Kalenderblatt zum 26. April

 

Zar Peter der Große lobte Wismars starke Mauern

Am 26. April 1713 gab es hohen Besuch vor Wismar. Zar Peter der Große besuchte die alliierten Truppen, die Wismar belagert hatten und hierbei schaute er interessiert von der Wendorfer Höhe auf die vor ihm liegende Festung Wismar. Diese war in ganz Europa bekannt. Die Schweden waren in Wismar zuerst seit 1632 als Besatzungstruppen und ab 1648 gehörte Wismar zum Königreich Schweden. Schweden hatte bis 1660 die Vormachtstellung im Ostseeraum und als Garantiemacht des Westfälischen Friedens war Schweden im 1648 ganz offiziell zur europäischen Großmacht auf-gestiegen. Die Schweden ließen kaum eine Feldschlacht aus, wo sie nicht mitmischten. Die Hanse-stadt Wismar wurde zur stärksten Seefestung Europas ausgebaut und stellte einen nicht unerhebli-chen militärischen Brückenkopf der Schweden im südlichen Ostseeraum dar. In nahezu jede kriegerische Handlung der Schweden wurde Wismar mit einbezogen. Sie war dieser großen Last über-drüssig – doch sie wurden nicht gefragt. Sie hatten die Festungswerke, Mauern und Schanzen nach schwedischen Vorgaben zu bauen und der junge schwedische König Karl Gustav VII. Adolf nannte Wismar die Stadt mit den „silbernen Wällen“, so teuer sind sie ihm geworden, nicht eingerechnet die Leistungen der Wismarer. Zwar gab es schon im 16. Jahrhundert Befestigungsbauten, wie die drei Kilometer lange Stadtmauer mit ihren 35 Wachtürmen und Wiekhäusern doch im Wesentlichen ist die bekannte Festung Wismar erst nach Abzug der Dänen 1680 begonnen worden. Der Ausbau der Insel Walfisch wurde stark vorangetrieben und insgesamt sind 18 Bastionen, drei Ravelins und zwei Zitadellen gebaut worden. Noch heute findet man in den Straßennamen, wie „Grothusen-schanze“ oder auch „Kleine Arbeit und große Arbeit“ Bezeichnungen die auf die schwedischen Fes-tungen zurückgehen. Baumeister war der bekannte schwedischen Ingenieur Erik Dahlberg. Wenn man weiß, dass die schwedische Garnison bis zu dreitausend Söldner zählte, die alle Proviant und Quartier brauchten, kann man die Not der Wismarer verstehen, die täglich Schanzarbeiten zu leis-ten hatten.
Am 14. August 1711 belagerten dänische Truppen, nach einem für sie in Lübow siegreich erfolgten Gefecht mit den Schweden, Wismar. Im Verlaufe des Krieges griffen auch die Preußen und eben die Sachsen mit Polen ein. Peter I. hatte sein Ziel mit der Vormachtstellung in der Ostsee erreicht. Er sicherte während des Krieges seine Gebietsgewinne im Ostseeraum, auch mit seinem neuen Flaggschiff, der „Standard“, das erst 1703 gebaut wurde.
Im Sommer 1713 hatte er das schwedischen Südfinnland erobert. Zu Wasser waren die Schweden mit ihren großen Schiffen, die viele Geschütze tragen konnten, der russischen Flotte zunächst weit überlegen. Peters einzige Chance war eine Schlacht in Küstennähe. Unter Aufbietung aller Mittel verdoppelte er seine Ostseeflotte und stellte sie unter das Kommando erfahrener Venezianer und Griechen. Im August 1714 lagen sich die beiden Flotten gegenüber. Während einer anhaltenden Flaute kämpften sich die kleineren, aber wendigen russischen Schiffe durch den schwedischen Geschützhagel und enterten die unbeweglichen schwedischen Schiffe eins nach dem anderen. Damit herrschte die russische Flotte über die nördliche Ostsee.
Peter I. war auf der Höhe seiner Macht und konnte sich auf Grund seiner Erfahrung, schon ein mili-tärisches Urteil erlauben und befand, dass ihm „die Vestung Wißmar wohl gefalle und es eine moye Vestung ist“, wie es von seinem Besuch am 26. April 1713 überliefert ist. Zar Peter hatte im Städte- und Militärbau, durch die Anlage seiner Stadt Petersburg ab 1703 an der Newa, viele Erfahrungen gewonnen und konnte sich so ein Urteil schon erlauben. Am 19.April 1716 wurde Wismar von preu-ßischen und dänischen Truppen eingenommen und entscheidend für den weiteren Kriegsverlauf war der frühe Tod des Schwedenkönigs Karl Gustav XII. Adolf am 11. Dezember 1718 vor der nor-wegischen Festung Frederikshald, wo er auf der Flucht vor seinen Feinden und nach Umwegen über die Türkei zurückgekehrt war. Die Bedingungen der Friedensverträge von Stockholm, Fre-deriksborg und Nystad bedeuteten das Ende Schwedens als europäische Großmacht und den gleichzeitigen Aufstieg des 1721 von Peter I. gegründeten Russischen Kaiserreiches.
In der Folgezeit wurden alle Festungsbauten geschleift, das heißt entfernt. Die Festung auf der Insel Walfisch wurde mit Munition und Pulver gefüllt und anschließend gesprengt. Für Wismar be-deutete das Kriegsende, dass die Stadt zunehmend verfiel, da die Schweden kaum Interesse an ihrer deutschen Besitzung hatte und es wurde durch Verträge abgesichert, dass die Stadt Wismar auch zukünftig keinerlei militärische Nutzung mehr haben sollte. Mitte des 18. Jahrhundert waren noch die Preußen 1757 während des Siebenjährigen Krieges in unserer Region und nach der Über-gabe an Mecklenburg 1803 kamen dann noch einmal die Franzosen unter Napoleon für acht Jahre in unsere Region. Sie alle wollten viel Geld und Lebensmittel, das die Wismarer zur Verfügung stel-len mussten. Verständlich, dass die Wismarer Frieden wollten,

Was sonst noch geschah
26. April 1907 Benennung der Straßen Schwarzkopfenhof, Gerberhof, Grothusenschanze.
26. April 2002 Der Schwedentisch von 1907 im Tierpark erhält nach 80 Jahren wieder eine Sonnen-uhr.
26. April 1990 Aus der „Bank für Handwerk und Gewerbe eGmbH Wismar“ geht die „Volksbank Wismar eG“ hervor, Lübsche Straße 45, Umzug in das ehemalige Gebäude der SED Hinter dem Rathaus.
27. April 2002 Eröffnung der 1. Landesgartenschau in Wismar am Bürgerpark.
27. April 1888 Eröffnung des Neubaus der Post in der Mecklenburger Straße 18. Sie wurde am 7. Oktober 1843 vom Markt 23 hierher verlegt. Davor war die Post in der Krämerstraße 27.
28. April 1933 Alfred Pleuger wird zum Bürgermeister „gewählt“. Aufmarsch von SA und SS auf dem Marktplatz.
28. April 1946 Neupflasterung des Marktplatzes fertiggestellt, nachdem ein dort befindlicher Luft-schutzbunker gesprengt wurde.
29. April 1991 Beginn der Abrissarbeiten an der am 1.10.1953 errichteten Kabel-Kran-Anlage auf der Werft.
29. April 1950 Grundsteinlegung für die ersten Wohnhäuser in Vor-Wendorf. Baubeginn.
29. April 1968 Das Gaswerk wird nach fast 111 Jahren stillgelegt. Im Sommer 2014 werden alle Ge-bäude des nunmehr zur HEVAG gehörenden Geländes für Neubauten abgerissen.
29. April 1993 Besuch des schwedischen Königspaares, Karl Gustav und Sylvia von Schweden, in Wismar.
1. Mai 1920 Der 1. Mai wird erstmals in Mecklenburg als regulärer Feiertag begangen. Nach der Machtergreifung der Nazis wird der Feiertag am 1. Mai 1933 zum „Tag der nationalen Arbeit“ um-benannt.
1.Mai 1949 Grundsteinlegung für das Wohngebiet Flöter Weg.
1.Mai 1956 Übergabe Hochhaus am Platz des Friedens in Wendorf.
2. Mai 1945 Besetzung durch kanadische und britische Truppen.
2. Mai1905 Einweihung der Knaben-Volksschule (Gerhart-Hauptmann-Gymnasium), Architekt Jo-hann Busch
4. Mai 1795 Gründung der „Kochschen Stiftung“ – erste Volksschule in Wismar (seit 23.11. 1838 in der Mecklenburger Straße als eigenständiges Haus). Benannt nach Pastor Balthasar Koch 1751 – 1830.

Detlef Schmidt

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