Kalenderblatt zum 23. Januar

Augusta bracht die große Erleuchtung……

Am 23. Januar 1883 löschte der Kieler Dampfer „Augusta“ im Wismarer Hafen seine Ladung, was eigentlich keine Besonderheit wäre, ja, ……. wenn nicht diese durch elektrisches Licht auch in der Dunkelheit fortgesetzt werden konnte. Der Dampfer hatte einen kleinen Generator zur Stromerzeugung an Bord, der durch die bordeigene Dampfmaschine angetrieben wurde.
Das lockte natürlich scharenweise Schaulustige an. Mit staunenden Augen sahen sie der „Er-leuchtung“ zu, denn bis dahin kannte man nur Gaslaternen oder Darstellungen auf dem Jahr-markt durch Schausteller, die elektrische Blitze erzeugten und einige Effekte darstellten. Die-ses Licht konnte man aber nutzen!
Noch im gleichen Jahr, im November 1883 nahm der Dampfer „Toledo“ eine Ladung Kohlen an Bord und auch hier setzte man von Bord „helles Electrizität“ ein, das den Hafen hell er-leuchtete. Beide Ereignisse waren dem Mecklenburger Tageblatt eine große Schlagzeile. wert und sie schrieben von der „großen Erleuchtung für Wismar“.
Doch es dauerte noch nahezu 20 Jahre, ehe die Elektrizität in Wismar überall Einzug hielt.
Zwar boomte Wismar in den sogenannten „Gründerjahren“ nach 1871 mit einer Reihe von Industrieanlagen, wie Eisengießerei, Hobelwerke, Zuckerfabrik, Schlachthof, Hafen usw., doch man verließ sich in der Energieanwendung ausschließlich auf Gas und die dadurch er-zeugte Dampfkraft, die letztendlich Dampfturbinen antrieben und ihre Kraft auf die Maschi-nen abgaben. Zwischenzeitlich waren neue Elektromaschinenantriebe entwickelt, die Glüh-lampe längst erfunden und trat ihren Siegeszug an und es war nur eine Frage der Zeit, ab wann die Elektroenergie in Wismar Anwendung finden würde. So machte zwar 1892 eine Rostocker „Electricitäts-Centrale“ von sich reden, die in der Schüttingstraße 10 eingerichtet werden sollte und für 500 Glühlampen(!) Kapazität bot. Doch das wurde vom Rat abgelehnt, weil das Konzept einfach nicht stimmte.
Erst als 1897 die ehemals private Gasanstalt von der Stadt erworben wurde, baute man diese zum städtischen Gas- und Elektrizitätswerk um, was man als Geburtsstunde der heutigen Stadtwerke bezeichnen konnte. Das Gaswerk war vorher in privater Hand und erst durch Ver-schmelzung beider Energiearten, konnte es in den Anfangsjahren zu guten Synergieeffekten kommen. So trieben Gasturbinen in den ersten Jahren Elektrogeneratoren an, die den Elektro-strom in die städtischen Netze einspeisten.
Am 19.April 1904 wurde durch den Wismarer Rat die Genehmigung zu einem kommunalen Elektrizitätswerk erteilt, mit der Kabellegung wurde noch im Juli des gleichen Jahres begon-nen und am 15. Oktober 1904 wurde das Kabelnetz in Wismar unter Spannung gesetzt.
Seit 1904 ist Wismar in den größten Bereichen und auch Unternehmen elektrifiziert, wobei sicherlich der Einzug der modernen Energiequelle in den Wohnungen, besonders in den ärme-ren, sich in Grenzen gehalten haben mag. Die Abnahme von elektrischem Strom nahm rapide zu, so dass die Gasturbinen erweitert und verstärkt wurden und ab Sommer 1911 bezog man über eine Überladleitung aus Lübeck-Herrenwiek den ersten nicht in Wismar produzierten elektrischen Strom. Damals gab es schon 600 Abnehmer jeder Größenordnung in Wismar.
Trotz der Überlegenheit der Elektrizität, hielt man an Gaslaternen und Petroleumlampen fest, denn als man im Winter 1906 die Hafenbeleuchtung immer noch mangelhaft befand, sollten zehn neue Lichtquellen Abhilfe schaffen. Dies genehmigte der Rat und …… es wurden drei neue Gaslaternen und sieben Petroleumlampen aufgestellt.
Auf den Straßen, in den Büros und auch in kleinen Werkstätten brannten nach wie vor Gasla-ternen, die für Wismar noch bis in die späten fünfziger Jahre nachweisbar waren, als der „La-ternenmann“ mit seinem langen Stock abends durch die Straßen ging und die Lampen anzün-dete, doch die Elektrifizierung mit der höheren Effektivität ließ sich einfach nicht von der Hand weisen.
Die Wismarer Stadtwerke, seit 1990 wieder im überwiegend kommunalen Eigentum, versor-gen heute mit den drei Sparten Strom, Gas, Wasser und auch teilweise Wärme die Hansestadt Wismar. Gas- oder Petroleumlampen sorgen höchsten nur noch für einen Nostalgieeffekt. We-gen der Endlichkeit der nicht erneuerbaren Energiereserven, bemühen sich die Wismarer Stadtwerke ihren Kunden beim sparsamen effektiven Umgang mit der bereitgestellten Energie behilflich zu sein. Dazu dienen 114 Kilometer Mittelspannungskabel und 378 Kilometer Nie-derspannungskabel. Die ungeliebte Freileitung ist im Wismarer Straßenbild seit Jahrzehnten verschwunden und waren bis spät nach dem Krieg noch Stromstörungen an der Tagesord-nung, so ist dies eine Seltenheit, die höchstens auf einen Havariefall aber nie auf einer Kapazi-tätsbeschränkung zurück zu führen ist. Waren es 1904 rund 600 kleine und mittelgrößere Abnehmer, so sind es mittlerweile nach über 100 Jahren weit über 30.000 Kunden die die Stadt-werke alleine nur mit Strom, zwar nicht mehr in Wismar produziert, versorgen

Was sonst noch passierte
23. Januar 1903 Auftrag des schwedischen Königs zur Ausarbeitung eines Vertrages zur Rückgabe Wismars.
25. Januar 1990 Wismarer Ostsee-Zeitung berichtet erstmalig mit Fakten über das MfS.
25. Januar 1990 Der Nordgiebel von St. Georgen stürzt ein.
26. Januar 1628 Kaiserliche Erhebung Wallensteins zum Herzog von Mecklenburg.
26. Januar 1939 Nach 20 Monaten Bauzeit wird das Luftwaffenlazarett übergeben. Dr. Otto Bengsch wird ab 1.11.1938 Abteilungsarzt und ab 1.1.1942 Chefarzt.
27. Januar 1994 Enthüllung einer Gedenktafel für den jüdischen Arzt Dr. Julius Liebenthal am Haus Altwismarstraße 10.
29. Januar 1906 Baubeginn der höheren Töchterschule Lyzeum) am Turnplatz (Turnplatz-schule).
29. Januar 1945 Neugründung des Konsumvereins Wismar und Umgebung.
29. Januar 1976 Der bekannte und beliebte Kinderarzt Dr. Otto Connerth ist in Wismar ge-storben. Er wurde am 4. Februar 1898 in Hermannstadt/Siebenbürgen geboren und kam 1926 nach Wismar. Hier eröffnete er in der Lübschen Straße 83 (89) eine Kinderstation. 1944 wur-de sein Privathaus in der Mecklenburger Straße 16 ausgebombt. Ab 1945 unterhielt er eine eigene Kinderklinik im ehemaligen Arbeitersportlerheim an der Parkstraße, und war ab 1950 Chefarzt der Kinderstation des Wismarer Krankenhauses mit Praxis in der Lübschen Straße 100.

Detlef Schmidt

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