Kalenderblatt zum 23. Juni

Kali war das Hauptumschlagsprodukt im Wismarer Hafen

Am 23. Juni 1951 wird die erste Kalihalle im Seehafen Wismar eingeweiht, die dringend notwendig war, um den wichtigsten Exportartikel aus Wismars Hafen ohne Verluste umzuschlagen.
Der Hafen ist untrennbar mit der Stadtgeschichte verbunden, war er doch eine der Gründe, warum sich im frühen 13. Jahrhundert hier Menschen ansiedelten, woraus sich die Stadt gründete. Am 21. Mai 1209 bestätigte König Otto in Goslar in einer Urkunde Privilegien, wo der Name des Wismarer Hafens erstmalig belegt wurde. Bis in das auslaufende 19. Jahrhundert erfüllte der heutige Alte Hafen mit seinem um 1775 fertiggestelltem Baumhaus und dem heutigen „Thormann-Speicher“ von 1862, die vielfältigen Aufgaben. 1893 erfolgte der Durchstich am Baumhaus zum Neuen Hafen und

somit zur entscheidenden Erweiterung. Ebenso wie der ab 1909 geschaffene Holzhafen und der Westhafen. Die Umschlagmengen mit etwa 300-tausend Tonnen als Spitzenergebnis muten aus heutiger Sicht bescheiden an. 1927 wurde das Seegrenzschlachthaus errichtet, das den seesei-tigen Vieh Im- und Export erhöhen sollte. Die zwischen 1935 und 1940 erbauten Speicher, wie der 1935 erbaute „Löwe-Speicher, der 1938 errichtete „Ohlerich-Speicher“ und der 1940 gebaute „Kruse-Speicher“ auf der Lastadie waren enorm wichtig für den Getreidetransport, jedoch stag-nierten die Umschläge, die neben Getreide auch Kohle beinhalteten. Über 200-tausend Tonnen kam man nicht mehr und der 2. Weltkrieg brachte ihn nahezu zum Erliegen. Das Seegrenzschlacht-haus erlitt Bombenschäden und wurde nach dem Krieg per Befehl vom 13. August 1951 demon-tiert.
Mit dem Befehl zur Übertragung der Rechtsträgerschaft des Hafens am 8. April 1946 an die Stadt, erhielt Wismar, wenn auch nur formell, die Hoheit über seinen Hafen, die schon am 1. Mai 1947 wieder endete. Endgültige Ordnung schafft man am 1.Januar 1952, als durch eine Verordnung über die Einrichtung von Volkseigenen Betrieben aus der Hafengemeinschaft Wismar der Volkseigene Betrieb (VEB) Seehafen Wismar gegründet wird. Das 1888 erbaute neogotische „Großherzogliche Zollhaus“ wurde bis 1996 Verwaltungssitz des VEB Seehafen. Die Kriegsschäden im Wismarer Hafen hielten sich in Grenzen, doch durch die Trennung der beiden deutschen Staaten, kam es auch zu Veränderungen bei den Verkehrsströmen. Ab 1946 setzen umfangreiche Rekonstruktionsmaß-nahmen ein, wie die Instandsetzung von Lagerbunker zu Kalibunker und Kali machte bis zur „Wen-de“, neben Stückgüter, den größten Bereich der Umschlagmenge aus. Kali wurde zum begehrten Exportgut und kam bis 1993 aus dem Kalibergwerken Bischofferode und Zielitz. Am 15. Juni 1946 gab es den Beschluss, dass die Lagerbunker im Kohlehafen zur Lagerung von Kali umgebaut werden sollten. Hier konnten etwa 30tausend Tonnen eingelagert werden. Schwierigkeiten bekam man mit dem Transport, denn durch Witterungseinflüssen war der Kali so hart geworden, „dass der in offe-nen Bunkern lagernde Kali gesprengt werden musste und mit Presslufthammern aufgelockert und mit einer hohen Zahl von Arbeitskräften mühsam verladen werden…“ Am 12. März 1946 informier-te Oberbürgermeister Herbert Säverin den Rat „dass Vertreter der SMAD den Hafen besichtigt haben; er soll als Umschlagplatz für Kali, Salz, Zucker und Baumwolle genutzt werden. Die SMAD wird sämtliche Hafenanlagen einschließlich Seegrenzschlachthaus in Anspruch nehmen und am 22. November 1946 kam der Befehl über Instandsetzung von alten Lagerbunkern am Hafen zu Kalibun-kern. Damit war das Umschlaggut Kali zunächst geschützt. Der gestiegene Absatz machte aber neue und bessere Lagerungen notwendig. So wurde im September 1948 mit dem Bau einer neuen Ka-liverladeanlage begonnen, die am 15. März 1949 auf 120 Meter Länge und bedacht fertiggestellt wurde. Am 12. Mai 1950 konnte das erste Schiff an der neuen Kaliverladeanlage, der modernsten Europas, so der damalige Anspruch, beladen werden. Der Kaliumsatz stieg weiter und es mussten neue Lagerkapazitäten her, die man nun in der neu erbauten Kalihalle fand. Am 18. Juli 1956 ist dann die größte Kali-Kippanlage Deutschlands in Betrieb genommen worden. Sie hatte zwei Kipp-drehscheiben, von denen je ein Eisenbahnwaggon etwa 60 Grad emporgehoben werden kann. Durch eine trichterförmige Vorrichtung läuft die Kaliladung auf ein unterirdisch laufendes Trans-portband, das über 200 Meter das Kali bis zum Lagerraum des zu beladenen Schiffes. Die Kali-Kippanlage hat eine Kapazität von rund 300 Tonnen je Stunde und kann drei Schiffe gleichzeitig beladen. Mussten früher die Hafenarbeiter das Kali aus den Waggons manuell entladen, so erreich-te man die durch das „Umkippen“ der Waggons in der Lagerhalle und von dort ging es über Förder-bänder zu den Schiffen. So einfach ging dies nicht vonstatten, denn die „Kaliwolken“ beeinträchtig-ten die nähere Umgebung, worüber Kleingärtner über die ungewollte „chemische Düngung“ mehr als verärgert waren. Nach der „Wende“ lief der Kaliumschlag aus Bischofferode aus und eine Zei-tung schreibt im Juli 1993: „Von einer Schließung des Kaliwerks in Bischofferode ist auch die Region Wismar betroffen. Wie die Gewerkschaft ÖTV am Donnerstag in Erfurt mitteilte, werden bis zu 80 Prozent des Kalis aus Bischofferode im Wismarer Hafen umgeschlagen. Falle dieser Kaliumschlag weg, bedeute dies den Verlust von 51 Arbeitsplätzen.“ Nach dem Wegfall der Kalitransporte muss-ten neue Geschäftsfelder erschlossen werden. Heute hat der Hafen Bedeutung vor allem für Massengüter und massenhafte Stückgüter. Hauptgutarten sind Rund- und Schnittholz, Stahl und Schrott, Torf, Baustoffe und über die Ende der 1990er Jahre komplett neu gebaute Massen-gutanlage wird Kali und Salz umgeschlagen. Der Hafen bietet insgesamt 15 Liegeplätze mit 2300 Meter Kailänge und zwei Dalbenplätze. Jährlich laufen den Wismarer meeresoffenen und gezeitenfreien Hafen etwa 1300 Schiffen aller Größenordnungen an.

Was sonst noch geschah
24. Juni 1825 Gründung der Wismarer Fischerzunft.
24. Juni 1940 1. Luftangriff: Dornierwerke beschädigt. Es wurden in der Zeit von 1.07 Uhr bis 2.56 Uhr etwa 30 Spreng- und 40 Brandbomben abgeworfen.
24. Juni 1996 Taufe eines Airbusses A 321-100 in Frankfurt am Main auf den Namen „Wismar“.
25. Juni 1777 Karl von Breitenstern, Gründer des im November 1818 gegründeten Musikvereins und Bürgermeister von 1814-1825, geboren.
26. Juni 1803 Der Vertrag von Malmö wird unterzeichnet. Wismar wird wieder mecklenburgisch.
26. Juni 2000 Betriebseröffnung für die Spanplattenherstellung EGGER Holzwerke Wismar auf dem Haffeld.
26. Juni 2014 Der Landtagsabgeordnete Tilo Gundlack (SPD) Wismar wird zum Präsidenten der Wis-marer Bürgerschaft gewählt.
27. Juni 2002: Aufnahme der Altstädte Wismars und Stralsunds in die Welterbe Liste der UNESCO.
29. Juni 1831 Die Großherzogliche Medicinal-Kommission weist mit Nachdruck auf eine drohende Choleraepidemie und die Verlegung der Kirchfriedhöfe außerhalb der Stadt hin.

Detlef Schmidt

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