Kalenderblatt zum 21. September

Am 21. September 1952 wurde das Wismarer Kurt-Bürger-Stadion mit zehntausenden Zuschauern eingeweiht. Vorangegangen waren die ehrgeizigen Pläne der Wismarer SED-Kreisleitung, denn schon damals geschah nichts ohne die Mitwirkung und „Absegnung“ einer Partei, zur Massensportförderung. Am Bernittenhöfer Weg, der seit 1936 Bürgermeister-Haupt-Straße heißt, sollte eine „Straße des Sportes“ entstehen. Neben einem Schwimmbad, Rennstrecke und Tennisplätzen wurde ein neues Fußball- und Sportstadion geplant. Im November 1949 begannen die Projektierungen und Planungen und nebenher wurde in freiwilliger Aufbauarbeit am neuen „Wismarer Sportforum“ gearbeitet. Die Sportler aller Bereiche packten kräftig an, wesentlich unterstützt von der jungen Wismarer Werft. Man konnte wohl den Endstand nicht abwarten, denn nach der Fertigstellung des ersten Abschnittes am 30. April 1950 bestritt der damalige Wismarer Fußballverein ZSAG Wismar (ab 1951 Motor Wismar) ein Spiel gegen den  gegen den Eimsbütteler ETV aus Hamburg.

Es dauerte noch zwei Jahre Bauzeit bis am 21. September 1952  das neue Fußball- und Leichtathletikstadion mit insgesamt 15.000 Plätzen fertig gestellt war. Dafür war die damals stattliche Summe von 2,3 Millionen DM verwendet worden. Am Eröffnungstag spielten die Fußballer der BSG Motor Wismar gegen die BSG Chemie Leipzig vor 16.000 Zuschauern! Ein weiteres Rahmenprogramm boten die Leichtathleten, Turner und auch Boxer. Abgerundet wurde die Einweihung durch ein fulminantes Feuerwerk. Für die Wismarer war dies ein großes Ereignis, denn kurz nach dem Krieg war solche Abwechslung selten und die gerade erst gegründete Ostsee-Zeitung berichtete begeistert darüber. Das neue Stadion ist nach dem 1951 verstorbenen mecklenburgischen Ministerpräsidenten Kurt Bürger, der auch Landesvorsitzender der KPD und später der SED war, benannt worden. Zur Begründung, dem ehemaligen KPD-Funktionär Kurt Bürger alias Karl Wilhelm Ganz mit dem Stadionnamen zu ehren, heißt es in der gerade neu gegründeten Ostsee-Zeitung, „dass er untrennbar mit der demokratischen Sportbewegung verbunden sei“, und weiter: „Wenn es seine Zeit erlaubte, weilte er unter den Sportlern, um ihre Wünsche und Sorgen entgegenzunehmen.“

Genutzt wurde das Stadion hauptsächlich von den Wismarer Fußballvereinen aber auch vom damals noch üblichen Feldhandball, der heute nicht mehr durchgeführt wird, und weiteren der in Wismar beheimateten etwa 30 Sportvereinen. Aufgrund der schlechten Bedingungen im Stadion, durch teilweise nicht vorhandene Drainagen im Rasenfeld und Erdbewegungen des sensiblen Bauuntergrundes wichen die Fußballvereine auf dem traditionellen Sportplatz der Wismarer, dem Jahnsportplatz, aus. Das Stadion übernahmen die Leichtathleten und die Wismarer Schulen führten hier ihre Sportfeste und Schulolympiaden durch. Erst mit der Gründung des FC Anker Wismar, am 12. Juni 1997 kehrten die Fußballer zurück und es begannen auch erste Sanierungsarbeiten.

Dabei ist das Stadion ein bemerkenswerter Bau aus der Frühzeit der DDR, sowie ein wichtiges Dokument der Wismarer Sportbewegung und der Architektur aus dieser Zeit. Es steht seit Dezember 2008 auf der städtischen Denkmalliste. Leider ist der bauliche Zustand, trotz zunehmender Bemühungen, beklagenswert, doch von den ehrgeizigen Plänen der Wismarer vor über 60 Jahren ist es als einzige Sportstätte übrig geblieben. Das einmal fertig gestellte und nie genutzte Schwimmbad diente höchstens für Fliesensammler, Tennisplätze gab es auch nicht und auf dem Hanseatenring war nach einem schweren Unfall 1959 auch Schluss mit Motorrad- und Fahrradrennen. Schuld waren und ist der schlechte Baugrund auf dieser Seite der Straße. Lediglich die 1976 fertiggestellte Schwimmhalle erfüllte ihre an sie gestellten Aufgaben und diente neben dem öffentlichen Betrieb, vornehmlich für den Schulsport. Trotzdem zieht es in die „Straße des Sportes“ viele Wismarer, denn die am 30. Dezember 1970 übergebene Sport- und Kongresshalle mit seinen je nach Veranstaltung bis zu 2448 Plätzen, das 2000 eröffnete Wonnemar und die neuen Kunstrasenplätze bieten für die verschiedensten Sportarten Platz und ziehen viele Zuschauer und Besucher an, vom ehrwürdigen Stadion ganz zu schweigen. Vielleicht ist auch die Zeit reif, dem Stadion einen anderen Namen zu geben, denn Personennamen geben immer Anlass zu Kritik und ein Hanse- oder auch Ankerstadion führt zu mehr Identifikation mit der Region. Die „Bürgermeister-Haupt-Straße“ erhielt zusammen mit der Straße „Köppernitztal“ 1976 den Namen „Wilhelm-Pieck-Allee“. Seit 1993 haben beide Straßen ihren ursprünglichen Namen wieder.

 Was sonst noch geschah

  1. September 2013 Frank Junge (SPD) ist in den Deutschen Bundestag gewählt.
  2. September 1839 Beantragung der Ehrenbürgerschaft Dahlmanns, jedoch Ablehnung durch den Rat.
  3. September 1905 Beginn der Abbrucharbeiten am Mecklenburger Tor und zugehöriger Stadtmauer.
  4. September 1945 Wismarer Fußballer bestreiten erste Auswärtsspiele.
  5. September 1997 Die „Volksbank Wismar eG“ fusioniert mit der „Raiffeisenbank eG Grevesmühlen“ unter dem neuen Namen „Volks- und Raiffeisenbank eG“. Im Jahr 1999 kam es zu einer Fusion mit der Raiffeisenbank Wismar. Seitdem trägt sie den Namen „Volks- und Raiffeisenbank eG Wismar“ mit Sitz in Wismar. Seit dem 8. August 2005 im Neubau Mecklenburger Straße 12 -16.
  6. September 1942 8. Luftangriff: Mit 54 Bombern und 50,9 t Sprengbomben – Zerstörung der Lübschen Straße, Altwismarstraße, Ulmenstraße, ABC-Straße, Wasserstraße, Schweriner Straße, Treffer auf den Ostflügel des Rathauses, Zerstörung des Gefangenenturms. Insgesamt waren 67 Tote und 109 Verletzte zu beklagen.
  7. September 1868 Abriss des Altwismar-Tores.
  8. September 1629 Seeschlacht zwischen der kaiserlichen und der schwedischen Flotte vor der Insel Poel.
  9. September 1817 Richtfest des 1807 eingestürzten Rathauses im nunmehr klassizistischen Stil.
  10. September 1938 Eröffnung des Museums im ehemaligen Logenhaus der Freimaurer in Wismar.

Detlef Schmidt

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

drei × 4 =