Kalenderblatt zum 22. Mai

Italiener siegte bei Friedensfahrt in Wismar

Wismar war am 22. Mai 1966 Etappenort der Friedensfahrt 1966

Der 22. Mai 1966 war für die Wismarer ein großer Tag. Es war ein warmer Sonntag und tausende Wismarer waren zum Hanseatenring gekommen, um einmal das populärste Sportereignis in der DDR nun auch in Wismar zu erleben. Auf dem fast drei Kilometer langen Rundkurs des Wismarer Hanseatenring wurde erstmalig in der Geschichte der Friedensfahrt ein Kriterium durchgeführt.

1936 erhielt der Bernittenhöfer Weg, eine Verbindungsstraße zwischen Schweriner und Dammhusener Chaussee aus Anlass des 100. Todestages den Namen des verdienstvollen Wismarer Bürgermeisters Anton Haupt auf Ratsbeschluss verliehen. An Bernittenhof, einem Ausflugslokal, erinnert heute noch der kleine Teich im Wohngebiet Friedenshof an der Kollwitz-Promenade. Die ersten Häuser am alten Bernittenhöfer Weg begannen von der Schweriner Straße bis Gustavshof, eine Wassermühle an der Ecke zur heutigen Ossietzkyallee. Ab 1937 erfolgte die Bebauung „Raue Häge“ und heutige Straßen Köppernitztal und Schwedenstein. Das Wismarer Stadttheater ist nach einem Brand hier am 27. März 1949 eröffnet worden. Ab 1949 gab es massive Bestrebungen, diese Straße zu einer „Straße des Sportes“ auszubauen. Das Stadion wurde fertig gestellt, es folgte ein Schwimmbad und für die Straße gab es Planungen, diese für eine Rennstrecke für Kraftfahrzeuge und Rennrad auszubauen. Diese Straße war wegen ihrer geringe Bebauung und weiträumigen freien Flächen geradezu dafür prädestiniert. Dafür musste die Bürgermeister-Haupt-Straße vierspurig erweitert werden und am 3. Oktober 1954 konnte schon das erste Radrennen stattfinden. Die Rennen für Kraftfahrzeuge begannen ein Jahr später am 28. August 1955, wozu das „Neue Deutschland“ schrieb, dass „der Hanseatenring in Wismar seine Feuerprobe bestanden hat“. Am 9. August 1959 wurde das letzte Rennen nach einem schweren Unfall abgebrochen und es fanden in der Folgezeit keine Kraftfahrzeugrennen statt, doch dazu in einem extra Beitrag später mehr. Zunächst hatte die Strecke eine Länge von 1,8 Kilometer, die durch den notwendigen Ausbau der Südkurve zur Schweriner Straße auf 2,9 Kilometer erweitert wurde. Die Rennstrecke erhielt den Namen „Hanseatenring“ und hatte einen guten Ruf bei den nationalen und internationalen Sportverbänden. Wismar hatte in den fünfziger Jahren eine starke Radsportorganisation und diese machten sich gemeinsam mit der Stadtverwaltung stark für einen Friedensfahrt-Etappenort. Am 12. Juli 1963 ist ein Internationales Kriterium für Fahrrad auf dem Hanseatenring durchgeführt worden, das wie eine „Bewerbung“ für die Friedensfahrt aussah.

Die 19. Internationale Friedensfahrt wurde vom 9. bis zum 25. Mai 1966 ausgetragen. Das 2340 Kilometer lange Etappenrennen für Amateure führte von Prag, Warschau über die nördlichen Küstenstädte nach Berlin und war in 15 Etappen gegliedert. Die 12. Etappe machte Station in Wismar und auf dem Hanseatenring jubelten die Wismarer ihren Idolen zu, unter ihnen Team-Kapitän Lothar Appler und Axel Peschel. Sieger des Rennen wurde der Italiener Antonio Albonetti, der den 93 Kilometer langen Rundkurs in einer Zeit von 2:09:36 Stunden und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 42,8 Km/h bewältigte. Eine große Leistung, bei dem damaligen Straßenbelag mit Basaltsteinen, die besonders bei Feuchtigkeit schwer zu bewältigen waren und auch Ursache für Unfälle waren. Die Nordkurve zur Philipp-Müller-Straße war sehr eng, was auf der geraden Strecke und der gut ausgebauten Südkurve wieder wettgemacht werden konnte. Gesamtsieger der Friedensfahrt wurde 1966 der Franzose Bernard Guyot. Die Internationale Friedensfahrt ist 1948 erstmalig zwischen Warschau und Prag durchgeführt worden und ab 1952 kam Berlin hinzu. Das Radsportereignis hatte eine überragende Popularität im Land und man bezeichnete sie auch scherzhaft als „Tour de Franc des Ostens“, wobei der Vergleich hinkt, denn die Friedensfahrt war ein Amateurrennen. Das der Radsport in Wismar fest verankert ist, dafür sind Aktive wie Heinz Sauerbier, Willi Fahning, Udo Quandt, Henry Schütt und Bernd Klose neben vielen anderen beispielgebend. Am 27. August 2000 gab es mit dem 1. Stadtwerkerennen eine Renaissance auf dem Hanseatenring im Radsport. Es wurde ein großer Erfolg,  an dem die TSG Radsportsektion einen überragenden Anteil hatte. Hier verabschiedete sich auch der viermalige Friedensfahrtgesamtsieger Uwe Ampler von der sportlichen Laufbahn als Radprofi. Danach sind weitere sechs Radrennen, auch mit sogenannten „Promi-Rennen“, an denen sich auch der damalige Sportsenator Thomas Beyer beteiligte, auf dem Hanseatenring mit großer Resonanz und Erfolg und Unterstützung der Wismarer Stadtwerke durchgeführt worden. Das letzte fand am 27. August 2008 statt.

Vielfach wurde der Hanseatenring mit der Bürgermeister-Haupt-Straße verwechselt, doch eins ist die Rennstrecke und das andere die Straße. 1976 verschwand der Straßenname und ab sofort hieß die Straße bis zur Lübschen Straße „Wilhelm-Pieck-Allee“. Ab 1993 wurde dies rückgängig gemacht und neben der Bürgermeister-Haupt-Straße hat auch Köppernitztal seinen alten Namen wieder bekommen.

Was sonst noch geschah

  1. Mai 1990 Der Wismarer „Runde Tisch“ beendet mit der 28. Sitzung seine Tätigkeit und löst sich auf.
  2. Mai 2000 Die Bundesautobahn A 20 Lübeck-Stettin ist offiziell an der Anschlussstelle Schönberg übergeben worden. Der Abschnitt Grevesmühlen – Wismar ist am 03.12.1997 fertiggestellt und der Abschnitt  Wismar – Rostock am 16.12.2000. Am 7. Dezember 2005 eröffnete Bundeskanzlerin Angela Merkel nach 14 Jahren Planungen und Bau die letzten Teilstücke bei Tribsees und Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern. Die Baukosten betrugen insgesamt 1,9 Milliarden €.
  3. Mai 1807 Einsturz des Wismarer Rathauses.
  4. Mai 1903 Aufstellungen zwei originalgetreuer Schwedenkopfkopien an gleicher Stelle der 1902 entfernten im Hafen.
  5. Mai 1869 Abriss des Mecklenburger Tores.
  6. Mai 1908 Eröffnung des Karstadt Warenhaus (Bauzeit inkl. Abbruch Vorgängerbau vom 5. April 1907 – Mai 1908).
  7. Mai 1876 Benennung der Ulmenstraße.
  8. Mai 1957 Stapellauf des ersten Seefahrgastschiffes auf der Wismarer Werft.
  9. Mai 1868 Arzt Dr. Leopold Liebenthal geboren. Gestorben 30. November 1938. Seit 1961 trägt eine neuerbaute Straße seinen Namen. Am 27.1.1994 wurde an der Stelle seines ehemaligen Wohnhauses in der Altwismarstraße 8 eine Gedenktafel angebracht.
  10. Mai 1909 Eröffnung des Krankenhauses am Dahlberg.
  11. Mai 1933 Kleingartenverein Wismar gegründet.
    27. Mai 1403 Weihe von Chor und Hochaltar zu St. Nikolai. Der Bau der jetzigen Kirche ist um 1380 begonnen worden. Die Weihe des Kirchenschiffes war 1459 und der 90 Meter hohe Turm ist 1487 fertiggestellt. In St. Nikolai sind weit über sechs Millionen Backsteine verbaut worden. Mehr als in den anderen drei großen Kirchen Wismars.
  12. Mai 2004 Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Gottfried Kiesow wegen seiner Verdienste um den Wiederaufbau der Wismarer St. Georgenkirche und seinen Einsatz im Denkmalschutz generell.
  13. Mai 1863 Erstmalige Anbringung von sechs Briefkästen in der Stadt.
  14. Mai 2004 Taufe „Wissemara“ und Zuwasserlassen der Poeler Kogge.
  15. Mai 1987 Eröffnung der elektrifizierten Bahnstrecke nach Bad Kleinen.
  16. Mai 1862 Einweihung des Friedhofes (West).

Detlef Schmidt

 

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