Kalenderblatt zum 25. November

    Wismar darf sich „Seestadt“ nennen

Am 25. November 1936 erhielt Wismar den offiziellen Beinamen „Seestadt Wismar“, eine Bezeichnung, die noch lange nach 1945 anhielt. In der DDR Zeit wurde der Beiname getilgt und man nannte sich nun „See- und Hafen, Werft- und Hochschulstadt Wismar“. Stolz nennt sich Wismar seit dem 18. Januar 1990 „Hansestadt Wismar“ und ist Mitglied im 1980 in Zwolle gegründeten Hansebund der Neuzeit, der zurzeit über 200 Städte angehören.
Im Januar 1935 ist für das gesamte damalige Deutschland eine neue Gemeindeordnung erlas-sen worden. Demnach waren Städte staats- und verwaltungsrechtlich den Dörfern gleichge-stellt. Städte wie Wismar verloren nun auch den Rest der Jahrhunderte alten Sonderstellung. Dies erging auch den Städten Bremen, Hamburg und Lübeck durch das am 1. April 1937 erlassene „Groß-Hamburg-Gesetz“, wonach es zu Gebietsbereinigungen kam aber Lübeck sei-ne Jahrhunderte alte Stellung als Reichsfreie Stadt verlor. Die kommunale Selbstverwaltung hatte aufgehört zu existieren. Lediglich einige Städte erhielten einen Beinamen und so kam Wismar zur „Seestadt“, was nun nicht gerade für den Einfallsreichtum der damals Herrschen-den spricht. Gauleiter Friedrich Hildebrandt verlieh Wismar und Rostock diesen schmücken-den Beinamen. Die Sparkasse Wismar hatte jedoch schon am 27. Januar 1927 den Namen „Sparkasse der Seestadt Wismar“ angenommen. Durch die neue Gemeindeordnung wurde der Einfluss des Staates und der NSDAP gestärkt. Bürgermeister und besoldete Stadträte wurden nicht mehr gewählt, sondern eingesetzt. Sie wurden „Staatsbeamte“. Als kleines Bei-spiel der Machtfülle war das Stadtverwaltungsgericht, das von einem Gremium geleitet wurde und, nachdem dieses beseitigt wurde, vom Oberbürgermeister alleine geführt wurde. So kon-trollierte er sich selbst und es war kein korrigierendes Aufsichtsorgan mehr vorhanden, denn durch das 1933 erlassene „Gesetz von Einheit und Staat“ stellte die Entscheidungen der NSDAP über alles. Aufgehoben wurde aber auch die Personalunion von öffentlichen und par-teilichen Ämtern, was zu, manchmal kleinlichen, Kompetenzgerangel zwischen Bürgermeister und Parteioberen führte. Auf der Grundlage der neuen Gemeindeordnung musste eine neue Hauptsatzung für Wismar geschaffen werden, die am 12. September 1935 in Kraft trat und aus einem Bürgermeister wurde der „Oberbürgermeister“, eine Bezeichnung die bis zum 30. Mai 1990 beibehalten wurde. Die neue Gemeindeordnung beseitigte auch die alte Stadtver-ordnetenversammlung, die am 28. April 1933 das letzte Mal demokratisch legitimiert, ohne die schon verbotene KPD, zusammentrat. Als Druckmittel hatte NSDAP Kreisleiter und Bür-germeister Pleuger SA Truppen auf dem Markt marschieren lassen. Am 22. Juni 1933 waren auch die SPD Abgeordneten Geschichte. Ihre Partei wurde ebenfalls verboten. 1925 ist die Wismarer Ortsgruppe der NSDAP gegründet worden und 1939 gab es schon neun Ortsgrup-pen in der nunmehr 35.000 Einwohner (ohne Soldaten der Wehrmacht) großen Stadt mit 2.121 Parteimitgliedern. 14 Prozent der Erwerbstätigen waren Mitglied der NSDAP und hin-zu kamen die Ortsverbände der HJ, des BDM, der Deutschen Arbeitsfront usw., deren Mit-glieder ebenfalls mit den Nazis paktierten, ob freiwillig oder zwangsweise.
Zum 1. Oktober 1935 berief der Kreisleiter der Wismarer NSDAP 15 Ratsherren, die nur ein beratendes Gremium waren. Es versteht sich beinahe von selbst, dass die für sechs Jahre ge-wählten Wismarer „Ratsherren“, die eine Aufwandsentschädigung erhielten, alle Mitglieder der NSDAP waren. Sie empfingen ihre Anweisungen vom Oberbürgermeister, der für eine Amtszeit von zwölf Jahren eingesetzt wurde, und vom Kreisleiter der NSDAP. Man hatte Pläne, Wismar zu einer größeren Stadt bis zu 80.000 Menschen auszubauen, wozu auch die am 1. Oktober 1939 vorgenommenen Eingemeindungen von Redentin, Fischkaten, Hof Redentin, Hinter Wendorf, Mittel Wendorf, Vor Wendorf und Zierow, sowie dem Rohlstorfer Forst aus dem Landkreis Wismar in die Seestadt Wismar und den Stadtkreis Wismar passten.
Seit Jahrhunderten waren die Bürger weitgehend von den Beschlüssen des Rates ausgeschlos-sen, wenn man von den Unruhen 1409 und 1427 in der Stadt unter Claus Jesup absieht. Im Bürgerausschuss saßen zumeist Männer, die nach Stand und Beruf ausgewählt wurden. Erst nach den Unruhen von 1830 und 1848 konnten Bürger, die das Wohnrecht in der Stadt ha-ben, auch gewählt werden. Am 7. Oktober 1919 nach Abschaffung der Monarchie wurde die Wismarer „Bürgerschaft“ in „Stadtverordnetenversammlung“ umbenannt und die Senatoren wurden zu Stadträten. Eine Bezeichnung, die bis 1990 fortdauerte.
Die aus der Wahl vom 7. Mai 1990 hervorgegangene erste freie Kommunalvertretung übergab 50 Frauen und Männer das Mandat für die Wismarer Bürgerschaft, die mit großer Mehrheit mit Dr. Rosemarie Wilcken die erste Frau in der 800jährigen Stadtgeschichte zur Bürgermeis-terin wählten. Die kommunale Selbstverwaltung musste mühsam aufgebaut werden und selbstbewusst stellte man sich seiner hanseatischen Vergangenheit. Dazu zählte der neue Bei-name „Hansestadt Wismar“ und der Titel „Bürgermeister“ für das Stadtoberhaupt.

Was sonst noch geschah
25. November 1991 Gründung des „Rotary Clubs“ Wismar.
25. November 2011 Gründung des Fördervereins Alte Schule Wismar e.V.
27. November 1989 Demonstration auf dem Marktplatz mit 10.000 Menschen.
28. November 1806 General Michaud nimmt Mecklenburg für Napoleon in Besitz.
28. November 1945 Erster Markttag seit Kriegsende in Wismar.
28. November 1959 Kiellegung des FDGB Urlauberschiffes Fritz Heckert auf der Mathias Thesen Werft.
29. November 1870 Chaussee Wismar-Klütz fertiggestellt.
30. November 1938 Arzt Dr. Leopold Liebenthal gestorben.

Detlef Schmidt

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