Kalenderblatt zum 22. Dezember

Die Anfänge waren im „Düstern“

Am 22. Dezember 2004 wurde der neue Kirchenbau der Neuapostolischen Kirche in Wismar am Vogelsang eingeweiht. Schon im September 2014 fei-erten die neuapostolischen Christen in Wismar dies mit einem Konzert und Festgottesdienst und begehen gleichzeitig ihr 111jähriges Gemeindeleben in Wismar.
Seit 1903 ist die Neuapostolische Kirche in Wismar zu Haus und das im wahrsten Sinne des Wortes. Den Grundstein für ein Gemeindeleben legte Carl Hünemörder in der Straße „In Düstern 11“ (heute Wollenweberstraße), wo die ersten Hausgottesdienste 1903 in seiner im ersten Stock gelegenen kleinen Wohnung stattfanden. Carl Hünemörder und weitere Wismarer und Gläubige aus dem Umland wurden im November 1904 in die Neuapostoli-sche Kirche aufgenommen. Hünemörders beengte Wohnung war alsbald zu klein und man traf sich in der Lindenstraße 2 (Dr.-Leber-Straße), in der Wohnung eines Gemeindemitgliedes. 1910 nutzte man in eine Wohnung am Schwartzkopfenhof 10, wo sich schon 14 Gemeindemitglieder zum gemein-samen Gottesdienst trafen. Die doch recht beengten Räumlichkeiten konnten 1912 durch die Anmietung eines Raumes auf dem Hinterhof in der Gerbers-traße 8 gebessert werden. Die Gemeinde wuchs besonders nach dem I. Welt-krieg und so gründete sich 1929 ein Gemeindechor. Betreut und angeleitet wurde die Wismarer Gemeinde von der Kirchenverwaltung Hamburg, die 1929 das Haus Lindenstraße 23 (Dr.-Leber-Straße) erwarb und hier erstmalig ein eigenes Kirchenlokal und Wohnungen für einige Gemeindemitglieder er-richtete. 1935 zählte die Gemeinde 179 Mitglieder.
Eine deutliche und schmerzhafte Zäsur war der elfte Luftangriff auf Wismar, als am 25.August 1944 über 200 Menschen starben und viele Häuser, be-sonders in der Lindenstraße, völlig zerstört wurden. Das Haus der Neuapos-tolischen Kirche war ebenfalls ein Schutthaufen und einige dort wohnende Gemeindemitglieder kamen dabei um. Die Gemeinde hatte jetzt 300 Mitglie-der und man war auf der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten, die sie in Schulen und in der Sakristei von St. Georgen fanden. Nach dem Krieg, wo die Mitgliederzahl bedingt durch Flüchtlinge, stark anstieg, nutzte man ver-schiedene Räumlichkeiten, von einer Gaststätte bis hin zur Baracke in der Rostocker Straße. 1950 konnte in der Wasserstraße 2a endlich ein eigenes Grundstück, es war eine ehemalige Auktionshalle, erworben werden und hier errichteten die Gemeindemitglieder in ehrenamtlicher und freiwilliger Arbeit ihren neuen Versammlungsort, der Weihnachten 1951 geweiht wurde.
Mit nunmehr 580 Gemeindemitgliedern war nach etwas über zehn Jahren die Platzkapazität erschöpft und man suchte nach einer Lösung. Diese fand man in einem Umbau des eigenen Hauses. Zwischen 1964 und 1965 wurde mit einer Aufstockung die Platzkapazität gründlich erweitert. Der Gottesdienst fand in dieser Zeit in der Friedhofskapelle auf dem Westfriedhof statt. Insge-samt leisteten die freiwilligen Helfer bei diesem Bau 25.000 Stunden! Die bauliche Situation verschlechterte sich jedoch 1996 nach Abriss der Nach-barhäuser in der Wasserstraße. Das Kirchengebäude verlor seine Standsi-cherheit und musste umfangreich gesichert werden. Regen und Wind taten ihr übriges, so dass die Gemeinde ihr Haus verlassen musste. Seit dem 3. Ju-ni 2002 nutzten sie angemietete Räume (ehemalige Kantine) in der Dr.-Leber-Straße 19, dem ehemaligen Finanzamt, das auch schon wieder Geschichte ist.
Zwischenzeitlich wurde ein ehemaliges bebautes Grundstück an der Kreu-zung Dr.-Leber-Straße zum Vogelsang erworben, worauf die Wismarer Gläubigen ihre neue Kirche bauten. Am 22. Dezember 2004 konnte das neue Kirchengebäude im Vogelsang 2 für die seit 1903 in Wismar beheimatete Neuapostolische Kirche geweiht werden. Die neue Gemeindekirche hat ins-gesamt 166 Plätzen im Sakralraum, sowie 52 weiteren Plätzen in den Neben-räumen. Für die einzelnen Interessengruppen der Gemeinde ist damit ein ausreichendes Platzangebot für alle gemeindlichen Aktivitäten vorhanden.

Detlef Schmidt

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