Kalenderblatt zum 21. Mai 1209

    Hafengeburtstag ist im Mai – Wismars erste Hafennennung ist älter
Die „Schweriner Fälschungen“ entstanden schon vor der Stadtgründung

Am 21. Mai 1209 bestätigt der römisch-deutsche König, Otto im guten Glauben an die Rechtmäßigkeit, in Goslar eine Urkunde, die sein Vater Heinrich der Löwe 1171 mit den Grenzen des Bistums Schwerin, die „die dem Bischof zu Schwerin eine beliebige Anzahl von kleineren Schiffen und zwei größeren Schiffen im Hafen von Wismar zu halten“ ausgestellt hatte. Nichtsahnend dass diese Urkunde auf eine Fälschung zurückgeht, die um 1200 auf der Grundlage einer echten Urkunde von 1171 entstanden ist. Am 4. Januar 1211 bestätigte der gleiche Otto, diesmal als Kaiser Otto IV. ausdrücklich auf Bitten des Schweriner Bischofs Brunward im süditalienischen Capua die falsche Urkunde von 1209. Kaiser Otto IV. wollte sich in Capua für eine mit Bischof Brunward durchgeführte Reise nach Rom zur Kaiserkrö-nung am 4. Oktober 1209 erkenntlich zeigen. Zwar wird in der dänischen Knytlingasaga über die dänischen Könige Svend Grade und Knut Magnusson, sowie von König Waldemar be-richtet, die 1147 und 1164 in „Wismar Havn“ landeten, doch damit ist nicht der Hafen, son-dern eine Bucht gemeint. Die gezeitenfreie geschützte Bucht war sicherlich ein guter Anker-platz, um an Land gegen die Wenden vorzugehen.
König Otto von Braunschweig ist 1175 geboren und war das siebte Kind vom Welfen-Herzog Heinrich dem Löwen. Er war von 1198 bis 1218, wo er auf der Harzburg verstarb, römisch-deutscher König. Am 4. Oktober 1209 krönt Papst Innozenz III. ihn in Rom zum deutschen Kaiser. Seine Herrschaft ist mehrfach unterbrochen gewesen und er hatte ab 1215 nur noch Einfluss im alten Herzogtum der Welfen. Sein Vater Heinrich der Löwen hatte 1171 eine Ur-kunde mit den Grenzen des Bistums Schwerin von 1167 bestätigt. Deren Ostgrenze reichte bis an die „aqua wissemara“. Von Rechten der Schweriner war hier nie die Rede. Um 1200 wird diese Urkunde dahingehend verfälscht, dass nun „in portu qui dicitur wissemer“ der Schweri-ner Bischof zwei Koggen halten darf und „magnus naves, que cogken apellantur cum minori-bus navibus“ beliebig kleinere Schiffe dazu. Entstanden sind diese um 1200 entstandenen Fälschungen (MUB Bd.1 S. 189 u. 191), die später ganz klar, unter anderem durch den Histo-riker Friedrich Salis 1909 als „Schweriner Fälschungen“ bestätigt wurden, durch ein Machtva-kuum bei der Besetzung des neuen Bischofsamtes Ende des 12. Jahrhundert in Schwerin. Ins-gesamt betraf das sieben Urkunden, die teilweise dilettantisch verändert wurden und darauf gerichtet waren dem Schweriner Bistum zu mehr Ansehen, Ländereien und somit Macht zu verhelfen. Die gefälschten Urkunden sollten im Grenzstreit der Wendischen Bistümer im 13. Jahrhundert die Schweriner Ansprüche bestätigen. Heinrich der Löwe hatte von Kaiser Fried-rich das Investiturrecht, d.h., die Einsetzung eines Bischofs, erhalten und auch hier fürchtete man nach dem Tod Bennos um die richtige ihnen genehme Nachfolge, die dann Bischof Brunward in Schwerin übernahm.
Die den Wismarer Hafen betreffende Urkunde von 1209 bestätigte also nicht die 1171 von Heinrich dem Löwen ausgestellte Urkunde, wo ein Hafen Wismar nicht vorkommt, sondern eine gefälschte Urkunde um 1200. In der Geschichtsschreibung kommt es immer wieder zu Irritationen, weil zwei Daten mit dem gleichen Ereignis genannt werden, doch diese 1209 und 1211 genannten Urkunden sind eben nur „konfirmiert“, das heißt, bestätigt worden. Selbst die päpstliche Kurie hatte unklare Vorstellungen von den wirklichen Rechtsverhältnissen und den Bistumsgrenzen. 1171, 1209 oder 1211 kann es keinen Hafen gegeben haben, denn die hoch-bordigen Koggen brauchten einen Hafen zur Anlandung und dieser setzt auch eine Stadt oder Gemeinwesen voraus. Beides war erst nach Stadtgründung fast 20 Jahre später möglich. Am 14. April 1266 bestätigt Fürst Heinrich den Wismarern „ dass die Stadt frei und in vollem Umfange Lübisch Recht im Gerichte gebrauche; er bestätigt die städtische Feldmark und das städtische Recht auf den Hafen, und verspricht den Handelsverkehr nicht zu belästigen. Noch 1481 klagten die Schweriner ihr „Recht“ vor dem herzoglichen Hofgericht in Schwerin ein, in dem Wismarer Hafen „zwei Koggen“ zu halten, doch die Wismarer konnten vor dem Gericht auch anhand des Privilegienbuches, dass zwar verbrannt aber die Abschrift vom Fürsten bestä-tigt wurde, beweisen, dass es ein ausgemachter Schwindel war. Erschwert wurde es jedoch dadurch, dass die Urkunde von 1209 verloren gegangen ist und es deshalb immer wieder zu Irritationen kam. Danach haben die Schweriner auch nie wieder versucht, ihre „Rechte“ zur Haltung von zwei Koggen im Wismarer Hafen einzuklagen.
Bis 1945 gab es noch klare Besitzverhältnisse für die Stadt, die danach aufgelöst wurden. Die Wismarer hatten nunmehr einen geringen Einfluss auf ihren Hafen. Seit dem 17. Juni 1991 gehört der Wismarer Hafen nun wieder der Hansestadt Wismar, zehn Prozent jedoch dem Land Mecklenburg-Vorpommern. Um diese Zeit feiern die Wismar eben ihr Hafenfest und auch den Hafengeburtstag und das wäre in diesem Jahr der 807. Geburtstag.

Was sonst noch geschah
21. Mai 1946 Der Wismarer Pfingstmarkt, seit 1397 abgehalten, findet wieder auf dem Wis-marer Marktplatz statt.
22. Mai 1945 Der englische Stadtkommandant Major Charles setzt Alfred Pleuger als Bür-germeister ab und Baron v. Biel aus Zierow als Oberbürgermeister ein.
22. Mai 1966 Auf dem Hanseatenring wurde während der 19. Internationale Friedensfahrt (9. bis zum 25. Mai 1966) mit Start und Ziel ein Rundrennen über 93 Kilometer mit einer Durch-schnittsgeschwindigkeit von 43 Km/Std. ausgetragen. Sieger war Antonio Albonetti (Italien).
21. Mai 1990 Der Wismarer „Runde Tisch“ beendet mit der 28. Sitzung seine Tätigkeit und löst sich auf.
22. Mai 2000 Die Bundesautobahn A 20 Lübeck-Stettin ist offiziell an der Anschlussstelle Schönberg übergeben worden. Der Abschnitt Grevesmühlen – Wismar ist am 03.12.1997 fer-tiggestellt und der Abschnitt Wismar – Rostock am 16.12.2000. Am 7. Dezember 2005 er-öffnete Bundeskanzlerin Angela Merkel nach 14 Jahren Planungen und Bau die letzten Teil-stücke bei Triebsees und Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern. Die Baukosten betrugen insgesamt 1,9 Milliarden €.
23. Mai 1807 Einsturz des Wismarer Rathauses.
23. Mai 1903 Aufstellungen zwei originalgetreuer Schwedenkopfkopien an gleicher Stelle der 1902 entfernten im Hafen.
23. Mai 1869 Abriss des Mecklenburger Tores.
23. Mai 1908 Eröffnung des Karstadt Warenhaus (Bauzeit inkl. Abbruch Vorgängerbau vom 5. April 1907 – Mai 1908).
24. Mai 1876 Benennung der Ulmenstraße.
25. Mai 1957 Stapellauf des ersten Seefahrgastschiffes auf der Wismarer Werft.
26. Mai 1868 Arzt Dr. Leopold Liebenthal geboren. Gestorben 30. November 1938. Seit dem 9. Februar 1961 trägt eine neuerbaute Straße seinen Namen. Am 27.1.1994 wurde an der Stel-le seines ehemaligen Wohnhauses in der Altwismarstraße 8 eine Gedenktafel angebracht.

Detlef Schmidt

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