Kalenderblatt zum 25. November

   Senator Johann Christian Thormann

Am 25. November 1896 starb zehn Tage nach seinem 82. Geburtstag der Geheime Kommerzi-enrat und Senator Johann Christian Thormann in seinem Haus in der Dankwartstraße 31-33. Hier in diesem Haus ist er geboren und wuchs mit fünf weiteren Brüdern auf.
Sein Vater, Joachim Christian Thormann kommt aus einer Bäckerfamilie, erlernte aber nicht wie seine Geschwister das Bäckerhandwerk sondern wurde Pelzer. Vermutlich bei seinem Schwiegervater, dem Pelzer Henrich Blunck, von dem das Haus Dankwartstraße 31-33 ab 1815 in den Besitz der Thormanns bis 1928 kam. Joachim Christian Thormann baute das Dop-pelgrundstück zu einem repräsentativen Doppelgiebelhaus um. Er war ein äußerst angesehener Kaufmann, der sich schon so ein großes Haus wie in der Dankwartstraße leisten konnte. Die Familie Thormann gehörte im 19. Jahrhundert mit zu den angesehensten Bürgern der Stadt. Der älteste Sohn, David Thormann, wurde ebenfalls Pelzer und lebte als Junggeselle im Haus Am Markt 15, der heutigen Sparkasse. Hier hatte David Thormann als Kunstsammler eine stattliche Anzahl von Kunstwerken gesammelt, die nach seinem Tod in das Schweriner Muse-um gebracht wurden. Sein Neffe Paul Thormann, Sohn von Johann Christian Thormann, erbte das Haus und ließ es von seinem Onkel, dem Architekten Heinrich Thormann in der heutigen Form umgestalten. Heinrich Thormann studierte in Berlin Architektur und gehörte zu den begehtesten Architekten der damaligen Zeit in Mecklenburg. In Wismar gehören das Stadt-theater und seine Villa in der Bauhofstraße dazu. Er entwarf auch das Gestühl von St. Marien und leitete den Umbau der Wasserkunst 1860. Weitere Brüder wurden ebenfalls Kaufleute und Gutsbesitzer und zogen nach Lübeck, Rendsburg und Neubrandenburg. Ein weiterer Zweig der Familie Thormann blieb der Tradition des Urgroßvaters treu und blieb Bäcker in der Altwismarstraße und in der Neustadt.
Johann Christian Thormann erlernte im väterlichen Unternehmen den Beruf eines Pelzers und die notwendigen Grundlagen eines Kaufmannes. So wie seine Brüder, war er äußerst erfolg-reich und gründete mit seinem Unternehmen eines der größten Handelshäuser in Mecklenburg. Er heiratete die Tochter des Gewürzkrämers Joachim Westphal, Pauline Westphal, und war mit ihr darüber als Schwager verbunden mit Carl Hermes, dessen Familie seit 1810 ein erfolg-reiches Unternehmen führte, unter anderem im heutigen Lohbergspeicher, sowie mit Carl En-gell aus der Familie von Dethloff Carl Hinstorff. Die Verbindungen waren schon mal gut ge-knüpft und das war schon wichtig, nicht nur in dieser Zeit. In der Ehe mit Pauline Westphal sind fünf Söhne und vier Töchter geboren worden, die alle gut verheiratet wurden. Die Söhne nahmen verantwortungsvolle Geschäfte auf, bzw. wurden wie Paul Thormann, Rechtsanwalt im Haus seines Onkels David Am Markt 15, das 1929 die Sparkasse übernahm. Carl Thor-mann übernahm nach dem Tod seines Vaters die Firma „J.C. Thormann“ und führte sie weiter. Er starb jedoch unverheiratet 1922 in der Dankwartstraße 31 und die Firma erlosch. Der letzte Sohn von Johann Christian Thormann war der 1861 geborene spätere Rechtsanwalt Paul Thormann, Schwiegersohn von Heinrich Podeus. Er verstarb 1928 und ab dieser Zeit ist die Familie „Thormann“ in Wismar erloschen.
Christian Thormann entwickelte seinen Großhandel rasch vorwärts auch mit Hilfe seiner ein-flussreichen Verwandtschaft. 1847 ist er in den Wismarer Rat als Senator berufen worden, wo er bis 1852 blieb. Für seine wirtschaftlichen Erfolge wurde er als Ältermann der Wismarer Kaufmannscompagnie mit dem Ehrentitel „Geheimer Kommerzienrat“ geehrt. Seine Handels-geschäfte liefen äußerst erfolgreich, zumal er sich als Reeder betätigte. Er hatte eigene Schiffe, war aber auch Korrespondentreeder. Insgesamt bereederte er 1853 33 Segelschiffe. Das ist eine besondere Form des Schiffsmanagement. Zu der Zeit gab es viele Partenreedereien, d.h., ein Schiff mit mehreren Eigentümern. Diese vertrauten die Geschäftsführung sogenannten Korrespondenzreedern an. So hatte Thormann eine stattliche Anzahl von Schiffen unter seiner Regie und somit Ladungskapazitäten, um seine Unternehmungen gewinnbringend zu betrei-ben.
Naturgemäß ist der seeseitige Umschlag am Hafen, wo jedoch die notwendigen Lagerkapazi-täten fehlten. Schon 1850 erwarb er einen Speicher an der Frischen Grube, heute besser be-kannt als „Königsspeicher“, den er bis 1875 bewirtschaftetet. Trotz dieser Erweiterung fehlte die notwendige Speicherkapazität. So ließ sich der Kommerzienrat Thormann 1862 von sei-nem zwei Jahren jüngeren Bruder, dem Architekten Heinrich Thormann, den Speicher auf der Lastadie am Alten Hafen bauen. Dieser hat eine stattliche Höhe von 22 Meter mit sieben Eta-gen. Das mag heute gegenüber den anderen Speichern klein aussehen, doch zu seiner Zeit, war es schon ein wuchtiges Bauwerk. Erst 1935 bekam er mit dem ungleich größeren „Löwe-Speicher“ Konkurrenz. Die an der Hauptfassade erhaltenen Maueranker in Form der Buchsta-ben „J.C.T“ mit der Jahreszahl 1862 weisen auf den Bauherren hin. Das Getreide wurde da-mals mit der gerade fertiggestellten Eisenbahn angeliefert und auf den Speicherböden zwi-schengelagert, bevor Thormann es auf eigenen Schiffen in zahlreiche europäische Häfen brach-te. 1893 kaufte die Getreidehandelsfirma G.W. Loewe den Speicher und ließ 1907 Elevatoren einbauen sowie eine Ladebrücke zum Kai anfügen. Im Erdgeschoss baute man Stahlstützen ein und verstärkte die hölzerne Tragkonstruktion in den Geschossebenen. Nach 1945 war der Speicher im Besitz der Volkseigenen Erfassungs- und Aufkaufbetriebe (VEAB), die ihn noch bis in die 1980er Jahre nutzten.
Jahrelang stand das nunmehr stadteigene Ziegelsteingebäude leer und war vom Verfall be-droht. Inzwischen ist der unter Denkmalschutz stehende Thormann-Speicher dank der Städte-baufördermittel für mehr als zwei Millionen Euro erneuert worden. Im Herbst 2009 hatten die aufwändigen Sanierungsarbeiten (Dacharbeiten, Schwammbeseitigung, Fassadenrekonstrukti-on, Fenster- und Türenerneuerung) begonnen, die jetzt abgeschlossen wurden. Rund 4.000 Quadratmeter Fläche stehen einem künftigen Nutzer zur Verfügung.

Was sonst noch geschah
25. November 1936 Umbenennung der Stadt Wismar in Seestadt Wismar.
28. November 1806 General Michaud nimmt Mecklenburg für Napoleon in Besitz.
28. November 1925 Premiere der Niederdeutschen Bühne mit „De Verschriewung“.
28. November 1945 Erster Markttag seit Kriegsende in Wismar.
28. November 1959 Kiellegung des FDGB Urlauberschiffes Fritz Heckert auf der Mathias Thesen Werft.
29. November 1870 Chaussee Wismar-Klütz fertiggestellt.
30. November 1938 Arzt Dr. Leopold Liebenthal gestorben.
1. Dezember 1881 Benennung der Dahlmannstraße.
1. Dezember 2012 Eröffnung des Technischen Landesmuseums als „phanTechnikum“.
1. Dezember 1933 Gründung der Dornier-Werk Wismar GmbH, ab 1938 Norddeutsche Dor-nier Werke GmbH. 1934 Inbetriebnahme der ersten Bauhalle, die Flughalle, auf dem Haffeld, danach die Seehalle und zwei weitere Hallen. Ab 1938 sind die drei Standorte Wismar, Lübeck und Berlin unter dem Namen „Norddeutsche Dornier-Werke GmbH“ mit Sitz in Wismar verbunden. 1938 Fertigstellung der betonierten Start- und Landebahnen auf dem Haffeld.
1. Dezember 2000 Eröffnung des Schwimmbades „Wonnemar“.
3. Dezember 1952 Wiedereröffnung des ehemaligen Karstadt Hauses als „HO Warenhaus“.
5. Dezember 1815 Die am 12. Oktober 1815 begonnene Anlage vor dem Altwismartor, erhielt am 5. Dezember 1815 durch eine Zeitungsveröffentlichung den Name „Lindengarten“.
5. Dezember 1989 Der Wismarer Studentenrat und das Neue Forum versiegeln die Wismarer Kreisdienststelle der Staatssicherheit.
5. Dezember 1860 Historiker Friedrich Christoph Dahlmann in Bonn gestorben.
5. Dezember 1990 Gründung des Aufbauvereins St. Georgen e.V..
6. Dezember 1997 354. und letzter Stapellauf auf der Werft.
6. Dezember 1989 „Runder Tisch“ wird in Wismar eingerichtet, um die politische Wende zu vollziehen.
6. Dezember 1749 Ab dem 6. Dezember 1749 gab es mit den „Wismarschen Intelligentz= und andere Nachrichten“ die erste regelmäßige Zeitung bis zum 6. Juni 1750. Danach wieder erst ab 1783.
8. Dezember 1734 Wismarer Bäcker beschwerten sich mit einer Schmähschrift am Wismarer Rathaus über ungleiche Behandlung und „Preistreiberey“.
8. Dezember 1703 Ein Orkan wirft den 40 Meter hohen Turmhelm von St. Nikolai auf das Mittelschiff. Starke Zerstörungen und zwei Tote. Erst 1867 konnten die Gewölbe wieder her-gerichtet werden und der gesamte Innenraum ist 1880/81 restauriert worden. Der Turm ist heute 54 Meter hoch.

Detlef Schmidt

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