Kalenderblatt zum 25. Juli

Schwedenköpfe grüßen wieder von den Dalben

Seit dem 25. Juli 2003 grüßen wieder die Schwedenköpfe von den beiden Dalben in der Hafeneinfahrt, Schiffe und Gäste, die nach Wismar fahren. Die ersten beiden Schwedenköpfe sollen im 19. Jahrhundert aufgestellt sein, wobei ihre erste Erwähnung wesentlich früher war. Zu welchem Zeitpunkt die Aufstellung der Köpfe war unklar und auch ihre Herkunft liegt im Dunkeln. Einigermaßen als sicher gilt die Annahme, dass derartige Köpfe die Heckansichten der Kriegsschiffe schmückten. Heute gehören die überall in Wismar anzutreffenden Schwedenköpfe aller Größen zu den, an Wismar nicht gerade armen, Wahrzeichen der Stadt.
Wismars 155 Jahre währende Schwedenzeit, die nicht gerade zu den besten Zeiten der Stadt gehörten, ist seit einigen Jahren ein bedeutender Marketingfaktor geworden. So haben die pfiffigen Wismarer Hanseaten doch noch etwas Gutes, außer Zeughaus und Packhaus am Lindengarten, aus der Schwedenzeit gerettet.
Wismar feiert jedes Jahr im August das größte Schwedenfest außerhalb Schwedens, wie die Schweden selbst sagen. Es gibt den „Alten Schweden“, das Schwedenmahl, den Schwedenstein, die Deutsch-Schwedische Gesellschaft und noch viel mehr. Am 29. Dezember 1878 eröffnete Wilhelm Frähmke die Gaststätte „Alter Schwede“, aber nicht aus Liebe zu den Schweden, sondern in Andenken an einen gerade verstorbenen Freund, der den Spitznamen „Alter Schwede“ hatte. Der Schwedenstein wurde 1903 aufgestellt und erhielt 1993 nach jahrzehntelangem Versteck den jetzigen Platz in der Straße „Am Schwedenstein“. Das Schwedenmahl wird seit 1993 jedes Jahr begangen, wobei der Erlös dem Aufbau von St. Georgen dienen sollte und heute dem Unterhalt der Kirche.
1672 liest man aus einem Bericht der Schifferältesten, dass „27 seit Jahren schief stehende Pfähle im Hafen abgehauen wurden“, jedoch „der größte Haffpfahl, der Schwede genannt“ hätte keinen Schaden genommen. 1716 wird dann über den „äußeren Pfahl, den sogenannten Alten Schweden“ berichtet. Dieser befand sich genau in der äußeren Hafeneinfahrt. Ab wann die hölzernen Schwedenköpfe in der Wismarer Hafeneinfahrt aufgestellt sind, ist jedenfalls unbekannt. Doch 1902 treten sie schlagartig durch einen Unfall in das Tagesgeschehen.
Am 30. Oktober 1902 wird ein hölzerner Schwedenkopf durch den finnischen Segler „Alfa“ bei der Einfahrt in den Hafen zerstört und die Teile stürzten in die Wismarer Bucht. Der eine original hölzerne Kopf kam in das Museum, wo er heute noch ist. Die Wismarer Crull´sche Eisengießerei fertigte nach dem Vorbild des Originals zwei neue, die dann im April 1903 auf ihren angestammten Sitz auf den Hafeneinfahrtsdalben montiert wurden. Jedes Jahr im Herbst wurden die Schwedenköpfe abmontiert und erhielten im Winterlager einen neuen Anstrich – so wertvoll waren den Wismarern ihre Schwedenköpfe. Zur Zeit der DDR standen in der nun auch aufgrund der vergrößerten Hafeneinfahrt keine Schwedenköpfe mehr auf den Dalben Diese beiden Schwedenköpfe wurden vor dem Baumhaus aufgestellt, wo sie sich noch heute befinden.
Die Wismarer müssen ihre Schwedenköpfe aber geliebt haben, denn immer wieder kam bei den verschiedensten Anlässen, die Sprache auf die beiden „Schwedengesellen“. Im Vorfeld der Feierlichkeiten zur 100-Jahrfeier der endgültigen Übergabe Wismars an Mecklenburg im Jahr 2003, besann man sich auf die Schwedenköpfe. Von der Kopie des Original Schwedenkopfes fertigte der Hannoveraner Künstler Roman Stobl ein produktionsfähiges Holzmodell an, das eineinhalb Mal so groß war, wie das Original. Ein Berliner Unternehmen, das schon den Berliner Bären als Marketingobjekt produzierte, fertigte 25 Schwedenköpfe aus Glasfiberkunststoff an. Einer pfiffigen Idee folgend, wurden die Schwedenköpfe Wismarer Unternehmen zum Kauf angeboten, die sie dann nach ihren Vorstellungen bemalen konnten.
18 Firmen waren daran beteiligt und stellten sie dann zum Schwedenfest 2003 stolz vor ihren Firmen auf, wo sie teilweise noch heute stehen, wie etwa in der Dahlmannstraße vor der Reederei von Kapitän Karl-Heinz Kolb. Zwei Köpfe gingen in das Militärmuseum in Karlskrona und an die Kommune Malmö in Schweden „zurück“ und weitere zwei blieben auf den Dalben. Die Stadtverwaltung hat sogar Lehren aus dem Unglück von 1902 gezogen und zwei Reserveköpfe für die Dalben auf Lager gestellt.
Mögen die Schwedenköpfe mal zur Abschreckung gedient haben, so sind sie heute eine der beliebtesten Mitbringsel und Souvenirs der Hansestadt, ob als Schlüsselanhänger, Flaschenöffner oder Briefbeschwerer, der Souvenirindustrie sind keine Grenzen gesetzt und Wismarer feiern mit Schweden fröhliche Feste mit einem Schwedentrunk, der sich aber wesentlich vom „Foltergesöff“ in heutigen Hochprozentigem unterscheidet.

Was sonst noch geschah
26. Juli 1945 Anordnung zur Registrierung aller verbliebenen Kraftfahrzeuge.
27. Juli 1824 Schützengesellschaft eröffnet ihr Schützenhaus mit einem Festmahl der vereinigten Schützengesellschaften.
27. Juli 1945 Einrichtung eines Hilfskrankenhauses mit 200 Betten in der Großen Stadtschule
28. Juli 1699 Drei Pulvertürme am Lübschen Tor explodieren – große Teile der Stadt und das 1689 erbaute neue Zeughaus werden zerstört.
28. Juli 1928 Gründer der Ingenieurakademie Robert Schmidt stirbt in Wismar.
29. Juli 1950 Eröffnung Betriebsambulatorium der Werft.
30. Juli 1935 Der Umbau des Zeughauses zur Ingenieursakademie ist abgeschlossen.
31. Juli 1945 Der Rat trifft Maßnahmen zur Umsiedler Betreuung, bei Nichtbefolgung drohen Ausweisung, Entzug der Lebensmittelmarken oder zusätzliche Einquartierung.

Detlef Schmidt

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