Kalenderblatt zum 21. Februar

     Wendorf bekommt die ersten Straßennamen

Am 21. Februar 1952 erhalten auf Beschluss der Wismarer Stadtverordnetenversammlung die neuen Straßen im Wismarer Neubaustadtteil die Namen nach dem sozialdemokrati-schen Reichstagsabgeordneten Rudolf Breitscheidt, den Kommunisten Etkar Andre, Katja Niederkirchner, Rudi Arndt, Bruno Tesch, Hanno Günther und Lieselotte Herrmann. Das sollte nach den Willen der Wismarer anders werden, denn schon am 31. März 1951 bekam der Wismarer Rat der Stadt eine Abfuhr aus Berlin auf die vorgetragene Bitte, führende Persönlichkeiten der DDR um eine Namenspatenschaft für die neuen Wendorfer Straßen zu gewinnen. So besannen sich die Wismarer auf die Namen von Widerstandskämpfern aus der Zeit des Nationalsozialismus.
Wendorf bestand zu diesem Zeitpunkt noch aus drei Dörfern und hat eine weit zurück ge-hende Vergangenheit. Am 6. Juni 1229 überließ Johann I. „seinen lieben Bürgern“ zwi-schen Wendorf und der Köppernitz ein Stück Land, wie es die Urkunde ausweist. Das ist so etwas wie die „ Geburtsurkunde der Stadt Wismar“. Wendorf´s drei Dörfer waren, Vor-Wendorf, Mittel-Wendorf und Hinter-Wendorf, deren Strukturen schwierig mehr nach-weisbar sind aber es gibt noch Hinweise. So der Teil der Erwin-Fischer-Straße, der am neu-en Wohnbereich „Zum Gutshof“ durch den „Hohlweg“ führt. Da ist sogar noch das alte Kopfsteinpflaster des Dorfes vorhanden. Wendorf kann sich auch rühmen, eines der ersten deutschen Seebäder zu haben. Von 1821 bis 1849 ankerte vor der Anhöhe am Wendorfer Ufer das Badeschiff und ab 1850 wurde von einer Brücke mit Badekarren gebadet. Das Kurhaus ist 1866/67 errichtet und am 1. September 1902 wird das Seebad Wendorf städti-sches Eigentum und bis 1910 entstanden die beiden Villen. Die Landgemeinde Mittel-Wendorf wird am 14. April 1921 aus dem Amt Wendorf in den selbständigen Stadtbezirk Wismar eingegliedert. Eine große Eingemeindung fand dann am 1. Oktober 1939 statt. Die Gemeinden Hof Redentin, Redentin, Hinter-Wendorf, Mittel-Wendorf, Vor-Wendorf, Zierow und Rohlstorfer Forst aus dem Landkreis Wismar wurden in die Seestadt Wismar übernommen. Die Hintergründe waren, dass man angedacht hatte, Wismar auf 80.000 Einwohnern wachsen lassen wollte. Das ging aber gründlich schief!
Nach dem 2. Weltkrieg begann Wismar durch Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten stark anzuwachsen und auch die werdende Industrie zog Menschen an. Nachdem am 1. Mai 1949 der erste Spatenstich für ein Neubaugebiet am Flöter Weg vollzogen wurde, begann man nach vorherigen Planungen am 29. April 1950 mit der Grundsteinlegung für die ersten Häuser in Vor Wendorf. Das Wohngebiet weitete sich schnell aus. Am 1. Mai 1956 konnte das elfstö-ckige Hochhaus am Platz des Friedens übergeben worden. Waren die Wohnungen in den ers-ten Häusern noch sehr klein zugeschnitten, so baute man doch später nach den Bedürfnissen der Menschen. Viele haben hier zuerst ein eigenes Bad und auch Toilette bekommen. Wen-dorf-Süd mit Mozart-, Beethoven- und Tschaikowwskystraße wurde ebenfalls in diesem Zeit-raum gebaut. Bis Ende der fünfziger Jahre war die Grenze des neuen Wohngebietes Vor-Wendorf, der Name blieb lange bestehen, die Bruno-Tesch-Straße. Der Stadtbus fuhr bis hier und anschließend ging es weiter zu Fuß über Mittel-Wendorf zum Seebad Wendorf. In den sechziger und siebziger Jahren ist dann der Bereich Mittel-Wendorf bis Seebad Wendorf aus-gebaut worden. Diesen Abschnitt sieht man heute noch deutlich an der Änderung der Archi-tektur. Hinter-Wendorf hat noch Grundstrukturen des Dorfes am Gutshaus erhalten und liegt im Wesentlichen im Bereich des Zierower Weges. Die Infrastruktur des neuen Stadtteiles wurde durch Schulen, Kindergärten und Krippen erweitert. Sollten die „Ladenstraßen“ am Platz des Friedens und in der Richard-Wagner-Straße den Handel aufnehmen, so war das doch zu kurz gedacht und die 1972 errichtete Kaufhalle übernahm diese Funktion zur Zufrie-denheit der Wendorfer. Die Motorisierung verlangte auch ihre Tribute und Garagenkomplexe entstanden, nicht immer schön aber zweckmäßig. Das „Haus der Begegnung“ entstand 1966 als Ersatz für eine Kirche, denn das Wort sollte vermieden werden. Neues wurde auch prakti-ziert denn am 30. Juni 1970 wurde der „Ex(perimental)bau“ im Paketdeckenhubverfahren in der Ernst-Scheel-Straße übergeben. Wenige Jahre später in der gleichen Bauweise das Studen-tenhochhaus in der Richard-Wagner-Straße. Das alte Seebad beginnt sich wieder mithilfe ei-ner Bürgerinitiative zu mausern und die Sportboothäfen verbreiten am Ufer maritimes Flair. Am 3. Oktober 1993 konnte mit der 350 Meter langen neuen Seebrücke in Wendorf ein altes Wahrzeichen wieder hergestellt werden. Eine grundlegende Sanierung der baufälligen Seebrü-cke erfolgte 2014/2015. Die zentrale Kläranlage Wismars befindet sich auch im Stadtteil Wendorf und hat insbesondere in den letzten Jahrzehnten eine qualitative Verbesserung be-kommen.
Jahrzehntelang war Wendorf das größte Neubaugebiet der Stadt mit den meisten Einwoh-nern bis Ende 1980 das Wohngebiet Friedenshof diesen Titel abnahm. Nach 1990 änderte sich dies und die Wendorfer bekamen ihren Platz zurück, wobei im Friedenshof massiv Wohnraum demontiert wurde. Trotzdem gibt es in Wendorf mit etwa 36 Prozent aller 60jährigen Wismars einen hohen Altersdurchschnitt. Dem können die kleinen Neubaupro-jekte am „Gutshof“ seit 2014 und der angedachte Wohnpark an der Medianklinik, die hier 1996 eingeweiht wurde, entgegenwirken. Senioren, die jedoch in ihrem alten Wohngebiet ihren Lebensabend verbringen wollen, sind im Wendorfer Seniorenheim, das am 14. No-vember 2000 mit 84 Pflegeplätzen übergeben wurde, bestens aufgehoben. Manche „einge-fleischten Wendorfer“ haben den Spruch „Einmal Wendorfer-immer Wendorfer“, und da muss wohl was dran sein.

Was sonst noch geschah
22. Februar 1836 Gründung des Eisenbahnkomitees mit Louis Frege.
23. Februar 1906 Schuster Wilhelm Voigt kommt nach Wismar. Er wird später als Hauptmann von Köpenick bekannt.
24. Februar 1555 Prunkhochzeit Herzog Johann Albrechts I. und Anna Sophia von Branden-burg.
24. Februar 1859 Hauptwache am Markt wird fertig gestellt. Architekt ist der Wismarer Hartmut Brunswig. Umfassender Sanierung erfolgt in den Jahren 2014/15. Wiederinbetrieb-nahme am 27. Juli 2015.
25. Februar 1808 Französisches Militär besetzt erneut die Stadt, um den Schmuggel mit engli-schen Waren zu unterbinden.
25. Februar 1809 Herzog Friedrich Franz I. erlässt eine Patentverordnung zur Rekrutenaushe-bung.
25. Februar 1869 Abbruch des Lübschen Tores.
26. Februar 1992 Die Wismarer Werft wird von der Belegschaft besetzt. Um eine schnelle Entscheidung zur Privatisierung herbeizuführen.
27. Februar 1313 die Stadt erteilt den Zisterziensern die Genehmigung zum Grunderwerb. Doberaner Hof in Mühlenstraße.
27. Februar 1990 Wahlveranstaltung der SPD mit Klaus von Dohnanyi in der Sporthalle mit 1.800 Teilnehmern.
28.Februar 1991 Gründung des Gemeinnützigen Vereines für den Heimattierpark.
28. Februar 1996 Das Wismarer Amtsgericht zieht wegen grundlegender Sanierung seiner Amtsräume aus dem Fürstenhof aus und bezieht vorläufige Räumlichkeiten im „Diamanthof“ Rostocker Straße. Übergabe an Amtsgericht am 17. Dezember 2002.
29. Februar 1632 Bündnisvertrag zwischen dem Schwedenkönig und Mecklenburger Herzog zur Abtretung Wismars und der Festung Walfisch.

Detlef Schmidt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

1 × drei =