Kalenderblatt zum 28. Oktober

Am 28. Oktober 1998 wird das „Herzstück“ der neuen Kompaktwerft in Betrieb genommen. Mit der Fertigstellung der Dockhalle sind seit der Grundsteinlegung am 15. November 1994 über 600 Mio. DM investiert worden. Mit seinen Abmessungen, 72 Meter hoch, 155 Meter breit und 395 Meter lang, ist die weithin sichtbare Dockhalle zu einem der Wismarer Wahrzeichen geworden.

Wismar hat im Schiffbau eine jahrhundertelange Tradition. Schiffe wurden auf den Helgen, das waren die Schiffbauplätze auf der Lastadie, dem Platz zwischen Baumhaus und Wassertor, gebaut. Mit dem Beginn  des „Eisenschiffbaus“ wurden nun Schiffe auf größeren Schiffbauplätzen gebaut und Wismars Reeder, wie Heinrich Podeus, ließen schon mal in Rostock bauen. In Wismar gab es im letzten Jahrhundert mit der Hansewerft und der Bootswerft „Schröder & Schackow“ zwei kleine Reparaturwerften. Nach Kriegsende und bedingt durch den Wegfall deutscher Gebiete in Pommern, wurden Industrieteile von dort verlagert. Auf Betreiben der sowjetischen Besatzungsmacht wurde am 27. April 1946 durch 13 ehemalige Mitarbeiter der Stettiner Werft eine Reparaturwerft in der Kopenhagener Straße gegründet. Sie unterstand dem Ministerium für Verteidigung der Sowjetunion. Von Anfang an war klar, dass hier ein Teil der umfangreichen Reparationen an die Sowjetunion geleistet werden sollte und so kam am 3. Juni 1946 das erste Reparaturobjekt, die „Iwan Susanin“, in die Werft.

Bis 1947 gehörte die Werft den Russen und an 1. Januar 1947 wird das Land Mecklenburg Eigentümer des Betriebes. Am 1. Juli 1947 werden die Wismarer Waggonfabrik und die Bootswerft „Schröder und Schackow“ Betriebsteile  durch Enteignung und letztendlich kommt die seit 1941 in Wismar ansässige Hansawerft am 1. März 1951 hinzu. Das war schon insofern notwendig, da auf dem neuen Werftgelände an der Koggenoor am 1. August 1950 mit dem Bau der neuen Werft begonnen wurde. Den neuen Werftnamen „Mathias-Thesen-Werft“ erhielt die Werft am 13. Oktober 1951 und nach Fertigstellung der Werfthallen am Westhafen konnte am 1. Oktober 1953 die Kabelkrananlage in Betrieb genommen werden. In den ersten sechs Jahren ihres Bestehens hat die MTW per 31. Dezember 1953 232 Mio. DM an Reparationsleistungen für die Sowjetunion geleistet. Eine nicht hoch genug einzuschätzende Leistungen, wenn man bedenkt, dass diese gleichzeitig bei Errichtung einer neuen Werft erbracht wurde.

Die Wismarer Werft entwickelte sich in der DDR zu einem bedeutenden Unternehmen, das nach ersten umfänglichen Reparationsaufgaben ab 1954 Schiffsneubauten aller Größen herstellte. Für Wismar war und ist der Spezialschiffbau ein Kennzeichen, der auch Ausdruck für die Flexibilitätet der Wismarer Werft ist. Insgesamt wurden über 300 Schiffe der unterschiedlichsten Art, vom Passagierschiff bis zum Fährschiff, während der DDR Zeit in Wismar gebaut. Am 1. Juni 1990 wird die Mathias-Thesen-Werft von der Treuhandgesellschaft in eine GmbH umgewandelt und gehört zur Deutschen Maschinen- und Schiffbau AG und am 23. April 1991 beginnt mit dem Abriß der Kabelkrananlage ein radikaler Umbau der Werft und Ausgliederung von Bereichen in selbständige Unternehmen.

Wechselnde Besitzer, ungewisse Aufträge und zögerliche Haltungen von Landesregierung und Europäischer Union erschütterten Geschäftsführung und Belegschaft. Ein angestrebter Werftneubau auf dem Haffeld scheitert an dem Veto der EU gegen einen Neubau und so wurde auf  dem alten Standort  ein „Erweiterungsbau“ geplant und gebaut. Am 15. November 1994 legte Ministerpräsident Berndt Seitte den Grundstein zur „Kompaktwerft 2000“ und am 6. Dezember 1997   war der 354. und letzter Stapellauf mit der „Merkur Tide“ von der Helling auf der Werft. Mit der Übernahme der Werft durch die norwegische Aker-Group am 1. März 1998 verschwand auch der alte Werftname und sie hieß fortan „Aker-Yards“. Die Norweger verkauften 2008 die Wismarer Werft an die russische Investmentfirma FLC in dessen Verlauf der Russe Andre Burlakow am 22. September 2008 die Geschäftsführung übernimmt und die Werft in „Wadan-Yards“ umbenennt. Mit keinen Aufträgen und vielen Versprechungen geht das Unternehmen am 5. Juni 2009 in die Insolvenz. Nach zähen Verhandlungen, die auch zu Lasten der Belegschaft gehen, kauft am 15. August 2009 der Russe Witali Jussusof die Werft und benennt sie in Nordic Yards Wismar GmbH um. Seither ist es ruhiger um Wismars Traditionsunternehmen geworden. Durch veränderte Auftragslagen ist der Schiffbau in Wismar weniger geworden, dafür ist man Off-Shore-Bereich und bei maritimen Windenergieanlagen erfolgreicher. Ebenfalls erhofft man sich durch den Zusammenschluss der drei Werften Wismar, Warnemünde und Stralsund auf gegenseitig befruchtende Synergieeffekte. An Wismarer Schiffbauer mit ihrer flexiblen Einstellung sollte es nicht liegen.

Was sonst noch geschah:

  1. Oktober 1870 Maler Carl Canow gestorben durch Selbstmord.
  2. Oktober 1902 Ein hölzerner Schwedenkopf wurde durch den finnischen Segler „Alfa“ zerstört. Die Schwedenköpfe sind im April 1903 durch zwei gusseiserne Köpfe aus der Eisengießerei Crull ersetzt worden.
  3. 31. Oktober 1375 Kaiser Karl IV. besucht Wismar aus Lübeck kommend.
  4. Oktober 1427 Enthauptung des Ratsherrn Hinrik van Haaren auf dem Markt.
  5. Oktober 1945 Von 41.900 Einwohnern sind 12.450 Umsiedler.
  6. Oktober 1989 Das Neue Forum ruft zu einem Treff zum Reformationsgottesdienst in St. Nikolai auf. Thomas Beyer vom Neuen Forum hält die Ansprache.

Detlef Schmidt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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