei gegeben. Am 21. Dezember 2009 wird die gesamte Strecke bis Schwerin freigeben.
25. August 1948 In den Wallgärten wird eine Liegehalle für 20 Lungenkranke eingerichtet. Wesentlichen Anteil hatte der Kinderarzt Dr. med. Otto Connerth.
25. August 2014 Gründung der Sportstiftung der Hansestadt Wismar.
27. August 1892 Gründung des Wismarer Kanalbauvereines der sich noch in demselben Jahr nach Vereinigung mit dem schon bestehenden Elde-Stör-Kanalbau-Verein zu einem Elbe-Ostsee-Kanalbauverein erweiterte und es sich zur Aufgabe setzte, den Bau eines Kanals von der Ostsee zum Schweriner See und zur Elbe zu betreiben. Initiator war Heinrich Podeus.
27. August 1903 Die Stadtmauer am Lindengarten fällt.
27. August 2000 1. Stadtwerke Hanseaten-Ring-Radrennen. der Stadtwerke Wismar. Uwe Ampler, viermaliger Gewinner der Friedensfahrt, Olympiasieger und Ex-Weltmeister beendet endgültig seine Laufbahn in Wismar als Radprofi.

Detlef Schmidt

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