Kalenderblatt zum 27. März

Vor 65 Jahren ging der Vorhang im neuen Theater auf

Am 27. März 1949 wurde das neue Theater an der damaligen Parkstraße in der ehemaligen Wangenheim-Infanterie-Kaserne eröffnet, nach dem am 9. Januar 1948 das Theater in der Mecklenburger Straße abbrannte. Die Wismarer hingen an ihrem Theater, umso größer war der Schock, als sie vor der Ruine standen. Doch wenn schon heute Geld für die Kultur knapp ist, wie sah es denn drei Jahre nach Ende des 2.Weltkrieges aus?
Unter der Leitung des damaligen Oberbürgermeisters Herbert Säverin und des Vorsitzenden der Fördergesellschaft des Wismarer Theaters, Friedrich-Wilhelm Otto, waren sich die Wismarer schnell über den Wiederaufbau einig. Es wurden sehr viele Aktionen ins Leben gerufen, die einen Ersatzbau bevorzugten, denn an einen Wiederaufbau am alten Standort war vorerst nicht zu denken. Geldspenden, Sachspenden bis hin zu Baumaterialien wurden gerne angenommen.
Architekt Leo Einzig schreibt nach Fertigstellung des neuen Theaters aus seinen Erinnerungen, die man treffender nicht wieder geben kann: „In den Morgenstunden des 9. Januar vergangenen Jahres (1948) brannte das alte Haus des Stadttheaters, wenige Monate nach seinem hundertjährigen Bestehen, ab. Am gleichen Morgen treffe ich zufällig den Intendanten, Christian Will, in West-Berlin. Er berichtete mir von der Katastrophe und bittet mich schnellstens nach Wismar zu kommen, um mit meinem Rat zu helfen. Einige Tage später liegt dem Theaterausschuss der Stadt Wismar bereits mein Vorschlag für den Ausbau der ehemaligen Exerzierhalle vor, nachdem diese für den Behelfsbau des Stadttheaters in Aussicht genommen worden war. Meine Pläne wurden angenommen und ich mit der Durchführung des Baus beauftragt. Bereits am 10. Februar 1948 begannen die Arbeiten. Damals fanden wir eine leere Halle mit einem Garagenanbau vor. Durch den Anbau zweier Seitenbühnen, der Garderobenbaracke, sowie des Kassenraumes mit der Kleiderablage, wurde der vorhandene Raum auf das benötigte Maß erweitert. Sämtliche Einrichtungen, von der Luftheizung bis zum Projektionsapparat, mussten mühsam beschafft werde. Zum großen Teil fanden alte Baracken Verwendung. Sämtliche Dachkonstruktionen und Innenverschalungen wurden aus Barackenteilen hergestellt. Selbst der Schrott aus der Theaterruine fand vielseitigste Verwendung. Große Teile der Heizungsanlage, Eisenkonstruktionen und technische Einrichtungen konnten daraus gefertigt werden. Während der größte Teil der Bau- und Ausbauarbeiten von Wismarer Firmen und landeseigenen Betrieben durchgeführt wurde, kamen die Luftheizung, die Bühnenbeleuchtung und die Bühnentechnik aus Berlin. Das Theatergestühl und die Vorhänge lieferte das Land Sachsen. Tatsächlich wurde der Theaterbau in nur 13 Monaten durchgeführt. Das ist eine kurze Zeit…. „
Das neue Theater sollte zunächst ein Behelfsbau sein, doch wie so oft, halten Provisorien länger als geplant. Mit einer Festwoche vom 27.März 1949 bis zum 2.April 1949 wurde das Theater eingeweiht. Die Premierenaufführung war das Schauspiel „Maria Stuart“ von Friedrich von Schiller. In der Festwoche kam an jedem Abend die gesamte Bandbreite des Ensembles zum Ausdruck. Neben Oper, Operette, Konzert, Ballett war auch die Niederdeutsche Bühne vertreten. Erstmals in seiner Theatergeschichte verfügte das Neue Haus über ein eigenes Ensemble mit Schauspielern, Sänger und Musikern. Einige Künstler, die später sehr bekannt wurden, waren in Wismar und „gingen den Weg durch die Provinzen“. Man wurde nicht zum Star gemacht, sondern dies musste schon hart erarbeitet werden. 1963 wurde das Wismarer Ensemble aufgelöst und das Theater ist seitdem eine „bespielbare Bühne“ mit abwechselnden Kooperationsverträgen mit den Theatern Schwerin und Rostock aber auch eigener Regie. Erst da merkte man, welche Ausstrahlung ein eigenes Theaterensembles mit Schauspielern, Sängern und Musikern auf das kulturelle Leben einer Stadt hat
Das Theater Wismar wäre jedoch ohne die über die regionalen Grenzen hinaus bekannte Niederdeutsche Bühne mit seinem hervorragendem Ensemble und seiner beispiellosen Jugendarbeit um ein Genre ärmer. Besonders die Niederdeutsche Bühne zieht immer wieder das Publikum an. Das Theater ist von Grund an neu saniert. Dafür billigte die Bürgerschaft in ihrer Sitzung vom 13. Dezember 2012 eine Gesamtkostensumme von 5.040.000 Euro.

Weitere Ereignisse in dieser Woche:
27. März 1844 Der Dichter der deutschen Nationalhymne, Hoffmann von Fallersleben, ist Gast im Wismarer Hotel Stadt Hamburg. Ihm zu Ehren wird ein Essen gegeben.
27. März 1849 Beschluss über die Öffentlichkeit der Bürgerschaftssitzungen.
29. März 1906 Benennung der Podeusstraße nach Heinrich Podeus d. Ä.
30. März 1936 Stadtchronist Dr. Friedrich Techen in Wandsbek gestorben.
30. März 1933 Judenboykotte in Wismar.
31. März 1951 Führende Persönlichkeiten der DDR werden vergeblich um eine Namenspatenschaft für die neuen Wendorfer Straßen gebeten.

Detlef Schmidt

 

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