Kalenderblatt zum 26. Juli

Er schuf die Grundlagen für die moderne Logik

Am 26. Juli 1925 verstarb in der Waldstraße 17 in Bad Kleinen der bedeutende Wissenschaftler und Mathematiker Prof. Dr. Friedrich Ludwig Gottlob Frege. Hier in Bad Kleinen hatte er nach seiner Emeritierung von der Universität Jena am 1. Oktober 1918 in Bad Kleinen das Haus erworben und verlebte seine letzten Jahre hier. Freges wissenschaftliches Werk zu würdigen wäre aus meiner Sicht nur mangelhaft, denn es ist so komplex in Mathematik, Philosophie und Logik, dass dies es eben nur der Wissenschaft vorbehalten ist. In diesen Kreisen wurde er sc

hon früh hochverehrt als „moderner Aristoteles“ und heute als „Vater der Kybernetik“. Grob gesagt, kein Computer dieser Welt würde ohne die Grundlagenforschung von Gottlieb Frege funktionieren. Freges Werke sind in vielen Sprachen übersetzt worden. Die internationale Fachwelt würdigt bis heute das Werk Freges und es gibt in einigen Ländern bis nach Japan, wie auch in Deutschland und in Wismar, „Frege-Gesellschaften“, die auf nationalen und internationalen Symposien, sich mit dem Wirken Freges auseinandersetzen. So wie die 2. Internationale Frege-Konferenz 1984 in Wismar, die die Friedrich-Schiller-Universität Jena veranstaltete. Anlässlich dieser Tagung wurde der Turnplatz am 12. September 1984 in „Gottlob-Frege-Platz“ umbenannt, das im März 1992 wieder rückgängig gemacht wurde. Seit 1992 heißt die ehemaligen „Leningrader Straße“ am Kagenmarkt, „Prof.-Frege-Straße“.

Die „Freges“ haben in Wismar tiefe Spuren hinterlassen. Ursprünglich aus Neuruppin stammend, verbreite sich die Familie in Deutschland aus. Sie waren Tuchhändler, Banker, Pfarrer und Lehrer. Christian Frege war Chef des Leipziger Bankhauses Frege & Co. Sein Enkel, der in Marseille geborene Louis Frege hatte ein Gut in Fahren und verlebte seine letzten Lebensjahre bis 1855 in Wismar. Für seine aktive Unterstützung bei der Eisenbahnverbindung  1948 nach Kleinen, wurde er am 9. März 1845 Ehrenbürger Wismars. Sein Bruder, der Hamburger Kaufmann und königlich-sächsischer Konsul Emanuel Frege, lebte in Hamburg. Seine beiden Söhne zogen nach Wismar und erhielten hier das Bürgerrecht. Dr. phil. Caesar Frege wurde Lehrer an der Großen Stadtschule und sein Bruder Alexander hatte mehrere Studiengänge in Mathematik an deutschen Universitäten belegt, sich dann aber auf Theologie festgelegt. Er hatte am 1. August 1833, unterstützt von seinem Bruder, beim Wismarer Rat um die Erlaubnis zum Betreiben einer Privatschule nachgefragt, die ihm am 28. August 1833 auch gewährt wird. Diese Schule hatte einen derartigen Zulauf, dass sie ab 1840 erweitert werden musste und Alexander Frege kaufte 1846 das Haus Böttcherstraße 2, um hier die „Höhere Töchterschule“, dem Vorläufer des Lyzeums, einzurichten.

Am 8. November 1848 ist in diesem Haus Gottlob Frege als einziges Kind von Alexander Frege und seiner Frau Auguste, ebenfalls Lehrerin an der Fregeschen Schule, geboren worden. Er wird in St. Marien getauft und einer seiner Paten ist sein Onkel und Ehrenbürger Wismars, Louis Frege. Seine erste schulische Ausbildung erhielt Gottlieb durch seine Mutter. Ab 1854 besuchte er die Große Stadtschule, die er erst im Alter von 21 Jahren Ostern 1869 mit dem Abitur abschloss. Als 1866 sein Vater Alexander starb, führte die Mutter die „Höhere Töchterschule“ weiter. Im April 1869 ist Gottlob Frege an der Universität Jena immatrikuliert worden. Er wechselte 1871 an die Universität Göttingen, wo er 1873 seine Dissertation „Über eine geometrische Darstellung der imaginären Gebilde in der Ebene“ vorlegte und erfolgreich promovierte. Frege kehrte nach Jena zurück, wo er sich 1874 bei dem Physiker Ernst Abbe über das Thema Rechnungsmethoden, die sich auf eine Erweiterung des Größenbegriffes gründen,  habilitierte. Er lehrte ab 1874 als Privatdozent und ist 1879 zum außerordentlichen Professor in Jena berufen worden und 1896 zum ordentlichen Honorarprofessor. Er wurde mit dem Titel Hofrat geehrt. 1878 starb seine Mutter, nachdem sie 1876 die Privatschule abgegeben hatte.  Am 14. März 1887 heiratete er die damals 31jährige Margarete Liesberg aus Grevesmühlen. Die Ehe blieb kinderlos. Am 25. Juni 1904 verstarb Margarete Frege, in deren Folge Gottlob Frege in eine tiefe Depression verfiel und seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen nahezu einstellte. 1908 nahm, er den sechs-jährigen Alfred Fuchs aus armen Verhältnissen stammend, an Kindesstatt auf und adoptierte ihn 1922. In Aufzeichnungen dieser Jahre findet man Gedankenskizzen über verschiedene politische und philosophische Thesen, die er aber nie öffentlich machte. Frege stand jedoch weiter im wissenschaftlichen Kontakt zum Nobelpreisträger Bertrand Russell. Schon 1903 gestand Frege im Nachwort seiner Grundgesetze der Arithmetik ein, dass durch Russell die „Grundlagen seines Baues erschüttert“ worden seien. Erst 1917 nach seiner Emeritierung beginnt Frege wieder zu publizieren. 1918 übersiedelte er mit seinem Adoptivsohn und seiner Haushaltshilfe nach Bad Kleinen. Während seiner Jenaer Zeit besuchte er in schöner Regelmäßigkeit seine mecklenburgische Heimat und bekannt sind seine mehrmaligen etwa 450  Kilometer langen Fußmärsche von Jena nach Wismar. Ihm zu Ehren finden seit Mai 1987 die „Frege-Wanderung“ statt. Begründet vom ehemaligen Kulturstadtrat Kuno Weldt (1927-2012), entwickelte sich diese Gedenkwanderung von Bad Kleinen nach Wismar, zu einem jährlichen Ereignis. Begonnen wird die Wanderung in Bad Kleinen am Frege-Haus und endet am Wismarer Baumhaus, es werden aber auch kürzere Strecken angeboten Gottlob Frege ist auf dem Wismarer Friedhof beigesetzt, sein Grab wird gepflegt, eine Straße ist nach ihm benannt, im Kulturforum im St. Marienkirchenschiff, ist seine Büste ausgestellt und am heutigen Haus Böttcherstraße 2 ist eine Gedenktafel angebracht. Das Frege-Zentrum der Wismarer Hochschule führt regelmäßige Frege-Konferenzen durch.

Was sonst noch geschah

26. Juli 1945 Anordnung zur Registrierung aller verbliebenen Kraftfahrzeuge.
27. Juli 1945 Einrichtung eines Hilfskrankenhauses mit 200 Betten in der Großen Stadtschule.
27. Juli 1824 Schützengesellschaft eröffnet ihr Schützenhaus mit einem Festmahl der verei-nigten Schützengesellschaften.
28. Juli 1298 Fürst Heinrich I. „der Pilger“ (1230 – 2.1.1302), kehrt nach 25 jähriger Gefan-genschaft wieder nach Wismar zurück. Begab sich 1272 auf Pilgerfahrt in das „Heilige Land“, wurde 1273 gefangengenommen und war 25 Jahre in Kairo in Gefangenschaft.
28. Juli 1699 Drei Pulvertürme am Lübschen Tor explodieren – große Teile der Stadt werden zerstört.
28. Juli 1928 Gründer der Ingenieurakademie Robert Schmidt stirbt in Wismar, Bohrstraße 15.
29. Juli 1950 Eröffnung Betriebsambulatorium der Werft.
1. August 1946 Waggonfabrik wird sowjetische Aktiengesellschaft.
1. August 1950 Baubeginn der neuen Werft (MTW).
1. August 2011 Fertigstellung von 21 betreuten Wohnungen im Seniorenzentrum Lübsche Burg.
1. August 2012 Gründung des „Fördervereines Alte Schule zu Wismar“, hervorgegangen aus einer 2010 gegründeten Bürgerinitiative.
2. August 1991 Aktion „Saubere Stadt“ der Wismarer „Mittwochsrunde“. Es werden vom 3.8.-5.8.1991 nahezu 2.800 m³ Sperrmüll eingesammelt.
4.August 1957 – 4. Hanseatenring-Rennen für Motorräder und Autos.

Detlef Schmidt

 

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