Kalenderblatt zum 25. Juli

Hansetag in Wismar

Den ersten Hansetag richtete der Wismarer Rat am 25. Juli 1363 aus. Vorangegangen ist der 6. September 1259, der ein historischer Tag für Wismar ist. An diesem Tag kamen die Bürgermeister aus Lübeck und Rostock in Wismar zusammen, um gegen die zunehmende „Räuberey zu Lande und auf See“ einen wichtigen Vertrag zum gegenseitigen Beistand und Schutz abzuschließen. Wichtig deshalb, weil dies die Keimzelle des „Wendischen Quartiers“ der Hanse war und daraufhin sich weitere Städte im östlichen Bereich von Stralsund, Greifswald bis Riga anschlossen. Die Entstehung der Hanse kann nicht an einem bestimmten Datum festgemacht werden. Sie entwickelte sich vielmehr mit der Zeit aus losen Bündnissen, in denen sich deutsche Kaufleute in Reisegruppen an Land oder auf Seereisen zusammenschlossen. „Hanse“ bedeutet „Schar“ und man kann es besser heute als „Team-Work“ verstehen oder „Gemeinsam sind wir stark“. Wismar übernahm am 14. April 1266 das Lübische Recht. Schon 1256 hatte Wismar einen Streit zwischen Lübeck und Rostock geschlichtet. Wismar ist Mitbegründer des „wendischen Hanse“, die später in den Begriff „Deutsche Hanse“ aufging.  Man vereinbarte sich regelmäßig auszutauschen und vereinbarten Städtetage, die dann ab 1356 „Hansetage“ genannt wurden. Der Hansetag war die oberste Instanz und das Organ der Gemeinschaft, auf dem ihre Interessen ausgehandelt, beschlossen und durchgesetzt wurden. Hierzu zählen insbesondere die Ratifizierung von Verträgen, das Aushandeln von Handelsprivilegien, Verhandlungen mit ausländischen Herrschern, Entscheidungen über Frieden, Krieg und Wirtschaftsblockaden, Festlegungen von wirtschaftlichen Vorschriften und die Aufnahme oder der Ausschluss aus der Gemeinschaft. Zum Abschluss eines Hansetages wurde ein Sitzungsprotokoll, ein „Hanserezess“ angefertigt und den Ratssendeboten der Städte als Kopie übergeben. Hansetage fanden immer nur nach Bedarf statt. So konnten in einem Jahr mehrere und in einem anderen Jahr keine Hansetage stattfinden. Wismar wird bescheinigt, dass sie sich bis 1629, als Wismar besetzt wurde, regelmäßig an den Hansetagen beteiligte und auch ihren finanziellen Verpflichtungen termingerecht nachgekommen sind. Die Hansetage brachten Abwechselung in die Städte. Märkte fanden statt und natürlich wollte man doch die anderen hohen Herren sehen. Die Wirtsstuben hatten volle Schankstuben. Der bevorzugte Versammlungsort der Hanse war Lübeck aufgrund seiner Vorrangstellung und geografischen Lage. Zwischen 1356 und 1480 fanden von 111 Hansetagen 76 in Lübeck statt.  Es war auch überwiegend Lübeck, die die Initiative zur Einberufung eines Hansetages ergriff. Ein Hauptübel war das Nichterscheinen, weil die Städte die Reisekosten für die Abgeordneten sparen wollten. Das Ausbleiben wurde wiederholt durch Geldstrafen geahndet. Neben den Ratssendboten wurden gelegentlich auch hochgestellte Gäste, wie der Kaiser, der Erzbischof oder Fürsten zum Hansetag eingeladen.

1362 führte Wismar mit den anderen Städten und Herzog Albrecht Krieg gegen König Waldemar von Dänemark, der für die Hanse ruhmreich im Frieden von Stralsund 1370 endete. Dieser Friede zeigt die Stärke der Hanse. Ohne Einwilligung der Städte durfte kein neuer dänischer König eingesetzt werden. Im Ostseeraum ging ohne Beteiligung der Hansestädte nichts. So verhinderten sie erfolgreich, dass Herzog Albrecht den dänischen Thron eroberte, denn er war zu dieser Zeit auch noch schwedischer König. Das war zu viel, meinten die Kaufleute. Um Herzog Albrecht später aus der schwedischen Gefangenschaft, die er der die Dänenkönigin verdankte, zu befreien, stellten die hansischen Hafenstädte Transportmittel zur Verfügung und ließen die „Vitalienbrüder“ in ihre Städte. Diese jedoch plünderten in anderen Städten und als diese 1393 das norwegischen Bergen verwüsteten, erhielt Wismar und Rostock bis 1410 keinen Zugang zu ihren Kontoren. Den zweiten und letzten Hansetag richtete Wismar am 1. November 1411 aus. Seit 1409 brodelte es unter den Wismarer Handwerkern, die dann 1411 den Wollenwebermeister Claus Jesup in den Rat wählten. Schon 1410 war er im Auftrage des Rates unterwegs und vertrat Wismar in Lübeck. Die inneren Unruhen spielten dabei eine geringe Rolle. Wismars Stärke hielt bis zum Ende des16. Jahrhunderts an. Sichtbares Zeichen ist die Jahreszahl 1594 am Ostgiebel von St. Georgen. Der Kirchenbau wurde ohne Endausbau abgeschlossen – den Kaufleuten ging einfach das Geld aus. Der letzte Hansetag fand am 29. Mai 1669 in Lübeck statt. Der Dreißigjährige Krieg war vorbei und die geopolitische Lage hat sich durch neue Wirtschafträume und der Entdeckung Amerika grundlegend geändert.

Der Grundgedanke der Hanse blieb jedoch über die Jahre bis in die Neuzeit erhalten. 1980 wurde der Städtebund „Hanse der Neuzeit“ in Lübeck gegründet – ein Netzwerk zwischen 187 Städten aus 16 Ländern, die zur historischen Hanse gehörten. Lübeck wurde die Vormannsrolle eingeräumt. Auf den heutigen Hansetagen gibt es einen regen Kultur- und Traditionsaustausch, um die Geschichte der Hanse weiterzutragen. Jährlich finden in einer anderen ehemaligen Hansestadt die Hansetage statt. Wismar wird zum 800jährigen Stadtjubiläum 2029 einen Hansetag durchführen und alle Städte einladen.

Was sonst noch geschah
25. Juli 2003 Auf den Dalben in der Hafeneinfahrt werden nach altem Vorbild in der Zeit vom 24.7. – 31.7.2003 wieder die Schwedenköpfe aufgestellt.
25. Juli 2006 Eröffnung das Technologie- und Forschungszentrum (TGF) Wismar mit Haus 5 und 6 im Holzhafen (Multimedia Port).
26. Juli 1925 Logiker Hofrat Prof. Dr. Gottlob Frege gestorben.
27. Juli 1824 Schützengesellschaft eröffnet ihr Schützenhaus mit einem Festmahl der vereinigten Schützengesellschaften.
27. Juli 1945 Einrichtung eines Hilfskrankenhauses mit 200 Betten in der Großen Stadtschule.
27. Juli 1948 Bei einer Überprüfung der Schlachterläden hatte Schlachtermeister Robert Werner die beste Wurst.
27. Juli 2015 Das Stadthaus am Markt ist nach 18-monatiger Sanierung für die Bereiche Bürgerbüro, Finanzverwaltung und Wohnungswesen der Hansestadt Wismar fertiggestellt.
28. Juli 1298 Fürst Heinrich I. „der Pilger“ (1230 – 2.1.1302), kehrt nach 25-jähriger Gefangenschaft wieder nach Wismar zurück.
28. Juli 1699 Drei Pulvertürme am Lübschen Tor explodieren – große Teile der Stadt werden zer-stört.
28. Juli 1928 Gründer der Ingenieurakademie Robert Schmidt stirbt in Wismar.
29.Juli 1945 Große Stadtschule wird Hilfskrankenhaus mit 200 Betten.
29. Juli 1950 Eröffnung Betriebsambulatorium der Werft.
30. Juli 1935 Der Umbau des Zeughauses zur Ingenieur-Akademie ist abgeschlossen.
30. Juli 1945 Registrierung sämtlicher Kraftfahrzeuge in Wismar.

Detlef Schmidt

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