Kalenderblatt zum 23. Juli

Als der Blitz in St. Marien fuhr

In der Donnerstagnacht vom 23. Juli zum 24. Juli 1539 schlug ein Blitz in die St.-Marienkirche ein. Die auf dem Turm angebrachte weithin sichtbare Spitze wurde zerstört und das Turm Dach, wie auch ein Teil des Kirchendaches fingen Feuer. Die sich im Chorumgang befindliche Stundenuhr wurde zerstört. Unmittelbar nach dem Unglück begann man mit den Reparaturarbeiten und auch der Turm erhielt sein ursprüngliches Aussehen mit einem neuen Dachreiter. Noch 1592 leisteten sich die Wismarer ein Glockenspiel, das bis 1928 in Funktion war. Erst 1982 konnte das alte Glockenspiel durch Spenden der Altschülerschaft der Großen Stadtschule ersetzt werden und spielt täglich einen Choral aus dem Kirchenjahr. St. Marien besaß mit einer astronomischen Uhr eine weitere Kostbarkeit mittelalterlicher Uhrmacherkunst, die um 1421 Erwähnung findet und 1542 als „Wunderuhr“ bezeichnet wurde. jedoch schon im 19. Jahrhundert nicht mehr in Betrieb war. Die astronomische Uhr ist bei der Zerstörung von St. Marien am 14. April 1945 völlig zerstört worden. Lediglich ein Uhrzeiger ist erhalten, den das Stadtgeschichtliche Museum im Schabbelhaus bewahrt.
Stadtansichten von Wismar aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts zeigen für die St. Marienkirche und die St. Nikolaikirche hohe Turmspitzen. Diese sind seit dem 17. und 18. Jahrhundert verschwunden und man kannte aus späteren Ansichten nur die „stumpfen“ Türme, wie man sie noch heute an den beiden Kirchen sehen kann. Den Turm der St. Marienkirche schmückte ein spitzer Turmaufbau, so dass der Turm in seinem Ursprung höher wie die heutigen mehr als 81 Meter war. Nach dem Blitzeinschlag von 1539 geschah eben die schnellst mögliche Reparatur. Damals hatten die Bürger noch das Geld dafür, was über einhundert Jahren später etwas schlechter aussah. Am 4. Januar 1661 tobte über Wismar ein kräftiger Wintersturm und der Dachreiter auf dem St. Marien Kirchturm wurde nun endgültig zerstört. Nach dem verheerenden 30-jährigen Krieg hatte man im nunmehr schwedischen Wismar kaum Mittel dafür.
Seit dieser Zeit hat St. Marien einen „stumpfen“ Turm. Ähnlich wie bei St. Nikolai, die bis zum 8. Dezember 1703 eine 40 Meter hohe kupferbekleidete Spitze zu den noch jetzt 50 Meter hohen Turm hatte. Mit diesem „Trick“ glich man in der von See zu sehenden Stadtsilhouette die Höhe zwischen der Kirche des Rates und der Kaufleute, St. Marien, und der Kirche der Seefahrer, St. Nikolai, aus Im Dezember 1703 tobte ebenfalls ein schwerer Sturm der die hohe Turmspitze auf das Kirchenschiff warf. Zwei Menschen kamen dabei ums Leben und die Gewölbedecke des Kirchenschiffes stürzte ein. Provisorisch wurde eine von unten gestützte Balkendecke eingezogen, um Gottesdienste abhalten zu können Erst 1867, 164 Jahre später, waren in St. Nikolai alle Schäden beseitigt.
Der Turm von St. Georgen ist letztendlich, im Gegensatz zu den anderen großen Kirchen, ein niedriger stumpfer Notabschluss, da den Bauherren, den Wismarern Bürgern, schlichtweg das Geld ausgingen und den Bau 1594 abschlossen. Auch hier gab es immer wieder Bestrebungen, zuletzt um 1910, einen „richtigen“ Turm aufzusetzen. Die Fundamente waren ja letztendlich dafür ausgelegt. Doch es scheiterte wieder einmal am „lieben Geld“! Mit der Restaurierung von St. Georgen wurde auch der Wunsch laut, den Turm zu benutzen und so befördert seit dem 9. Mai 2014 ein gläserner Fahrstuhl die Besucher in 34 Meter Höhe auf das Turmplateau.
Wismar hat aber mit seiner unverwechselbaren Stadtansicht an Glanz nicht verloren. Die drei großen Kirchen sind stadtprägend und wenn man die Kirchen aus einem Bild wegretuschieren würde, ist die Stadt kaum wieder zu erkennen. Das gilt aber für andere Städte mit ebensolchen stadtprägenden Bauten. Bei St. Marien gab es noch ernsthaftere Bemühungen, und auch die Finanzierung war wohl klar, für einen Turmhelm nach altem Vorbild. Der auf Initiative des Mediziners, Wismarer Geschichtsforschers und ehrenamtlichen Ratsarchivar Dr. Friedrich Crull 1867 gegründete Turmbauverein gab 1903 ein Blatt mit der Rekonstruktionszeichnung des ursprünglichen Marienkirchturms heraus. Anlass war eine durchgreifende Restaurierung der Marienkirche. Der Turmhelm fand beim Rat und Stadtbaumeister jedoch keine „Gnade“ und so hat sich auch der „Turmbauverein“ wieder aufgelöst. Das reichlich eingesammelte Geld wurde dem Kirchgemeinderat von St. Marien übergeben.

Was sonst noch geschah
26. Juli 1925 Logiker Prof. Dr. Gottlob Frege gestorben.
25. Juli 1940 6. Luftangriff: Um 1.30 Uhr warnten die Sirenen die Bürger Wismars vor britischen Flugzeugen. Im Hochangriff warfen drei Bomber vier Spreng- und dreißig Brandbomben, die auf der Gemarkung Fliemsdorf detonierten, wo ein Scheinflugplatz zur Irritation des Gegners errichtet worden war.
25. Juli 2003 Auf den Dalben in der Hafeneinfahrt werden nach altem Vorbild in der Zeit vom 24.7. – 31.7.2003 wieder die Schwedenköpfe aufgestellt.
25. Juli 2006 Eröffnung des Technologie- und Forschungszentrum (TGF) Wismar mit Haus 5 und 6 im Holzhafen (Multimedia Port).
26. Juli 1945 Anordnung zur Registrierung aller verbliebenen Kraftfahrzeuge.
27. Juli 1945 Einrichtung eines Hilfskrankenhauses mit 200 Betten in der Großen Stadtschule.
27. Juli 1824 Schützengesellschaft eröffnet ihr Schützenhaus mit einem Festmahl der vereinigten Schützengesellschaften.

Detlef Schmidt

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