Kalenderblatt zum 28. Mai

 

Die ersten Wismarer Briefkästen wurden dreimal täglich geleert

Am 28. Mai 1863 vor 151 Jahren veröffentlichte die Großherzogliche Mecklenburgische Post eine Bekanntmachung, wonach in Wismar sechs Briefkästen angebracht worden sind. Das war damals schon ein „bahnbrechender Service“. Dreimal täglich wurde die im Stadtgebiet verteilten Briefkästen entleert. „Für den Transport der Briefsendungen aus den Briefkästen nach dem Oberpostamte wird“, so schließt die vom 28. Mai 1863 datierte Bekanntmachung, „eine besondere Gebühr nicht berechnet“. Für den Briefverkehr arbeiteten in Wismar vier Briefträger, die die Kästen entleerten und auch die Briefpost in das Haus brachte. Seit 1856 konnten die Wismarer ihre Postsendungen mit Briefmarken versehen, die entweder den gekrönten Stierkopf oder das Landeswappen des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin zeigten. Das Großherzogtum hatte zum 1. Juli 1855 die Marken eingeführt.

Das Postwesen gehört in unserer Stadt zu den ältesten Einrichtungen. Schon um 1350 bestand eine Postverbindung zwischen den Hansestädten, der Hamburger–Danziger Botenkurs. Die von Hamburg abgesandten Boten oder Läufer nahmen ihren Weg über Wismar und Rostock, die Zwischenstationen der Route bildeten, Stettin war Endpunkt. Dort trafen die Hamburger Boten mit den aus Danzig abgesandten Läufer zusammen, um den Austausch der Sendungen zu vollziehen. Die Reise legten die Boten im Wagen oder zu Pferde zurück. Noch im Jahre 1669 hatten die Boten in Wismar eine Station, die sich in der Danziger Herberge in der Lübschen Straße befand und von dem Wismarer  Hans Kellermann verwaltet wurde. Diesen hatten 1645 die Hamburger Börsenältesten „zum Sammeln von Briefen zwecks gemeinsamer Beförderung“ angestellt. Später bestand diese Einrichtung noch bis zum Jahre 1860 in der sogenannten Hamburger Stadtreitpost fort. Ihr Weg führte über Rehna und Gadebusch nach Wismar. Mit ihr verschwand die letzte Verkehrseinrichtung des hanseatischen Postdienstes.

Die Postkutschen, sie gehörten nicht zum „hanseatischen Postdienst“ hatten in Wismar einen Halt und eine Ausspannung beim „Posthorn“, dem nachmaligen Hotel „Zur Sonne“. Die erste Verbindung mit einer Postkutsche ist vom August 1682 urkundlich nach Rostock belegt. Trotz moderner und schnellerer Fortbewegung für Personen, Fracht und Post hatte in Mecklenburg erst 1921 die letzte Postkutsche ihren Dienst eingestellt.

In Wismar hatte die Post mehrere Domizile, ehe sie ein eigenes Haus bezog. So war sie eine Zeitlang in der Krämerstraße 27, dann bis 1843 am Markt 23 untergebracht. Danach wurde am 7. Oktober 1843 ein eigenes Haus in der Mecklenburger Straße erworben. Dies war ein zweistöckiges Gebäude und stammte aus dem Jahre 1672. Später stockte man es zur Aufnahme einer Telegrafenstation auf.

Das heutige Postamt wurde am 27. April 1888 eröffnet. Es ist ein neugotischer Bau, der von dem Architekten Borgmann entworfen und gebaut wurde. Dem Neubau fiel, neben dem alten Postamt, leider auch das städtische Syndikatshaus zum Opfer, in dem 1785 der Historiker Friedrich Dahlmann, einer der größten Söhne unserer Stadt und 1848 aktiver Mitgestalter des ersten deutschen Parlamentes in der Frankfurter Paulskirche, geboren wurde.

Heute finden wir dieses Postamt etwas verändert vor. Im ursprünglichen Haus existierte nämlich nur ein Mitteleingang, der später zugemauert und am linken Seitenflügel angeordnet wurde. Der aufmerksame Beobachter kann dies heute noch an der unterschiedlichen Steinfarbe in der Mitte des Gebäudes erkennen. In den Seitenflügel befanden sich die Schalterhallen. Zur Post gehörte neben der Brief und Paketbeförderung auch der im 19. Jahrhundert sich entwickelnde Telegrafenverkehr. Am 1. November 1891 wurde das Fernsprechnetz in Wismar mit 30 Teilnehmer eröffnet. In der Schatterau wurde auf dem höchsten Punkt in der Wismarer Altstadt, 1926 das neue Fernmeldeamt nach Entwürfen von Stadtbaurat Arthur Eulert in Hartklinkerbauweise errichtet. Die teilweise originale technische Einrichtung, war bis zur Stilllegung des Fernmeldeamtes Wismar 1993 in Betrieb und ist danach museal genutzt worden. Am 7. Januar 1993 ist die digitale Knotenvermittlungsstelle am Friedenshof in Betrieb genommen. Heute sind in dem alten Telegrafenamt in der Schatterau altersgerechte Wohnungen des Arbeiter-Samariter-Bundes Wismar eingerichtet.

Was sonst noch geschah

  1. Mai 2004 Taufe „Wissemara“ und Zuwasserlassen der Poeler Kogge.
  2. Mai 1987 Eröffnung der elektrifizierten Bahnstrecke nach Bad Kleinen.
  3. Mai 1945 Alle Pferdebesitzer mit Zugwagen müssen sich zwecks Übernahme von Fahrleistungen auf dem Rathaus melden.
  4. Mai 1862 Einweihung des Friedhofes-West.
  5. Mai 1990 Dr. Rosemarie Wilcken (SPD) wird als erste Frau zur Bürgermeisterin gewählt (30. Mai 1990 – 17. Juli 2010).
  6. Mai 1990 Prof. Dr. Rolf Eggert wird von der Wismarer Bürgerschaft zum Bürgerschaftspräsident gewählt. Am 3. Oktober 1990 wird Rolf Eggert in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern gewählt und wird Vizepräsident des Landtages MV. Er gibt zum 1. November 1990 sein Wismarer Mandat auf und die Bürgerschaft wählt Dr. Gerd Zielenkiewitz zum Bürgerschaftspräsidenten.
  7. Mai 1918 Aufstellung des Schwedentisches als Deutschlands erster ortsfesten Sommerzeitsonnenuhr im Köppernitztal.
  8. Mai 1932 Rede Adolf Hitlers auf Jahnsportplatz anlässlich der Landtagswahlen. Danach demoliert die Wismarer SA den Konsumverein.
  9. Mai 1991 Gründung des Lions-Club Wismar. Charterfeier am 12. Oktober1991 im Wismarer Hof, heute Fründts-Hotel.
  10. Mai 1945 Unrechtmäßig erworbene Motor- und Fahrräder sind der Ortspolizei im Stadthaus am Markt zur angeblichen Rückgabe an die Eigentümer zu überlassen. Erweiterung der Ausgangserlaubnis auf 100km (außer in die Sowj. Besatzungszone), Gebrauch von Fahrrädern wird gestattet

Detlef Schmidt

 

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