Kalenderblatt zum 28. Februar

Vor 150 Jahren bekommt St. Nikolai ein neues Gewölbe

Am 28. Februar 1459 wurde das Kirchenschiff von St. Nikolai geweiht. 1380 war mit dem Bau dieser monumentalen Kirche unter Leitung von Heinrich von Bremen begonnen worden. Die an dieser Stelle einhundert Jahre zuvor erbaute Kirche wurde abgebrochen und mit der jetzigen Kirche sollte auch eine Kirche errichtet werden, die St. Marien nicht in Größe und Höhe nachstand. Mit über sechs Millionen Backsteinen, weitaus mehr, wie bei St. Georgen und St. Marien und baulichen „Tricks“ wurde dies auch erreicht. Der Turm hatte mit der Spitze eine Höhe von etwa 120 Metern und das Kirchenschiff gehört mit 37 Metern zu den höchsten in Deutschland. In der Stadtsilhouette sah man dann eine nahezu gleiche Größe aller Kirchen.
Die Kirche wurde dem Heiligen Nikolaus, dem Schutzpatron der Seefahrer und Fischer, gewidmet. Bis auf einige Unterbrechungen zog sich der Aufbau der Kirche bis etwa 1487, als der Turm fertiggestellt wurde hin. Darauf baute 1508 der Kirchenbaumeister Hans Martens, der auch bei St. Georgen gebaut hat, eine 70 Meter spitze „Bischofsmütze“, so wird auch der spitze Aufbau auf dem etwa 50 Meter hohen heutigen Kirchenturm genannt. Damit hatten die Wismarer Baumeister einen Ausgleich zu St. Marien, der Kirche des Rates geschaffen und mit einer Höhe von etwa 120 Metern war es Wismars höchstes Gebäude.
Bis heute sind in dieser Kirche hervorragende Wandmalereien aus dem Entstehungsjahrhundert von St. Nikolai, wie die Figur des Heiligen Christophorus und anderer Wandmalereien erhalten. Die Wismarer Kirchen hatten alle eine sehr gute und reiche Ausstattung. Bei St. Georgen und St. Marien sind sie im letzten Krieg zerstört worden und gerettete Kunst- und Sakralschätze fanden in St. Nikolai, die den Krieg unbeschadet überstanden hat, ständige Zuflucht. Von der mittelalterlichen Kirchenausstattung in St. Nikolai ist, außer den Wandmalereien, einigem Chorgestühl, dem Schabbellepitaph und dem Schifferaltar, wenig übriggeblieben. Bekanntestes Gemälde ist das Epitaph für den Bürgermeister Heinrich Schabbell und seiner Ehefrau Anna. Es wird gegenwärtig umfassend restauriert, wozu auch die jährlich stattfindenden „St.-Nikolai-Bankette“ beitragen.
Das hatte seine Ursache im Unglück vom 8. Dezember 1703. An diesem Tag tobte ein schwerer Orkan über Wismar, der schon seit dem 5. Dezember 1703 über Norddeutschland wütete. Nach zeitgenössischen Darstellungen und Schätzungen forderte der Sturm, der auch eine starke Sturmflut brachte, zwischen acht- und 15tausend Menschenleben im Norden. Der 8. Dezember 1703 war der zweite Adventssonntag. Ratsherr Heinrich Schütz war nachmittags um drei Uhr gerade mit einem Dachdecker auf dem Turm von St. Nikolai, um die Sturmschäden zu inspizieren, als der Turmhelm durch eine Orkan Böe abgerissen wurde und auf das Kirchenschiff stürzte. Schütz und sein Begleiter konnten sich nur durch einen beherzten Sprung auf eine Mauer retten. Hier wurden sie erst am nächsten Tag heruntergelassen, da auch der Zugang zum Turm versperrt war. Für die Männer, die die Glocken zu läuten hatten, kam jede Hilfe zu spät. Genau wie für eine Frau, ein Dienstmädchen und einem Zimmermann, die von herabfallenden Steinen getötet wurden. Durch den Einsturz des Gewölbes im Kirchenschiff wurden die Kanzel, das Taufbecken aus Messing, der kleine Altar vor dem Chor mit dem großen Triumphkreuz darüber und fast das gesamte gotische Gestühl wurde zerstört. Nach dem Sturmunglück erhielt der Turm ein querliegendes Satteldach und das Mittelschiff eine Flachdecke. um das Kircheninnere vor der Witterung zu schützen und somit wieder für den Gottesdienst herzurichten. 1705 ist die große Glocke durch einen Neuguss ersetzt worden, Der mittelalterliche Hochaltar war nur leicht beschädigt und ist durch einen 1775 geweihten barocken Hochaltar ersetzt worden. Man behalf sich zwar mit einem neuen Altaraufsatz, der jedoch nicht befriedigte. Der russische Kammerherr Friedrich Wilhelm von Berkholtz stiftete den heute noch vorhandenen Altar. Das Bild im Altar, eine Kreuzabnahme nach Peter Paul Rubens, schuf der Rostocker Maler Benjamin Block schon 1653 für St. Marien, wurde 1775 aber in den Altar von St. Nikolai eingepasst. Die Kanzel von 1592 ist auch komplett zerstört worden und schon 1708 durch eine barocke Kanzel ersetzt worden. Auch die mittelalterliche Tauffünte von 1484 war durch das Unglück unbrauchbar geworden und 1719 ließ Jürgen Velthusen, ein Wismarer Kaufmann und Stifter, den Taufumgang neu errichten. Man muss diese langsamen Restaurierungen und Reparaturen auch im Kontext der damaligen Zeit sehen. Wismar war schwedisch, dazu im Großen Nordischen Krieg verwickelt und auch die Preußen hatten hier einige Jahre das Sagen. Wismar war im 18. Jahrhundert eine arme Stadt, die sich erst wieder in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erholte. Das stellte auch Thomas Nuggent, ein Engländer der 1766 Wismar besuchte, fest. Er schrieb, dass St. Nikolai „gänzlich ungewöhnlich sei, da die Säulen alle im rohen Ziegel da stünden“. In St. Nikolai konnte man zwar Gottesdienste feiern aber doch unter erschwerten Umständen.
Trotzdem fand hier das erste Mecklenburgische Musikfest am 12. September 1816 auf Initiative des Wismarer Bürgermeisters Karl von Breitenstern statt. Es wurde die „Schöpfung“ von Joseph Haydn mit 100 Sängern aufgeführt. Die rohen Ziegel an den Säulen und Wänden sind 1833 mit weißer Farbe geschlämmt worden. 1867 wurde dann endlich nach 170 Jahren die provisorische Balkendecke von 1703 entfernt und das ursprüngliche Gewölbe eingebaut. Ab 1881 erfolgte dann eine große Restaurierung von St. Nikolai. Die weiße, den Ziegel übertünchende Farbe wurde entfernt und Wände und Gewölbe dem damaligen Stil der Neogotik bemalt. Dazu das neue heute noch vorhandene Sitzgestühl. Für Wismar ein wirtschaftlicher und finanzieller Kraftakt, denn auch St. Georgen, St. Marien und auch die Alte Schule sind um diese Zeit restauriert oder saniert worden.
Die St.-Nikolai-Kirche ist heute neben der ehemaligen Hospitalkirche zum Heiligen Geist die mittelalterliche gotische Bürger- und Backsteinkirche unserer Stadt, in der nahezu ausschließlich Gottesdienst abgehalten wird, aber auch angemessene kulturelle Veranstaltungen stattfinden.

Was sonst noch geschah
28. Februar 1951 Verlegung des Betonschiffes aus dem Hafen an die Kai der neuen Werft und Einbau eines Materiallagers.
28.Februar 1991 Gründung des Gemeinnützigen Vereines für den Heimattierpark.
28. Februar 1996 Das Wismarer Amtsgericht zieht wegen grundlegender Sanierung seiner Amtsräume aus dem Fürstenhof aus und bezieht vorläufige Räumlichkeiten im „Diamanthof“ Rostocker Straße. Übergabe an Amtsgericht am 17. Dezember 2002.
29. Februar 1632 Bündnisvertrag zwischen dem Schwedenkönig und Mecklenburger Herzog zur Abtretung Wismars und der Insel Walfisch.

Detlef Schmidt

 

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