Kalenderblatt zum 27. August

 Wismarer Kanalbauverein setzte sich für Wasserstraße ein

Am 27. August 1892 wurde in Wismar unter maßgeblicher Führung des bekannten Wismarer Industriellen und Kapitäns, Kommerzienrat Heinrich Podeus, der Wismarer Kanalbauverein gegründet. Noch im gleichen Jahr vereinte er sich mit dem schon bestehenden Elde-Stör-Kanalbau-Verein zu einem Elbe-Ostsee-Kanalbauverein, der es sich zur Aufgabe setzte, den Bau eines Kanals von der Ostsee zum Schweriner See und weiter zur Elbe zu betreiben.
Wismar war schon 1398 den Lübeckern gegenüber in Nachteil geraten als diese den Trave-Stecknitz-Kanal bauten und einen großen Teil des Salzhandels an sich rissen. Am 20. Juni 1895 war der Kaiser-Wilhelm-Kanal fertig, der die Nord- Ostseeverbindung erheblich verkürzte. Natürlich ging es besonders um die westlichen Ostseestädte, die der Konkurrenz von Hamburg und Bremen stärker ausgesetzt wurden. Da besannen sich die Wismarer auf ein fast 500 Jahre altes Projekt – eine Wasserverbindung zwischen Elbe und Wismar an der Ostsee. Eine solche Wasserstraße hatte es gegen Ende des 16. Jahrhunderts bereits einmal gegeben. Damals hatte Herzog Johann Albrecht durch seinen Wasserbaumeister Tilemann Stella den später nach diesem benannten Kanal von Dömitz an der Elbe zum Schweriner See bauen lassen. Sein Bruder Ulrich Stella führte den Kanal, genannt auch „Viechelnsche Fahrt“ weiter zur Wismar Bucht. Der Schiffgraben konnte 1582 mit flachen Schiffen bis 20 Last- das entsprach etwa 60 t befahren werden. Die Wismarer erkannten damals nicht die großen Möglichkeiten, die dieser Wasserweg Ihnen erschließen konnte und ließen das Bauwerk mit seinen 19 Schleusen, den der Höhenunterschied ist mit 38 Metern doch beträchtlich, bald verfallen. Anders 1629 Wallenstein . Er durchschaute weitsichtig die perspektivischen Chancen für den Binnenhandel und griff das Projekt ohne wirksame Folgen wieder auf. Warum der „Viechelnsche Fahrt“ ab 1876 „Wallensteingraben“ genannt wird, ist nie ganz geklärt. In Wismar hatte sich 1892 unter Leitung von Heinrich Podeus sen. Ein Verein zusammen gefunden, die den Bau eines Kanals vorantreiben wollten. Den Vorsitz übernahm der Kommerzienrat Heinrich Podeus selbst und sein Sohn Heinrich Podeus jun., war mit im Vorstand. Dieses Engagement von Podeus hatte große Signalwirkung auf andere Unternehmen und zeigt auch die Bedeutung für die Hafenwirtschaft. Der Verein war Mitglied des Centralvereins für Hebung der deutschen Fluss-und Kanalschiffahrt in Berlin und des Deutsch- Österreichisch- Ungarischen Verbandes für Binnenschaffahrt. Schon 1897 setzten die Vereinsmitglieder sich in einer eigenen Schrift, die umfangreiche Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen beinhaltete, mit den Gegnern des Kanalbaus auseinander. So hatte beispielsweise die Großherzogliche Friedrich- Franz- Eisenbahn arge Befürchtungen, dass ihr Transportaufkommen durch den Kanal zurückgehen könnte. Die Befürworter hatten gute Argumente auf ihrer Seite. Die gesamte Länge des Kanals sollte 111 km betragen, davon entfallen auf den Elbe- Stör- Kanal 75 km, auf den Schweriner See 21 km und 15 km auf die neu zu bauende Strecke bis zur Ostsee. Die technischen Probleme des Kanalbaus lagen bei der Überwindung des Höhenunterschieds von 38 m zwischen dem Schweriner See und der Ostsee. Das war auf einer Strecke von nur 14 km zu bewältigen. Die konventionelle Bauweise hätte dazu der Anlage von 13 Schleusen bedurft. Es wurde jedoch eine weitere modernere Variante ausgearbeitet. Es sollte nur eine Schleuse mit einem Schiffshebewerk eingebaut werden, das die Schiffe in nur 15 Minuten in einem Hub den Höhenunterschied überwinden konnten. Letztlich waren es finanzielle Probleme, die das Projekt wieder ruhen ließen, zumal der mecklenburgische Landtag schon wegen der hohen Kosten von 10 Millionen Mark, eine Beteiligung ablehnten. Der Wismarer Kanalbauverein löste sich am 28. November 1913 auf.
Trotzdem war der Bau eines Verbindungskanals zur Elbe zu verlockend und es gab immer wieder Bemühungen, die alten Pläne aufleben zu lassen. Das wird auch aus den Hafenerweiterungsprojekten 1912 deutlich. Da wurde ein viertes Hafenbecken am Haffeld mit eingeplant, dass der Elbe-Ostsee-Kanal hier einmündet. Eine Abzweigung zu einem zweiten Hafenbecken sollte das gesamte Haffeld umfassen, um diesen als Industrieinsel nach modernen Gesichtspunkten zu gestalten. Wie andere Unternehmer auch, sicherte sich Heinrich Podeus jun. einen Flächenanteil an diesem riesigen Industriegelände. Es wollte hier eine Eisen- und Stahlgießerei neu zu gründen. So kam es am16. März 1918 zu einer neuen Gründung eines Kanalbauvereins, der sogar 1923 in eine Aktiengesellschaft überging. Wegen fehlender Unterstützung aus der Politik scheiterte auch dieses Vorhaben. Schon damals argumentierte man mit der günstigen Energiegewinnung im Kanal durch das Gefälle zwischen dem Schweriner See und Wismar für ein Wasserkraftwerk. Während der Nazizeit war es besonders Lübeck, die einen derartigen Bau beim Gauleiter Friedrich Hildebrandt als nicht wirtschaftlich darstellte, um sich keiner Konkurrenz auszusetzen. Auch in der DDR-Zeit flammten zwar Diskussionen um einen Kanal auf, dessen Notwendigkeit keiner infrage stellte, aber die Kosten waren doch immens. Zuletzt gab es zuletzt 2005 neue Bewegung zum Kanalbau zwischen Schwerin und Wismar mit dem „Projekt Wallenstein-Wasser-Weg e.V.“, die aber nur touristischen Charakter hatte und nach einiger Zeit, auch wegen der hohen Kosten, eingestellt wurde. In Wismar erinnert noch die am 14. Dezember 1905 benannte Kanalstraße an einen Kanal, der aber von der Waggonfabrik für den Werksverkehr genutzt wurde und heute noch existiert. Dieser Kanal speist den Lindengarten und die Grube anfangs als Mühlenbach. Der alte Kanal sollte nicht durch die Stadt fließen, denn das wäre zum einen unmöglich und zum anderen ein hohes Sicherheitsrisiko. Der Wallensteingraben floss an der Stadt vorbei über die Raben wiese in den Hafen und wurde ab 1955 umgeleitet zum Haffeld.

Was sonst noch geschah
28. August 1992 Übergabe des Rathauses nach Modernisierung vom Brand am 18.12.1990.
1. September 1857 Erste Wismarer Gaslaterne erhielt Gas aus dem 1856 erbauten Gaswerk.
1. September 1946 Die erste neu gewählte Stadtverordnetenversammlung nach dem II. Weltkrieg tritt im Saal des Hotels „Zu Sonne“ zusammen.
1. September 1969 Gründung der Ingenieurhochschule Wismar.
1. September 2001 Pestalozzi-Schule am Badstaven wird Volkshochschule.
1. September 1902 Seebad Wendorf wird städtisches Eigentum.
1. September 2005 Einweihung des Senioren-Wohnprojektes der Diakonie „St. Martin“ in der Papenstraße.
2. September 2011 Die Evangelische Schule Wismar erhält den Namen des am 19. April 1951 im NKWD-Gefängnis in Schwerin umgekommenen Pfarrers Dr. Robert Lansemann.
3. September 1997 Richtfest für die neue Dockhalle der Werft. Sie ist 395 Meter lang, 155 Meter breit und 76 Meter hoch.
5. September 1928 Einweihung des Feuerwehrdepots an der Frischen Grube 13.
6. September 1259 Schutzbündnis zwischen Lübeck, Rostock und Wismar. Beginn des Wendischen Quartiers der Hanse.

Detlef Schmidt

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