Kalenderblatt zum 26. Januar

Mit dem „Obotrit“ nach Kopenhagen

Am 26. Januar 1853 beschließt die Dampfschifffahrtsgesellschaft Wismar den Verkauf des Raddampfers „Obotrit“ und nach Entschädigungszahlungen aus Lübeck die Auflösung der Gesellschaft. Doch soweit sollte es vorerst nicht kommen, denn erst 1856 wurde die „Mecklenburgischen Dampfschifffahrtsgesellschaft“ mit Sitz in der Scheuerstraße 11 aufgelöst und somit endete Wismars Ära der Fährverbindungen, die noch 1994 mit einem Versuch einer Fährverbindung von Wismar nach New Castle wiederbelebt werden sollte. Diese Versuche zeigen aber auch, dass die Hansestadt Wismar für die maritimen Logistiker wegen ihrer Lage durchaus interessant ist.

Nach Ende der Schwedenzeit 1803 und der später darauffolgenden französischen Besetzung mit ihren wirtschaftlichen Zwängen, unternahm die Hansestadt Wismar alles, um aus den wirtschaftlichen Schwierigkeiten herauszukommen und am allgemeinen Aufschwung teilzuhaben. Übrigens war dieser Vorsatz auch ein Grund dafür, dass der damalige Rat mit der Bürgerschaft in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts so schnell unsere mittelalterlichen Tore und Stadtmauern niederreißen ließen. Nachdem Wismar 1848 der Eisenbahnanschluss an eine Hauptstrecke missglückt war, obwohl der weitsichtige Bürgermeister Anton Haupt dies schon 1835 forderte, und die Stadt somit, wie noch heute, an einer Nebenstrecke lag, wurde an einem neuen Plan gearbeitet. Von diesem versprach man sich eine Förderung des Seehandels in der Ostsee mit ständigem Fährverkehr.

Schon 1846 konstituierte sich ein Komitee mit namhaften Wismarer Unternehmern, wie Senator Wilhelm Süsserott, Weinhändler Carl Rose und dem Kaufmann Bernhard Frentz, das eine regelmäßige Dampfschifffahrtsverbindung (nicht Segel!) mit verschiedenen Ostseehäfen zustande bringen wollte. Ende 1847 entstand im Haus von Bernhard Frentz in der Scheuerstraße 11 eine Aktiengesellschaft – die Mecklenburgische Dampfschifffahrtsgesellschaft – an der sich die Stadt mit 20.000 Talern beteiligte. Dafür erhielt sie einen Sitz mit Stimme im Direktorium dieser Gesellschaft.

Der erste Dampfer, den diese 1848 ankaufte, war die sechs Jahre zuvor in London gebaute „Finnland“, die nun unter dem Namen „Obotrit“ fuhr. Regelmäßige Fahrten führten zunächst nach Stockholm. Nachdem das Geschäft gut anlief, zeichnete der Schweriner Großherzog noch einige Aktien zu 8.000 Talern.

Ab 1849 lief die „Obotrit“ dann auch regelmäßig Kopenhagen bis zu zweimal wöchentlich an. Das Büro der Schifffahrtsgesellschaft befand sich in der Scheuerstraße 11. Das Geschäft lief weiterhin so gut, dass 1849 ein zweiter Dampfer angeschafft werden konnte. Es war die 1847 gebaute „Earl of Rosslyn“ aus Edinburgh, die in Wismar unter dem Namen des Großherzogs „Friedrich Franz II.“ lief. Aber kaum in Wismar angekommen, wurde das Schiff schon am 22. Juli 1849 von einem Lübecker Dampfer in der Wismarer Bucht gerammt und versank – ein böses Omen, wie die Folgezeit zeigt. Trotz dieses empfindlichen Schlages wurde im selben Jahr ein zweiter Dampfer von Dänemark aus eingesetzt. Er verkehrte zweimal die Woche zwischen Wismar und Kopenhagen zu einem Preis zwischen sieben und 22 Talern, je nach Klasse. Aber recht bald verschlechterten sich die Einnahmen und schon 1852 wurde der Verkauf des „Obotrit“ in Erwägung gezogen.

Im Jahr darauf erwarb das Land Mecklenburg dieses Schiff und versuchte, die Verbindung Wismar-Kopenhagen aufrecht zu erhalten. 1856 wurde die Gesellschaft aufgelöst. Haupthindernis dieses Unternehmens waren die unzureichenden Eisenbahnverkehrsverbindungen in das Hinterland, ein Umstand, der erst in den letzten Jahren durch den verstärkten Ausbau der notwendigen Infrastrukturen beseitigt werden konnte. In Warnemünde begann ab 1909 der regelmäßige Fährverkehr nach Dänemark, der sonst wohl über Wismar gelaufen wäre, wenn nicht…

 

Was sonst noch geschah

27. Januar 1994 Enthüllung einer Gedenktafel für den jüdischen Arzt Dr. Leopold Liebenthal am Haus Altwismarstraße 10.

27. Januar 2005 Gründung des Kiwanis-Club „Wismar-Hanse“ e.V. im Steigenberger Hotel Stadt Hamburg.

28. Januar 1227 Herzog Heinrich Borwin I. gestorben.

29. Januar 1906 Baubeginn der höheren Töchterschule Lyzeum) am Turnplatz (Turnplatzschule).

29. Januar 1976 Kinderarzt Dr. Otto Connerth in Wismar gestorben.

30. Januar 1939 Nach 20 Monaten Bauzeit wird das Luftwaffenlazarett übergeben. Als „Friedenshof“ Unterkunft für Flüchtlinge. Ab 1960 Einrichtung als Klinikum. Zuerst Frauenklinik unter Frau Prof. Dr.  Meta Sander (1906-1996).

30. Januar 1992 Die Hansestadt Wismar stiftet den „Gottlob-Frege-Preis“, der seitdem jährlich an hervorragende Absolventen der Wismarer Hochschule vergeben wird.

31. Januar 1910 Gründung des Wismarer Tierschutzvereins im Hotel Wädekin.

31. Januar 1960 Eröffnung Frauenklinik am Friedenshof.

31. Januar 1999 Karl-Heinz Kalusche gestorben.  Er war vom 23. April 1960 bis 1988 1. Sekretär der Kreisleitung Wismar der SED. Geboren am 8. Dezember 1925. Er wurde am 21. Juni 1989 Ehrenbürger Wismars. Diese Ehrung gab er am 13. Dezember 1989 ab.

2. Februar 1718 Sprengung der Walfischbastion durch die Dänen.

 

Detlef Schmidt

 

 

 

 

 

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