Kalenderblatt zum 24. Oktober

Altschüler stifteten Glockenspiel von St. Marien

Zu einem Festgottesdienst besonderer Art hatten sich die Gemeindemitglieder von St. Georgen und St. Marien zu Wismar mit vielen Gästen am Sonntag,  den 24. Oktober 1982 in der Neuen Kirche am St. Marienkirchturm eingefunden. Nach 54jähriger Pause sollte das wiederhergestellte Glockenspiel neu erklingen und eingeweiht werden.  Der Gottesdienst wurde mit einer Predigt vom damaligen Landessuperintendenten Christoph Pentz eingeleitet und er konnte viele Vertreter des öffentlichen Lebens, der Baubetriebe und der Denkmalpflege begrüßen. Doch die eigentlichen Stifter des wiederhergestellten Glockenspiels, durfte er nicht begrüßen. In einer beispielhaften Spendenaktion hat die damals in Kiel beheimatete Altschülerschaft der Großen Stadtschule die notwendigen 25.000 TDM unter ihren Mitgliedern gesammelt und diese Summe zur Verfügung gestellt. Doch die in Wismar wohnenden Altschüler waren anwesend und aus Schleswig-Holstein war der Vorsitzende der Altschüler Dr. Wolfgang Liese und Joachim Grehn angereist. In seiner Predigt wies Landessuperintendent Christoph Pentz unter anderem auf die Bedeutung des Glockenspiels hin und meinte, dass diese vom Friedensbekenntnis der Christen in „unserer Gesellschaft“ zeugt. Christoph Pentz umschiffte damit vorsichtig alle „Klippen“, um alles so neutral wie möglich zu halten, aber er kam nicht umhin, den vielen Helfern zu danken. Viele wussten was er damit meinte

Ursprünglich hatte St. Marien 13 Glocken, aber nach dem Abriss des Kirchenschiffes 1960 verschwand auch der Dachreiter mit der darin befindlichen Glocke, so dass im Turm heute noch zwölf Glocken vorhanden sind. Davon gehören neun allein dem Glockenspiel, welches nun im Zuge der Turmrestaurierung in Betrieb genommen wurde. Die Turmrestaurierung war Teil des Vertrages von 1961 zwischen Stadt und Landeskirche über die Geistlichen Hebungen.

Die Glocken des Spiels stammen aus der Zeit zwischen 1435 und 1652. Das Glockenspiel ist  1592 gestiftet worden. Es ist dann nach und nach erweitert worden. In einer Chronik lesen wir: „1602 attestierten Bürgermeister und Rat, dass Bartholomäus Becher seit zehn Jahren seinen Dienst zu St. Marien nicht allein an den Fest- und Sonntagen, sondern auch täglich mittags 12 Uhr auf den Turmglocken mit allerhand Melodien geistlicher Psalmen treulich und fleißig bedienet.“  Anscheinend war das Spiel zu dieser Zeit noch nicht vollständig mit den Grundtönen ausgestattet, denn in einem Schreiben des Superintendenten Hertzberg vom 10. August 1645 an Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg-Schwerin, bat er gegen Erstattung der Unkosten um zwei Glocken von Lübow und Buchholtz bei Brüel.  Weiterhin wurde eine Glocke aus Rostock mit dem Ton G benötigt. Wismar stand damals unter schwedischer Herrschaft, und deshalb flocht Hertzberg auch ein Gespräch mit dem schwedischen Feldmarschall Carl Gustav von Wrangel, einem Bruder Helmut von Wrangel´s, dem Stifter der Turmuhr, mit ein. Dieser meinte bei seiner Anwesenheit in der Stadt: „Man hätte in dieser Stadt an St. Marien ein herrlich Glockengeläute, da die Kirchenpsalter anmutig in ihren Melodien könnten gespielt werden.“ Später äußerte von Wrangel, dass es „seiner Kavallerie wohl anstünde solche drei Glocken zu verehren, und er hätte beschlossen, die drei Glocken der Kirche zu verehren, dergestalt, dass im Lande sollte nachgeforscht werden, wo etliche vorhanden wären, die dazu dienlich.“ In einem Schreiben vom 26. August 1645 gab dann der mecklenburgische Herzog seine Zustimmung, und die erbetenen Glocken konnten gegen Erstattung der Unkosten angeschafft werden, „damit das Glockenspiel von St. Marien zur vollkommenen Perfection gelangen möge“, schreibt er.

Dieses Glockenspiel war bis 1928 in Betrieb und wurde von Hand gespielt, oder wie man in der Fachsprache sagt, „geschlagen“. Man spielte täglich aus einem ausgesuchten Choral drei Verse, und zwar zu festgesetzten Zeiten nach dem Kirchenjahr. 1928 ist dann für die drei großen Glocken eine elektrische „Läutanlage“ installiert worden und das Glockenspiel verstummte.

Das Glockenspiel erklingt seit 1982 wieder täglich nach dem letzten Uhrenschlag um 12 Uhr mittags, 17 Uhr und 19 Uhr, und lässt einen Choral über die Stadt erklingen. Das Glockenspiel wird von den neun im Turm befindlichen Glocken und der Stundenglocke bedient. Eine elektronische Programmsteuerung sorgt dafür, dass die Choräle über das ganze Jahr pünktlich gemäß dem Kirchenjahr erklingen.

Zur damaligen Turmrestaurierung gehörte auch die von Helmuth von Wrangel 1648 gestiftete Turmuhr. Die Zifferblätter waren verwittert und es gab eben nur einen Stundenzeiger. Zwischen 1981 und 1982 wirkten Mitarbeiter eines Leipziger Unternehmens, um die neue Uhr zu installieren. Es war schon imposant zu sehen, wie die  fünf Meter mal fünf Meter großen und 1,5 Tonnen schweren Zifferblätter in die 75 Meter hoch gezogen wurden und lockte viele Schaulustige an. Der Minutenzeiger ist 3,30 Meter lang und 40 Kilogramm schwer und der Stundenzeiger hat bei einem Gewicht

 

von 30 Kilogramm eine Länge von 2,40 Meter. Die Uhrenwartung übernahm vom Tage der Fertigstellung der Wismarer Uhrmachermeister Joachim Lüdecke, den „seine“ Uhr heute noch nicht loslässt. Die Uhrenglocken befinden sich sichtbar außerhalb des Turmes und schlagen alle viertel Stunden an. Musste die Uhr früher jeden Tag aufgezogen werden, so steht seit 1982 ein elektrisches Werk dafür bereit und heute ist dies schon wieder durch moderne Elektronik abgelöst

Die braunen Machthaber des dritten Reiches machten auch vor St, Marien nicht Halt und wollten die Turmglocken zu Kriegszwecken einschmelzen lassen. Sie wurden durch das beherzte Eingreifen Wismarer Bürger dadurch gerettet, dass man sie teilweise in Dammhusen vergrub.

Was sonst noch geschah

  1. Oktober 1831 Einweihung des Friedhofes auf dem ehemaligen Galgenberg.
  2. Oktober 1894 Dr. Leopold Liebenthal eröffnet in der Altwismarstraße (heute 10) seine Arztpraxis (gest. 30. November 1938).
  3. Oktober 1908 Die Ingenieurakademie nimmt ihren Betrieb auf. Es beginnen die Vorlesungen.
  4. Oktober 1846 Gründung des Gewerbevereins Wismar im „Fründts Hotel“. Vorsitz Senator Dr. jur. Wilhelm Christian Süsserott.
  5. Oktober 1987 Städtepartnerschaft Lübeck-Wismar.
  6. Oktober 1946 Auf Befehl der SMAD wird die staatliche Bau- und Ingenieurschule gegründet.
  7. Oktober 1998 Fertigstellung der Kompaktwerft mit Dockhalle (600 Mio. DM Investitionen) Grundsteinlegung 15.11.1994. Die Halle ist 72 m hoch, 155 m breit und über 395 m lang.
    30. Oktober 1902 Ein hölzerner Schwedenkopf wurde durch den finnischen Segler „Alfa“ zerstört. Die Schwedenköpfe sind im April durch zwei gusseiserne Köpfe aus der Eisengießerei Crull ersetzt worden.

Detlef Schmidt

 

 

 

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