Kalenderblatt zum 23. April

Wer beim Löschen fehlte, musste acht Schillinge bezahlen
Am 23.April 1859 war die Geburtsstunde der Wismarer Feuerwehr

Nach dem ersten großen Brand im Gründungsjahrhundert der Stadt, wo auch das Privilegien Buch mit verbrannte, sollten nur Häuser aus Stein ge-baut werden. Dies wurde als „Förderanreiz“ mit 5.000 Steinen „bezu-schußt“. Im Hafen war es auf den Schiffen streng verboten offenes Feuer zu machen. Dafür gab es auf der Lastadie das Kochhaus und das Teerhaus.
Der Rat erließ in schöner Regelmäßigkeit Verordnungen, die Brände verhü-ten sollten und die „Feuerrüpel“, so wurden die Schornsteinfeger im Volks-mund genannt, hatten ihre vom Rat festgelegten Arbeiten an jedem Haus zu verrichten, auch wenn sich mancher Bürger schon damals dagegen zu wehren versuchte.
Eine der ersten Feuerverordnung erließ der Ehrbare Rat 1351. Die nächste ist datiert vom 20. März 1665.Sie behielt ihre Gültigkeit noch bis in die ersten Jahrzenhnte des 19. Jahrhunderts. Zunächst erhielt sie Bestimmungen dar-über, wie „welchergestalt Fewrschaden zu verhüten“ ist, aber auch „wie die Instrumenten, auch das Wasser, zum Fewr anzuschaffen und welche zur le-schung des fewr sich einzufinden sollen“. So musste der Grubenmüller der Stadtgrube zwei große Tore zum Gewölbe am Hafen bringen, um damit die Ausflüsse abzudichten. Damit staute sich die Grube mit Wasser auf und die Bürger konnten mit den ledernen Eimern das Wasser schneller zum Brandort transportieren.
Alle Bürger hatten die Pflicht, sich an der Brandbekämpfung zu beteiligen und es wurden die Bürger belohnt, die das erste Wasser zur Löschung her-beischleppten. Wer jedoch nicht erschien, hatte acht Schillinge ohne „Anse-hen der Person“ zu bezahlen.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erkannte man immer mehr, dass die alten Verordnungen und auch die Löscheinrichtungen nicht mehr auf dem aktuel-len Stand und auch die Gerätschaften völlig veraltet waren. Die immer noch gültige Feuerverordnung von 1665 konnte gar nicht mehr angewandt werden und so erließ man zunächst am 29. Mai 1840 eine modernisierte, der Zeit entsprechende, Verordnung. Besonders die neu gegründeten Brandversiche-rungen hatten ein Interesse an der Brandbekämpfung, denn sie zahlten für jeden Feuerschaden.
1854 legte dann eine städtische Kommission einen Bericht vor, der unter an-derem vorsah, die Feuerwehr aus neuen, das heißt freiwilligen Kräften zu bilden. Aus diesem Grund unternahm der Wismerer Rat geschlossen eine Inspektionsreise nach Berlin.Auch der inzwischen neu ernannte Brandin-spektor Gaster hatte sich die Berliner Feuerwehr genau besehen. Nach diesem Vorbild sollte nun die neue Feuerwehr organisiert, ausgerüstet und uni-formiert werden. Doch der Bürgerausschuss zeigte sich „knickerig“: Tuchja-cken bewilligte er nicht, und als Helme sollten die abgelegten der Berliner Feuerwehr dienen und der neue Wasserwagen wurde gleich gänzlich abgelehnt!
Jedoch meinte der Wismarer Rat einlenkend, dass „man namentlich nach dem nächsten Feuer“(!) darüber noch reden könne. Zum Glück trat dies nicht ein.
Am 23.April 1859 wurden denn alle bei der alten Feuerwehr Verpflichteten verabschiedet und die neuen 24 uniformierten freiwilligen Feuerwehrmänner traten ihren Dienst an. Das war die Geburtsstunde der heutigen Feuerwehr – freiwillig, wie städtisch besoldet.
Wismar hat heute eine Berufsfeuerwehr und zwei freiwillige Feuerwehren, die zu allen Zeiten mit viel Elan, Enthusiasmus und Umsicht ihre verantwortungsvolle ehrenamtliche Tätigkeit verrichteten. Viel wird im Kinder- und Jugendbereich getan – ein Umstand, der nicht selbstverständlich ist und den man nicht hoch genug einschätzen kann. Das in einer Zeit, wo es wie vor Urzeiten um die „notwendige Zeit zur Brandbekämpfung“ geht und manch ein Arbeitnehmer seine Mitarbeiter lieber im Betrieb sieht, als im Ehrenamt. Ei-ne Gemeinde ist klug beraten, hier alles zu tun, um unterstützend im Sinne der Gefahrenabwehr für uns alle zu handeln. Ich denke, da sind Wismars Feuerwehrfrauen- und Männer gut aufgestellt.

Was geschah in dieser Woche sonst noch:
19. April 1948 Umbenennung der großen Stadtschule in „Geschwister-Scholl-Schule“.
26. April 1716 Zar Peter I. besichtigt Stadt und Festung.
26. April 1907 Benennung der Straßen Schwarzkopfenhof, Gerberhof, Grothusenschanze.
26. April 1990 Aus „Bank für Handwerk und Gewerbe eGmbH Wismar“ wird die Volksbank Wismar eG.
27. April 1888 Eröffnung der Post in der Mecklenburger Straße
27. April 1946 13 Mitarbeiter der Stettiner Werft bauen im Auftrag der Sowjets in Wismar eine neue Werft (später MTW) auf.
28. April 1933 Alfred Pleuger wird zum Bürgermeister „gewählt“. Auf-marsch von SA und SS auf dem Marktplatz.
28. April 1946 Neupflasterung des Marktplatzes fertiggestellt, nachdem ein dort befindlicher Luftschutzbunker gesprengt wurde.

Detlef Schmidt

Wismar, den 15.4.14

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