Kalenderblatt zum 28. Juli

Der Gefangene beim Sultan von Kairo

Der 28. Juli 1298 war für die Wismarer ein denkwürdiger Tag in ihrer noch jungen Stadtgeschichte. An diesem Tag kehrte Heinrich I., Fürst zu Mecklenburg, nach über 25jähriger Gefangenschaft in Kairo zurück in seine Residenz Wismar.
Fürst Heinrich I. ist noch in der „Mekelenburg“ aufgewachsen und ab 1256 in Wismar, wohin Fürst Johann I. seine neue Residenz verlegte. 1230 geboren, war er der älteste Sohn und übernahm 1264 die Herrschaft Mecklenburg von seinem Vater. 1266 erließ er ein Dekret, wonach alle Juden unter seinem Schutz standen. Im gleichen Jahr stiftete er den Wein für 20 Kirchen des Landes, die fortan aus den Beständen des Ratskellers in Wismar Messwein und Oblaten erhielten. Für viele Kirchen der Region ist das ihre erste urkundliche Erwähnung. 1270 unternahm er einen Kreuzzug gegen die noch nicht christianisierten Litauer und 1271 eine Pilgerfahrt ins Heilige Land. Seinen Beinamen als Heinrich der Pilger bekam der Fürst durch seine Beteiligung an den Kreuzzügen. Er wird als „feurig“ und „schwärmerisch für Religion und Frömmigkeit glühend“ beschrieben. Begleitet wurde er durch mehrere Ritter und seinem persönlichem Diener Martin Bleyer aus Wismar. Am 13. Juli 1271 erhielt er mit seinem Diener Martin Bleyer vom Abt des Franziskaner Klosters in Wismar den notwendigen Segen zur Pilgerfahrt. Wenig bekannt ist über seine Reiseroute in das Heilige Land. Kurz nach der Landung bei der Festung Ackron 1273 kamen sie in die Gefangenschaft der Sarazenen. Fürst Hein-rich und sein Diener wurden nach Kairo, welches unter sarazenischer Herrschaft lag, gebracht. Wie zeitgenössische Berichte schreiben, ist der mecklenburgische Fürst in einer Festung eingesperrt worden, während sein Diener für sich und seinen Herrn, ihren Lebensunterhalt durch Arbeit ver-dienen mussten. Anzunehmen ist, dass Heinrich der Pilger sein Reiseziel Jerusalem nie gesehen hat. Auch über das Schicksal seiner Begleitmannschaft gibt es keine Auskünfte. 1275 kam die die erste Nachricht über Heinrichs Gefangenschaft in Kairo an den Mecklenburger Hof In Wismar. So-fort bot Anastasia, die Frau Heinrich I.“ dem Sultan 2.000 Gulden über Mittelsmänner zum Freikauf ihres Mannes ohne eine Reaktion an. Mittlerweile machte ein Bericht, wonach Heinrich verstorben war, die Runde und in Wismar stritten derweil die Brüder Heinrichs und seine Vettern um die Vor-mundschaft seiner Kinder und damit über die Machtausübung. Anastasia forschte über den Ver-bleib ihres Mannes – vergebens. 1283 übergab sie die Regierungsgeschäfte an die beiden nun er-wachsenen Söhne Johann III. und Heinrich II. Sie zog sich auf ihren Witwensitz auf Poel zurück. 1297 übernahm Sultan Ladjin in Kairo die Regentschaft der Sarazenen und entließ den langjährigen Ge-fangenen aus der Festung. Der machte sich sofort auf, unterstützt vom Sultan. Doch das Schiff wurde von Piraten überfallen und diese wollten ausgerechnet Heinrich an den Sultan verkaufen. Doch dieser rüstete ein neues Schiff aus, das Heinrich nach Zypern bringen sollte. Von da aus ging es über See nach Italien und durch einen Zufall entdeckte ihn in Rom der Lübecker Ratsschreiben Alexander Hon. Der ermöglichte eine Audienz bei Papst Bonifacius VIII. und Alexander Hon setzte Boten ein, um die Rettung Heinrich I. in Wismar zu verkünden. Von Rom aus schlug Heinrich I. den Landweg über die Alpen nach Deutschland ein. Hier erreichte er an der Elbe bei Dömitz die Nach-richt, dass seine beiden Söhne die Burg Glaisin belagerten. Im Juli 1298 traf er seine beiden Söhne. Nach Wismar sandte Heinrich I. eine Nachricht mit der seine Rückkehr ankündigte. Ziemlich groß waren die Skepsis und erst eine Gegenüberstellung brachte Klarheit. Am 28. Juli, traf er in Wismar ein. Das Holz des heiligen Kreuzes, welches er mitgebracht hatte, in den Händen tragend, soll er in großer Profession von den Bürgern und der Geistlichkeit in die Marienkirche geleitet sein. Eine Hälfte der Reliquie bekam das Franziskaner Kloster zu Wismar, die andere die Zisterzienser in Doberan.
Ob sein Streit mit den Wismarern, die seinem Sohn die Hochzeitsfeier in ihren Mauern verbot, oder die Tatsache, dass Heinrich durch die neue Stadtmauer ausgeschlossen ward, gilt nur zu vermuten. Kurz vor seinem Tod übernahm er, wahrscheinlich nicht mehr aktiv, von 1299 bis 1302 die Regie-rungsverantwortung. Heinrich I. wurde nach seinem Tod am 2. Januar 1302 in der Fürstengruft des Doberaner Münsters beerdigt. Seine Frau Anastasia starb am. 15. März 1317 in Wismar, wo sie in der Kirche der Franziskaner begraben wurde. Darauf steht heute die Turnhalle der Wismarer Gro-ßen Stadtschule. Die abenteuerliche Reise von „Heinrich dem Pilger und seinem treuen Diener Martin“ war früher nahezu in jedem Heimatgeschichtsbuch abgedruckt. Abenteuerlich und unge-wöhnlich ist das Ereignis auf jeden Fall.

Was sonst noch geschah
28. Juli 1699 Drei Pulvertürme am Lübschen Tor explodieren – große Teile der Stadt werden zer-stört.
28. Juli 1928 Gründer der Ingenieurakademie Robert Schmidt stirbt in Wismar, Bohrstraße 15.
30. Juli 1935 Der Umbau des Zeughauses zur Ingenieur-Akademie ist abgeschlossen.
31. Juli 1945 Der Rat trifft Maßnahmen zur Umsiedler Betreuung, bei Nichtbefolgung drohen Aus-weisung, Entzug der Lebensmittelmarken oder zusätzliche Einquartierung.
1. August 1946 Waggonfabrik wird sowjetische Aktiengesellschaft.
1. August 1947 Befehl über Wiederaufbauarbeiten in den Häfen Wismar, Rostock, Warnemünde, Stralsund.
1. August 1950 Baubeginn der neuen Werft (MTW).
1. August 2011 Fertigstellung von 21 betreuten Wohnungen im Seniorenzentrum Lübsche Burg. Eröffnung Pflegebereich am 1. Januar 2012 im Seniorenzentrum Lübsche Burg sowie Lübsche Burg 2 und 4 mit 84 Pflegeplätzen.
1. August 2012 Gründung des „Fördervereines Alte Schule zu Wismar“, hervorgegangen aus einer 2010 gegründeten Bürgerinitiative.
4. August 1960 Tragische Entscheidung der Wismarer Stadtverordnetenversammlung – die Spren-gung von St. Marien ist beschlossen.

Detlef Schmidt

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