Kalenderblatt zum 23. November

Superintendent Christian Koch gründete Freischule

Am 23. November 1838 wurde die Freischule im neu erbauten Haus der Koch´schen Stiftung eröffnet. Namensgeber des Hauses und der ehemaligen gleichnamigen Stiftung ist der Pastor und spätere Superintendent an St. Marien, Christian Balthasar Koch. Er wurde am 31. März 1751 in Vilmitz auf Rügen als Sohn eines evangelischen Geistlichen, und späteren Lehrer am Pädagogicum Bützow, geboren. Christian  Koch war vom 27. März 1788 bis 1811 an St. Nikolai in Wismar als Pfarrer tätig. Am 6. April 1807 wurde er Superintendent und wechselte zum 16. September 1811 nach St. Marien, wo er bis zu seinem Tode am 15. Februar 1830 predigte. Am 1. September 1925 wurde er zum Konsistialrat für den Kirchenkreis Wismar ernannt. Seit dem 22. Juni1786 war er mit Justine Behrmann aus Rostock verheiratet. Der einzige Sohn Friedrich, fiel 1813 als Leutnant beim mecklenburgischen Jägerregiment in einem Gefecht gegen die Franzosen.

Christian Koch lag besonders die ärmere Bevölkerung am Herzen und sah wie diese im noch schwedischen Wismar kaum Chancen hatten. Auf seine Initiative gründete er eine Stiftung, die im Eckhaus Lübsche Straße, Neustadt am 4. Mai 1795 die erste Freischule eröffnete. In Wismar wurde erst 1855 eine Schulpflicht eingeführt und so erhielten Kinder je nach Vermögen eine Ausbildung oder keine. Wie notwendig das Wirken Kochs war, zeigt ein Ausschnitt aus dem ersten Jahresbericht der Stiftung: „Auf sechs Mädchen die während des harten Winters im armseligsten Zustande täglich vor den Häusern bettelten, war zuerst mein Augenmerk gerichtet, und ich wollte versuchen, ob es möglich sein werde, diese Kinder zu retten. Ich gab meine Absicht hie und da zu erkennen und fand bald, dass ich auf Unterstützung einige Rechnung machen durfte. Ich erhielt zur ersten Einrichtung der Schule Materialien und Werkzeuge, Wolle und Hede, Spinnräder, Haspel und Stühle, mehrere schickten mir abgelegte Kleidungsstücke, einige etwas Geld, und zwölf Familien verpflichteten sich außerdem, die Lehrmeisterin der Reihe nach alle sechs Wochen einmal zu Mittag zu speisen. Nun fragte ich die Eltern, ob sie darin willigen wollten, dass ihre Kinder in einer freien Schule in nützlicher Arbeit unterrichtet würden, und versprach ihnen in diesem Falle und unter der Bedingung, dass sie vom Betteln abstehen würden, nicht nur alles dazu Nöthige herbeizuschaffen, sondern auch den Kindern bessere Kleidung zu geben und ihnen die Arbeit, sobald sie brauchbar sein würde, zu bezahlen. Alle willigten ein.“ Der erste Unterricht konnte aufgenommen werden und die Frau eines Webers hatte sich bereit erklärt, für eine wöchentliche Vergütung von zwölf Schillingen, die sechs Mädchen und zehn Jungen zu unterrichten. Die Freischule hatte einen guten Zulauf, sodass die Räumlichkeiten zu beengt waren. Einen freien Platz für einen Neubau fand man in der unteren Mecklenburger Straße in unmittelbarer Nachbarschaft zum ehemaligen Schwarzen Kloster und der Stadtmauer. Christian Balthasar Koch, der Gründer der Stiftung starb am 15. Februar 1830, was jedoch den Fortgang der Stiftung nicht beeinträchtigte. Auf Verfügung des mecklenburgischen Großherzoges und in Andenken an die Verdienste des Stiftungsgründer Christian Koch, wurde am 21. Mai 1831 „auf höchste Anordnung“ verfügt, dass „zum immerwährenden Andenken des Stifters für alle kommende Zeiten“ der Name „Koch´sche Stiftung“ erhalten bleiben soll.

Der Neubau der Freischule wurde am 23. November 1838 abgeschlossen. Das Haus wurde, da die Mittel der Stiftung, man hatte 1839 Taler zusammen bekommen, hierzu nicht ausreichten, aus freiwilligen Beiträgen der Bürgerschaft und auch von der neu gegründeten Ersparniß-Anstalt, der heutigen Sparkasse, unterstützt. Weitere Sachspenden kamen von Wismarer Handwerkern, wie den Nagelschmieden, Tischlern, Malern, Klempnern und Ofenbauern. Nach fertigem Besuch konnten im Haus drei Lehrer wohnen und bis zu 300 Kinder konnten hier kostenlos unterrichtet werden. Die Freischule unterrichtete bis 1913 ohne Entgelt. Nach der Zerstörung der Marien- und Georgenkirche 1945 fanden hier bis zur Fertigstellung der neuen Kirche 1951 auch Gottesdienste der Kirchgemeinden von St. Marien und St. Georgen statt.

Einen guten Ruf hatte die Koch´sche Stiftung schon zu DDR-Zeiten als Kindergarten, wo viele Eltern es genossen, dass ihren Kindern die allgemein üblich ideologische Ausrichtung schon im Kindergartenalter erspart blieb. Heute ist es wieder ein Kinderhaus für insgesamt 75 Kinder, mit und ohne Konfession. Träger des evangelischen Kinderhauses Koch´sche Stiftung ist die evangelischen Kirchgemeinde St. Marien und St. Georgen in Wismar.

Was sonst noch geschah:
25. November 1936 Umbenennung der Stadt Wismar in Seestadt Wismar.
25. November 1991 Gründung des „Rotary Clubs“ Wismar.
28. November 1959 Kiellegung des FDGB Urlauberschiffes Fritz Heckert auf der Mathias Thesen Werft.
1. Dezember 1881 Benennung der Dahlmannstraße.
1. Dezember 2012 Eröffnung des Technischen Landesmuseums als „phanTechnikum“.
1. Dezember 1933 Gründung der Dornier-Werk Wismar GmbH, ab 1938 Norddeutsche Dor-nier Werke GmbH.
1. Dezember 2000 Eröffnung des Schwimmbades „Wonnemar“.
3. Dezember 1952 Wiedereröffnung des ehemaligen Karstadt Hauses als „HO Warenhaus“.
4. Dezember 1989 Kundgebung des Neuen Forum vor der Nikolaikirche und anschließend Demonstration zum Stasi-Gebäude. Die Staatssicherheit wird daran gehindert, weitere Akten zu vernichten.
5. Dezember 1989 Der Wismarer Studentenrat und das Neue Forum versiegeln die Wismarer Kreisdienststelle der Staatssicherheit.
5. Dezember 1860 Historiker Friedrich Christoph Dahlmann in Bonn gestorben.
6. Dezember 1997 354. und letzter Stapellauf auf der Werft.
6. Dezember 1989 „Runder Tisch“ wird in Wismar eingerichtet, um die politische Wende zu vollziehen.

Detlef Schmidt

 

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