Kalenderblatt zum 25. April

Wismars neue Bürgerschule
Erst ab dem 1. März 1855 gab es in Wismar Schulzwang

Am 25. April 1850 wurde im ehemaligen Waisenhaus, das seit 1689 in der Kirche des Schwarzen Klosters untergebracht war, die Knaben-Bürgerschule eingeweiht. Die Dominikaner erbauten ab 1293 ihr Kloster im Bereich der Mecklenburger Straße. Wegen ihrer schwarzen Mönchskutte erhielten sie den Namen „Schwarze Mönche“ und das Kloster war eben das „Schwarze Kloster“. Sie genossen in Wismar hohes Ansehen, berieten sie doch wohlhabende Bürger, Kaufleute, Ratsherren und Bürgermeister. Im Gegensatz zur Kirchspielschule am St.-Marien-Kirchhof, heute besser bekannt als „Alte Schule“, unterhielten sie in ihrem Kloster eine Gelehrtenschule, wo neben Latein auch naturwissenschaftliche Fächer gelehrt wurden. Die Klosterkirche ist 1397 geweiht worden, doch mit der Reformation verloren auch die Schwarzen Mönche an Bedeutung und Einfluss in Wismar. Sie widersetzten sich im Gegensatz zu den Franziskanern, vehement den neuen Glaubensanschauungen. 1562 gab der letzte Prior des Klosters sein Amt auf und damit hörte auch das Kloster auf zu existieren. Die Klostergüter wurden aufgeteilt und die Klosterkirche ist 1689 Waisenhaus geworden. Nur im heutigen Chorbereich fand noch Gottesdienst statt.
Nach vielen Prüfungen geeigneter Räumlichkeiten entschied sich Rat und Bürgerschaft 1850 für die ehemalige Kirche im Schwarzen Kloster, zumal sich die Kosten in Grenzen hielten. Die Eröffnungsfeier fand am 25. April 1850 morgens um zehn Uhr statt und Bürgermeister Schmidt führte die neuen Lehrer in ihr Amt ein, „ermahnte die 190 Schüler zum Gehorsam gegen dieselben und wünschte der Anstalt unter Aufblick zu Gott Segen und Gedeihen“.
Zwar gab es in Mecklenburg schon seit 1756 ein Schulzwang Gesetz, jedoch in Wismar wurde dies erst am 1. März 1855 durchgesetzt. Die Bürgerschule, eine Mittelschule, war in der Großen Stadtschule untergebracht, doch das war auf die Dauer nun unhaltbar. Ein Bericht der Kommission zum Schulwesen kam am 10. Dezember 1847 zum Ergebnis, dass „von der Freischule (Koch´sche Stiftung) bis zur Großen Stadtschule sich bei uns im Schulwesen die erheblichsten Lücken und Mängel finden“. Dabei war das Schulgeld für die Wismarer schon maßgebend, denn Eltern hatten einen Schilling pro Woche für ihre Kinder zum Schulbesuch einer Volksschule zu zahlen, wogegen Schüler der Bürgerschule jeden Quartal einen Taler und 16 Schillinge abgeben mussten. Die Schülerzahlen entwickelten sich kontinuierlich und bis 1880 wurden 502 Schüler unterrichtet.
1879 stellte eine Kommission eine akute bauliche Gefahr fest und die Schüler hatten übergangsweise im Packhaus am Lindengarten Unterricht. Es wurde beschlossen die alte Mönchskirche abzureißen, doch da musste erst die Genehmigung des „Geistlichen Ministeriums“ eingeholt werden, die den Abriss mit der Maßgabe genehmigten, dass ein neuer Betsaal auf dem Klosterhof für die Prövner eingerichtet werde und das Grabmal der Herzogin Sophie in die St. Marienkirche überführt wurde. Hier wurde auch der während der Handwerkeunruhen unter Claus Jesup 1427 hingerichtete Ratsherr Hinrich von Haren beigesetzt. 1879 begann der Abriss der Kirche und nur der 1397 errichtete Chor blieb erhalten. Am 17. August 1880 ist die neue Knaben-Bürgerschule eingeweiht worden. In seiner Eröffnungsrede ermahnte Direktor Heinrich Borgwardt seine Schüler „das Gebäude als städtisches Eigentum zu achten und sich auch im neuen Hause zu bestreben, dankbar die Pflichten eines Schülers zu erfüllen“. Architekt war der Wismarer Helmuth Brunswig, der sich beim Bau von der mittelalterlichen Klosteranlage inspirieren ließ. Es war der erste größere Schulbau seit etwa 500 Jahren, als zu Beginn des 14. Jahrhunderts die Marienschule, seit 1569 „Alte Schule“ genannt, errichtet wurde. Ausgenommen der 1856 errichtete einstöckiger Neubau der Mädchenvolksschule auf dem Heilig Geist Hof. In den drei Stockwerken waren 16 Klassenzimmer mit über 600 Schülern untergebracht und auch die Wismarer Gewerbeschule hatte hier ihren Unterricht. Im ehemaligen Chor wurde ein Zwischendeck eingezogen und hier fanden der Turnsaal und die Schulaula ihren Platz. Eine beispielgebende Lösung zur Umnutzung sakraler Bauten schon vor über 100 Jahren in Wismar. In Erinnerung an die Klosterkirche befindet sich auf dem Schulgebäude noch ein kleiner Glockenturm, in dem früher die alte Glocke der Dominikaner die Schüler zur Schule her läutete. 1910 ist dann ein dringend benötigter Erweiterungsbau durch Stadtbaumeister Paul Zeroch an der Hofseite zum alten Krankenhaus am Katersteig fertiggestellt werden. Ihm ist auch der Entwurf zur Gestaltung der Eingangstür von der Straße „Bei der Klosterkirche“ her zu verdanken. Sie ist mit schmiedeeisernen Blumen und Märchenfiguren, wie dem Einhorn, geschmückt. Dieser Bereich zwischen Turnhalle und Haupthaus der Schule wurde im II. Weltkrieg stark beschädigt und ist in den fünfziger Jahren neu aufgebaut worden.
1933 erhielt die ehrwürdige Schule den Namen „Horst-Wessel-Schule“ und seit 1948 „Goethe-Schule“. Heute ist es die Gesamtschule „Johann Wolfgang von Goethe“.

Was sonst noch geschah
2. Oktober 1911 In Preußen wird die Schulunterrichtsstunde auf 45 Minuten festgelegt.
26. April 1990 Aus der „Bank für Handwerk und Gewerbe eGmbH Wismar“ geht die „Volksbank Wismar eG“ hervor, Lübsche Straße 45, Umzug in das ehemalige Gebäude der SED Hinter dem Rathaus.
27. April 2002 Eröffnung der 1. Landesgartenschau in Wismar am Bürgerpark.
27. April 1888 Eröffnung des Postneubau in der Mecklenburger Straße 18. Sie wurde am 7. Oktober 1843 vom Markt 23 hierher verlegt. Davor war die Post in der Krämerstraße 27.
27. April 1946 Dreizehn Mitarbeiter der Stettiner Werft in Wismar eine neue Werft auf. Am 13. Oktober 1951 Umbenennung in „VEB Mathias-Thesen-Werft Wismar“.
27. April 1870 Mit der Kohlenhandelsgesellschaft eröffnet der aus Warnemünde stammende Kapitän Heinrich Podeus sein erstes Unternehmen in Wismar.
28. April 1946 Neupflasterung des Marktplatzes fertiggestellt, nachdem ein dort befindlicher Luftschutzbunker gesprengt wurde.
29. April 1993 Besuch des schwedischen Königspaares, Karl Gustav und Sylvia von Schweden, in Wismar.
29. April 1991 Beginn der Abrissarbeiten an der am 1.10.1953 errichteten Kabel-Kran-Anlage auf der Werft.
29. April 1950 Grundsteinlegung für die ersten Wohnhäuser in Vor-Wendorf.

Detlef Schmidt

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