Kalenderblatt zum 21. März

Konsumgenossenschaft Wismar wird wieder zugelassen

Am 21. März 1946 wird die Konsumgenossenschaft Wismar wieder mit 810 Mitgliedern, zwei Ladengeschäfte in Wismar und vier Läden im Kreis, errichtet. Zum Vorsitzenden wurde Franz Kressin gewählt. Doch diese Neugründung geschah nur mit ausdrücklicher Billigung der sow-jetischen Militäradministration und der KPD und SPD. So war auch gleich die politische Richtung vorgegeben, der die Konsumgenossenschaft bis zur Wende 1989/90 folgen musste. Doch es setzte sich damit eine Handelstradition fort, die am 13. Dezember 1902 mit der Gründung des „Konsumverein für Wismar und Umgegend E.G.m.b.H.“ in Wismar begann. 71 Personen schlossen sich mit der Unterschrift zum Statut der Genossenschaft und wählten ei-nen Aufsichtsrat. Dieser bestimmte Jochen Ohlandt am 22. Dezember 1902 zum Geschäfts-führer, Franz Nolandt zum Kassierer und Ludwig Priestaff zum Kontrolleur.
Die schnelle Industrialisierung Deutschlands im 19. Jahrhundert benachteiligte viele Arbeiter beim Einkauf ihrer notwendigen Waren. Der Einzelhändler bestimmte den Preis. Dies war die Geburtszeit der Genossenschaften, die preiswerter einkaufen und konnten, dies an ihre Kun-den weitergaben und den „Genossen“ also „Mitinhabern“ eine jährliche Vergütung auszahlen konnten. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Gründung von Handwerker- und landwirtschaftlichen Genossenschaften sowie Konsumgenossenschaften betrieben. Bereits 1867 ist ein preußisches Genossenschaftsgesetz erlassen worden und am 1. Mai 1889 wurde dann das Reichsgesetz betreffend die Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften erlassen, das, wenn auch mit zahlreichen Änderungen, bis heute in Kraft ist und definiert die Genos-senschaften als: „Gesellschaften von nicht geschlossener Mitgliederzahl, welche die Förderung des Erwerbs oder der Wirtschaft ihrer Mitglieder mittels gemeinschaftlichen Geschäftsbetrie-bes bezwecken.“ Charakteristisch für eine Genossenschaft ist, dass man ihr grundsätzlich je-derzeit beitreten kann und dass man die Mitgliedschaft auch wieder kündigen kann und dann das eingezahlte Geld – wenn es nicht durch Verluste aufgezehrt ist – wieder ausgezahlt be-kommt. Die Genossenschaft ist ein gemeinschaftlich betriebener wirtschaftlicher Verein, der darauf angelegt ist, möglichst viele Menschen mit gleichen Bedürfnissen zusammenzubringen. Gewinnmaximierung ist nicht das Ziel, sondern die gleichberechtigte förderliche Entwicklung der Genossenschaft. Der Erfolg der Konsumgenossenschaften führte zu Gegenreaktionen der kleinen Einzelhändler. Sie übten Druck auf die Großhändler und die Fabrikanten aus, damit diese nicht an die Konsumgenossenschaften lieferten.
Die Wismarer Konsumgenossenschaft entwickelte sich sehr gut und als erstes Haus konnte am 30. Oktober 1905 die Bohrstraße 11 und später die Dankwartstraße 50 erworben werden. Hier waren Verkaufsraum, Lager und Büro vorhanden. Am 12. Dezember 1903 beschloss die Ge-neralversammlung in Wismar, eine eigene Sparkasse zu gründen und zahlte auf Einlagen ihrer Mitglieder vier Prozent Zinsen. Das rief auch den Wismarer Einzelhandel auf den Plan. Als zwei Vorstandsmitglieder in der Wismarer Handelsschule einen Buchhaltungslehrgang bele-gen wollten, drohten Wismars Händler dem Institut mit Abzug aller ihrer Schüler und Boy-kott. So holten sich die Wismarer „Konsumgenossen“ ihre fachlichen Fähigkeiten woanders. Die gute Geschäftslage der Wismarer sprach sich herum und 1913 gab es eine Fusion mit Schwerin, deren dortige Genossenschaft pleiteging. 1914 kamen dann die ersten Ladenge-schäfte in Neukloster hinzu. Den ersten Weltkrieg überstand der Wismarer Konsum unbe-schadet durch außerordentlichen Fleiß. Es ist eine kontinuierliche Rückvergütung von vier Prozent gezahlt worden bei einer Mitgliederzahl von 2490 Personen. 1920 erfolgte eine weite-re Expansion in Neuburg, Gadebusch und am 15. Januar 1921 konnte ein Ladengeschäft in Kirchdorf auf Poel eröffnet werden. 1928 fasste die Wismarer Stadtverordnetenversammlung den Beschluss Mitglied des Konsums zu werden, was wütende Proteste hervorrief, aber durch das zuständige Ministerium bestätigt wurde. Die Weltwirtschaftskrise und auch die hohe Ar-beitslosigkeit im Geschäftsbereich machte sich im Betriebsergebnis bemerkbar. Der Wismarer Konsum rutschte in die roten Zahlen und die Jahre nach 1933 wurden bitter. Am 9. Dezember 1934 wurde der Konsum in „Verbrauchergenossenschaft Wismar E.G.m.b.H“ umbenannt und es begann die Infiltrierung der Genossenschaft mit NSDAP Kadern. Trotz steigendem Um-satzes wurde der Wismarer Konsum am 6. Oktober 1940 liquidiert und sein Eigentum gestoh-len. So wurde das Haus Bohrstraße 11, das dem Verband gehörte im Wismarer Grundbuch am 26. November 1942 auf das „Gemeinschaftswerk der Deutschen Arbeitsfront G.m.b.H. in Hamburg“ übertragen.
Nach 1945 kam es dann zu den Neugründungen in ganz Deutschland, wenn auch unterschied-lich. Nach der Verwaltungsreform vom 25. Juli 1952 wurden die Bezirke und Kreise gebildet, wo der Konsum in Bezirks- und Kreisverbände organisiert wurde. In der DDR war der Kon-sum ganz klar parteilich ausgerichtet und es gab Versorgungsaufgaben, die zu erfüllen waren. Die Konsumgenossenschaft war sogar in der Volkskammer vertreten. In Wismar hatte der Konsum neben Gaststätten, Läden, die Großbäckerei, Kaufhallen und dem Konsum-Hotel am Markt einen gewichtigen Stand. Hinzu kam die ländliche Versorgung. Die Wende 1989/90 brachte auch hier die deutlichste Zäsur in der Geschichte. Es setzte eine umfangreiche Privati-sierung ein und um zu überleben, löste man die Kreisverbände auf und zentralisierte den Ver-band in Konsum Nord eG. Doch es war ein „Sterben auf Raten“. 1994 hatte die Konsumge-nossenschaft keine Läden mehr und man befasste sich nur noch mit der Verwaltung des Rest-vermögens. In Wismar schloss die ehemalige Kaufhalle Philipp-Müller-Straße nach 92 Jahren Konsum Wismar.

Was sonst noch geschah
22. März 1920 Beisetzung der Opfer des Kapp-Putsches. Die Errichtung des Ehrenmales auf dem Friedhof für die Opfer des Kapp-Putsches war am 2. April 1921. Umgestaltung der Ge-denkstätte zu einem Ehrenmal und Einweihung am 2. April 1978.
22. März 1813 indirektes Eingeständnis des Schmuggels mit englischen Waren im Ratsproto-koll.
24. März 1913 Kauf der 1910 abgebrannten Hammerschen Cichorienfabrik in der Altwismar-straße 8 durch Gustav und Reinhard Braun. Als Lichtfilmtheater „Weltspiegel“ 1914 durch die Brüder Gustav und Reinhard eröffnet. Kino bis 1995.
25. März 1909 Abbruch des letzten Restes der Stadtmauer am Abzweig Turmstraße /Schatterau in Höhe des Fernmeldeamtes. Heute steht auf der Stadtmauer das Haus Schat-terau 34.
25. März 1991 Die Treuhandgesellschaft verfügt, dass die Seehafen GmbH zu 74,9 % der Hansestadt Wismar und zu 25,1% dem Land Mecklenburg-Vorpommern gehört.
26. März 1992 Eröffnung des MEZ (Mecklenburgischen Einkaufszentrum) in Gägelow. Die Ansiedlung führt zu Kontroversen mit der Hansestadt Wismar, aufgrund des befürchteten Käuferschwundes.
27. März 1949 Eröffnung des Theaters an der Parkstraße.
27. März 1844 Der Dichter der deutschen Nationalhymne, Hoffmann von Fallersleben, ist Gast im Wismarer Hotel Stadt Hamburg. Ihm zu Ehren wird ein Essen gegeben.
27. März 2013 Baubeginn zum Um- und Neubau des Polizeigebäudes an der Rostocker Straße mit einem finanziellen Gesamtvolumen von 9.4 Millionen Euro.

Detlef Schmidt

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