Kalenderblatt zum 24. Juni

Die Dornier-Flugzeugwerke wurden zuerst bombardiert

Am 24. Juni wurde Wismar das erste Mal von Bombern der Royal Air Force angegriffen. Die Dornierwerke auf dem Haffeld waren das Ziel. Nachts, in der Zeit zwischen ein Uhr sieben Minuten und zwei Uhr 56 Minuten wurden etwa 30 Spreng- und 40 Brandbomben abgewor-fen. Hinter vorgehaltener Hand spotteten die Wismarer, dass der dicke Feldmarschall Herman Göring nun „Meyer“ heißt, denn Göring hatte noch einige Monate geprahlt, dass er „Meyer“ heißen wolle, wenn auch nur ein feindliches Flugzeug über Deutschland fliegt. Noch weitere elf Mal sollten die Bomber bis 1945 ihre zerstörerische Last über Wismar abwerfen. Über 320 Fehlalarme gab es in dieser Zeit, die auch die Wismarer immer wieder in Angst und Schrecken versetzten. Am Ende des Krieges waren 80 Prozent der Dornierwerke und der alten Waggon-fabrik zerstört und es gab insgesamt 314 Einwohner Wismars, die durch die insgesamt 12 Luftangriffe ihr Leben verloren. Die „Serie“ der britischen Luftangriffe hörten mit dem sieb-ten Luftangriff am 29. Juli 1940 auf. Doch im Februar 1942 gibt es bei der britischen Royal Air Force, die Entscheidung, die Luftangriffe fortzusetzen. Am 24. September 1942 wurde das Rathaus und Häuser in der Innenstadt, wie in der Altwismarstraße, zerstört. 50 polnische Zwangsarbeiter wurden zur Reparatur der Bombenschäden, 50 polnische Dachdecker heran-gezogen. Die hauptsächlichsten Ziele der Engländer war die Industrie, doch der letzte Angriff galt ganz bewusst den Menschen, die man so zur Aufgabe bewegen wollte. Doch viele Men-schen glaubten immer noch an die Lügen der NS-Ideologie und deren „Wunderwaffe“. Die gab es nicht und die Rote Armee besetzte am 2. Juli 1945 Wismar. Am 20. Dezember 1945 erhielten die Norddeutschen Dornier-Werke Wismar den Demontagebefehl und das Werk hörte auf zu existieren, doch erst am 15. Juli 1949 wurden die Norddeutschen Dornier-Werke GmbH aus dem Handelsregister gelöscht. Auf dem Firmengelände und der Hauptverwaltung entstand der spätere VEB Alubau. Das Gelände auf dem Haffeld übernahm die sowjetische Militäradministration, die nach Sprengung und Demontage der Hallen bis 1953, hier bis 1993 einen Übungsplatz einrichteten.
Am 1. Dezember 1933 wurden die Dornier-Werke Wismar GmbH in das Handelsregister des Amtsgerichtes eingetragen. Für den neuen Standort hatten sich auch Schwerin und Lübeck beworben. Ausschlaggebender Standortvorteil waren ausgebildete Metallarbeiter der ehemali-gen Podeus-Werke und die Ingenieurschule, sowie der direkte Zugang über einen meeresoffe-nen Hafen. Sie übernahmen zunächst Teile der bis dahin unter Zwangsverwaltung stehenden Podeuswerke zwischen Adolf-Hitler-Straße (Dr. Leber-Straße) und Kanalstraße. Ausschlag-gebend war aber auch die für eine zukünftige Aufrüstung positiv gestimmte politische Lage und Dornier wollte hier neben den anderen deutschen Flugzeugbauern mithalten. Dazu gab es umfangreiche Förderungen aus dem Reichsluftministerium. Das „Mecklenburger Tageblatt“ berichtete schon Anfang November 1933 über eine „Wirtschaftsbelebung für unsere Stadt“, denn mit 31,7 Prozent Arbeitslosigkeit hatte Wismar den höchsten Stand in Deutschland. So akzeptierte man auch den Vertragsentwurf von Dornier. Der Hauptverwaltungssitz befand sich in der Adolf-Hitler-Straße 24 (heute Dr.-Leber-Straße), ebenso wie das Werk I. Auf dem Haffeld begann 1934 mit Unterstützung Wismarer Arbeitslose, die hier verpflichtet wurden, der Aufbau der Fertigungshallen. Schon 1934 war die „Bauhalle“ fertig und wenige Monate später die „Seehalle“ und die „Flughalle“. Der zum Werk zugehörige Hafen, heute der „Ton-nenhof“ des Wasser- und Schifffahrtsamtes, wurde ebenfalls 1934 fertiggestellt, sodass die Produktion bei Dornier „hochfahren“ konnte. 1934 wurde das Werk II in der Kopenhagener Straße in Betrieb genommen. Viele Wismarer fanden hier Arbeit. 1936 arbeiteten bei Dornier in Wismar 1.908 Menschen und schon ein Jahr später waren es 3.000 Menschen. Verständlich, dass bei diesen Zahlen die Arbeitslosigkeit gegen Null tendierte und mit 400 Arbeitslosen einen positiven Tiefpunkt erreichten. 1944 erreichten die Dornier-Werke mit 4.437 Beschäftig-ten einen Höchststand, wobei man anfügen muss, dass ein Drittel davon Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter waren.
Landeten auf dem Haffeld die Flugzeuge zunächst noch auf einer Gras- und Sandbahn, so war 1938 die betonierte Start- und Landebahn fertig und somit voll ausgerüstet. Chefpilot und Werksflieger war der am 5. Januar 1897 geborene Robert Förster aus Quedlinburg, der hundertjährig am 30. März 1997 in Wismar in seinem Haus am Wendorfer Weg verstarb. Er wirkte 1931 als Double von Hans Albers in einem Fliegerfilm mit. Das Haffeld war jedoch schon 23. Juni 1913 fliegerisch eingeweiht als es einen sportlichen Rundflug mit sechs Flug-zeugen von Lübeck-Schwerin-Wismar-Lübeck vom 21.Juni -23.Juni 1913 mit Landung und Start in der noch jungen „Fliegerei“ gab.
Wismar wurde nach Warnemünde und Rostock, ein weiterer wichtiger Flugzeugbaustandort in Mecklenburg. Gefertigt wurden ausschließlich unternehmenseigene Flugzeugtypen aber auch durch Förderung des Reichsluftministeriums, Typen aus den Heinkel- und Juncker-Werken. Mit der Do 217 im Jahr 1941 wurde wieder ein Dornier-Flugzeug gefertigt. Ab 1943 wurden im Rahmen des „Jägerprogramms“ ausschließlich Focke-Wulf FW 190 bei Dornier in Wismar gebaut.
Nach dem Krieg ordneten die Engländer am 16. Mai 1945 an, dass Mitarbeiter der Dornier-Werke die Panzersperren abbauten und per 15. Juni 1945 stellten die Dornier-Werke endgültig auf Frieden um und produzierten Küchengeschirr aus Aluminium und reparierten Landma-schinen. Am 20. Dezember 1945 erhielten die Norddeutschen Dornier-Werke Wismar den Demontagebefehl und das Werk hörte auf zu existieren. Erst am 15. Juli 1949 wurden die Norddeutschen Dornier-Werke GmbH aus dem Handelsregister gelöscht. Auf dem Firmenge-lände und der ehemaligen Hauptverwaltung entstand der spätere VEB Alubau. Das Gelände auf dem Haffeld übernahm die sowjetische Militäradministration, die nach Sprengung und Demontage der Hallen bis 1953, hier bis 1993 einen Übungsplatz einrichteten. Seit 1997 ist das Haffeld, befreit von Altlasten, wieder der industrielle Kern Wismars.

Was sonst noch geschah
24. Juni 1996 Taufe eines Airbusses A 321-100 in Frankfurt am Main auf den Namen „Wis-mar“.
26. Juni 2000 Betriebseröffnung für die Spanplattenherstellung EGGER Holzwerke Wismar auf dem Haffeld.
26. Juni 2014 Der Landtagsabgeordnete Tilo Gundlack (SPD) Wismarwird zum Präsidenten der Wismarer Bürgerschaft gewählt.
27. Juni 2002: Aufnahme der Altstädte Wismars und Stralsunds in die Welterbe Liste der UNESCO.
29. Juni 1831 Die Großherzogliche Medicinal-Kommission weist mit Nachdruck auf eine drohende Choleraepidemie und die Verlegung der Kirchfriedhöfe außerhalb der Stadt hin.

Detlef Schmidt

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