Kalenderblatt zum 22.Februar

Erster Ehrenbürger Wismars setzte sich für Eisenbahn ein

Am 22. Februar 1836 gründete sich in Wismar unter Vorsitz von Louis Frege, Besitzer des Gutes Fahren, ein „Comitee zur Beförderung des Eisenbahnbaus von Wismar nach Boizen-burg“. Bevor die erste Eisenbahn am 7. Dezember 1835 zwischen Nürnberg und Fürth in Be-trieb genommen wurde, setzte im Frühjahr 1835 Wismars Bürgermeister Anton Haupt im Rat dies auf die Tagesordnung. Der Wismarer Honorarkonsul Wilhelm Crull informierte über eine Denkschrift Friedrich List über die Vorteile einer Eisenbahn. Haupt starb ein halbes Jahr spä-ter, doch die Idee wurde begeistert weiterverfolgt. Der neue Komitee-Vorsitzende Louis Fre-ge entstammt einer Leipziger Bankiersfamilie und ist 1780 im französischen Marseille geboren. Sein Bruder wurde Kaufmann und sächsischer Honorarkonsul in Hamburg. Dessen beide Söhne erhielten in Wismar das Bürgerrecht. Caesar Frege war Gymnasiallehrer an der Großen Stadtschule und sein Bruder Alexander begründete die Höhere Töchterschule. Sein Sohn war der spätere bekannte Logiker Professor Gottlieb Frege, Luis Frege war der Großonkel von Gottlob Frege. Er verstarb 1855 hochgeachtet als vermögender Rentier in Wismar. Die Wis-marer erkannten sehr rasch die Vorteile der Eisenbahn und förderten eine Eisenbahnlinie bis Boizenburg, die aber weiter bis Hannover gehen sollte. Schon damals wollte man mit dem neuen Transportmittel die Mitte des damaligen Deutschlands erreichen und erhofften sich gute Gewinne für die immer noch durch die vergangene Schwedenzeit geschwächte Stadt. So wie die Koggen des Mittelalters größere Lasten kostengünstiger als Fuhrwerke verteilen konn-ten, erkannten die Kaufleute jetzt die riesigen Vorteile, die das neue Transportmittel bringen würde. Damals wie heute ist der Gewinn aus dem Warentransport höher, wie Personen. Sofort wurde mit den Vorarbeiten begonnen und Wismar stellte einen nicht unerheblichen Betrag von 150.000 Taler für den Kauf von Aktien bereit. 1840 einigten sich Mecklenburg mit Han-nover über die angestrebte Linie. Dazu stellte man an Wismar folgende Bedingungen: Erwei-terung des Hafens, Gewährung der Stapelgerechtigkeit und Schaffung eines Freihafens zum zollfreien Verkehr in andere Häfen. Dem stimmte Wismar auch zu. Leider ist das Projekt buchstäblich in letzter Sekunde gescheitert, da die Mecklenburger forderten, dass die Eisen-bahn zwischen Hamburg und Berlin über Schwerin gehen sollte, was den Preußen nun über-haupt nicht gefiel. Sie intervenierten am 8. November 1841 mit einer Allianz mit Dänemark, Lübeck und Hamburg dagegen. Mecklenburg musste sich dementsprechend beugen und die Hamburg-Berlin-Bahn wurde 1846 fertig gestellt. Wismar wollte nun Anschluss an diese Ver-bindung bei Boizenburg schaffen und die Hansestädter hatten alles gut vorbereitet. Diesmal kam die Hansestadt Rostock dazwischen, die nun ebenfalls einen Eisenbahnanschluss haben wollte. Die Wismarer sahen ihre Pläne wieder im Abseits und wollten die Rostocker Bahn von Schwerin über Wismar führen lassen. Endkonsequenz ist die noch heute aktuelle Linienfüh-rung über das Dorf Kleinen, dass sich dadurch zu einem Eisenbahnknotenpunkt entwickelte. Am 1. Mai 1846 begannen im Wismarer Stadtbereich die Erdarbeiten am Platter Kamp, doch erst am 26. Februar 1847 erteilte die mecklenburgische Regierung für den Bau der Eisenbahn-verbindung Schwerin-Wismar über Kleinen die erforderliche Baukonzession. Am 12. Juli 1848 fuhr der erste Zug von Schwerin nach Wismar.
In Wismar kamen die Reisenden in ein zunächst provisorisches „Empfangsgebäude“ gegen-über der Grubenmühle unter. Die Lokomotive und die Wagen wurden über den 1847 errichte-ten Güterschuppen umgeleitet, denn Wismar war und blieb zum Leidwesen vieler Wismarer ein sogenannter „Sackbahnhof“. Der heutige Bahnhof ist am 1. Juli 1857 in Betrieb genom-men. Die Wismarer fühlten sich zu Recht in Stich gelassen. Zudem hatten sie aufgrund des schwedischen Pachtvertrages keine Stimmberechtigung im ständischen Landtag des Großher-zogtums. Dem Wismarer „Comitee-Voritzenden“ Louis Frege ist es auch auf Grund seiner Stellung zu verdanken, dass Wismar trotzdem Berücksichtigung fand. Dafür ernannten sie ihn am 9. März 1845 zum ersten Ehrenbürger Wismars.
Die Eisenbahn sollte folgerichtig den Hafen Wismar mit der Mitte und dem Süden Deutsch-lands verbinden. Eine Idee, die Wismar schon im ausgehenden Mittelalter mit der Schiffbau-machung des Viechelschen Baches, dem heutigen Wallensteingraben, verfolgte. Letztendlich ist erst in den letzten Jahrzehnten Wismar über das Straßennetz infrastrukturell besser ange-schlossen. Der Handel in Wismar hat seit Gründung der Stadt eine bedeutende Rolle gespielt und dazu zählen besonders die sogenannten Hinterland Anbindungen. Diese fehlenden Hin-terland Verbindungen kompensierte Wismar mit der Erzeugung von Bier, Leinen und Fasswa-ren, während Rostock und Lübeck über Warnow und Trave für damalige Verhältnisse gut angeschlossen waren.

Was sonst noch geschah
23. Februar 1906 Schuster Wilhelm Voigt kommt nach Wismar. Er wird später als Haupt-mann von Köpenick bekannt.
24. Februar 1859 Hauptwache am Markt wird fertig gestellt. Architekt ist der Wismarer Hartmut Brunswig. Umfassende Sanierung erfolgt in den Jahren 2014/15. Wiederinbe-triebnahme am 27. Juli 2015.
25. Februar 1869 Abbruch des Lübschen Tores.
26. Februar 1992 Die Wismarer Werft wird von der Belegschaft morgens um 6 Uhr be-setzt, um eine schnelle Entscheidung zur Privatisierung herbeizuführen.
28. Februar 1403 Chorweihe von St. Nikolai
28. Februar 1951 Verlegung des Betonschiffes aus dem Hafen an die Kai der neuen Werft und Einbau eines Materiallagers.

Detlef Schmidt

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