Kalenderblatt zum 29. August

Kaufhaus Otto modernisiert wiedereröffnet

Am 29. August wurde in der Krämerstraße 12-14 das seit 1883 bestehende Kaufhaus Otto nach mehreren Um- und Ausbauten wiedereröffnet. Eigentümer war der Wismarer Kaufmann Friedrich-Wilhelm Otto, der es von seinem Vater Wilhelm Otto übernommen hatte. Großvater Johann Friedrich Daniel hatte eine Bauernstelle in Lübstorf, kaufte später in Bad Kleinen das Waldhotel. 1983 erwarb er für seinen Sohn Wilhelm das Grundstück in der Krämerstraße 12 und später kam die Nr. 14 hinzu, so dass ein Doppelhaus entstand. Hier wohnte auch die Fa-milie Otto im ersten Geschoss und unten wurde mit Bekleidung und Stoffen gehandelt. Die Geschäfte des Hauses gingen gut und 1912 zog die Familie Otto in die neu erbaute Villa am Fürstengarten 3 (heute Goethestraße 3). Wie es sich damals gehörte, musste einer der Kinder das elterliche Geschäft später übernehmen und so trat Friedrich-Wilhelm Otto 1914 eine kaufmännische Lehre in Neubrandenburg an. In der Inflationszeit kehrte er nach Wismar in das Familiengeschäft zurück und wie das so üblich ist zwischen Generationen, kam es bei un-terschiedlichen geschäftlichen Auffassungen zu Spannungen. Dies betraf die Ware ebenso wie das Ladengeschäft. Dieses bestand aus einem etwas helleren Vorderteil und wie üblich in Mecklenburg einem hinteren dunklen Raum. Mit dies Problemen behaftet, konnte man gegen Karstadt und Karseboom, Hinter dem Rathaus, nicht konkurrieren. So wurde 1928 begonnen, das Haus gründlichst zu renovieren und umzubauen. Wegen der Weltwirtschaftskrise war dies ein ziemlicher Kraftakt und so begann man nach dem Tod des Firmengründers 1931, 1932 mit erneuten Arbeiten und am 29. August 1932 konnten diese abgeschlossen werden. Helle Räu-me und ein gutes Sortiment und auch ein barrierefreier Eingang in der Mitte sollten gegen die Mitbewerber standhalten. Wismar hatte mit über dreißig Prozent Arbeitslosigkeit, den höchs-ten Stand in Deutschland und somit wenig Kaufkraft. Das Kaufhaus Otto entwickelte sich in den dreißiger Jahren mit einem soliden und guten Warensortiment zu einer Top-Adresse. Mit 43 Jahren wurde Friedrich-Wilhelm Otto zum Kriegsdienst eingezogen, nachdem er schon ab 1916 Teilnehmer des 1. Weltkrieges war. Im Geschäft hatte er einen Prokuristen für die Lei-tung beauftragt. Kriegsende erlebte er in Dänemark und kam in britische Gefangenschaft. Hier hörte er auch von der Brandkatastrophe seines Warenhauses. Das Haus ist nicht, wie manche glauben durch Bomben zerstört, sondern in der Nacht zum 4. Mai 1945 ist dieses durch Brandstiftung völlig zerstört worden. In dieser Zeit ist Wismar von den Briten zur Plünderung frei gegeben worden und es gibt nur Spekulationen, wer dies gemacht haben könnte. Von die-sen Plünderungen ist auch Karstadt betroffen, mit denen Otto eine Verkaufsgemeinschaft gebildet hatte. Also waren auch die Waren weg. 1946 kehrte Friedrich-Wilhelm Otto aus der Gefangenschaft nach Wismar zurück. Er war ein Mann mit zupackender Art und so ordnete er sein Leben neu. Das abgebrannte Haus in der Krämerstraße gab er auf und hier richteten im Laufe der Jahre, die Wismarer Konsumgenossenschaft ein Schuh- und Möbelgeschäft ein, späte das Karstadt-Sporthaus. Es ist praktisch eine der letzten Kriegsruinen. Otto selbst kann man gut als freigeistigen Menschen bezeichnen, der die „neue“ Zeit dafür nutzte, sich mit am Aufbau zu beteiligen, ohne der herrschenden Ideologie zu verfallen. Er trat 1947 der liberalen Partei in der SBZ bei, wurde Stadtrat für Handel und Abgeordneter des mecklenburgischen Landtages und Vizepräsident, später auch Mitglied des Bezirkstages Rostock und sogar beim Frauenbund wirkte er mit. Nebenher versuchte er es publizistisch als Theater- und Kunstkriti-ker und erfolgreich schrieb er ein Buch zur Geschichte Wismar, das in mehreren verschiedenen Auflagen erschienen ist. 1067 erhielt er den Vaterländischen Verdienstorden in Bronze. Fried-rich-Wilhelm Otto und seine Frau Ilse verlebten ihren Lebensabend im altersgerechten Appar-tementhaus im Köppernitztal, nach dem er seine Villa der Stadt überlassen hatte. Diese über-gab es der Handwerkskammer Wismar zur Nutzung. Friedrich-Wilhelm Otto hat sich zeit sei-nes Lebens für seine Heimatstadt engagiert und er ist es wert nicht vergessen zu werden. Friedrich-Wilhelm Ott verstarb nach seiner Frau am 15. Oktober 1985. Ausführlich haben da-zu die Dres. Framm eine tiefer gehende Publikation verfasst.

Was sonst noch geschah
28. August 1992 Übergabe des Rathauses nach Modernisierung vom Brand am 18.12.1990.
1. September 1857 Erste Wismarer Gaslaterne erhielt Gas aus dem 1856 erbauten Gaswerk.
1. September 1893 Dampfer „Alice“ nimmt regelmäßige Verbindung nach Poel auf.
1. September 1902 Seebad Wendorf wird städtisches Eigentum.
1. September 1945 Krankenhaus in der Mühlenstraße als drittes Krankenhaus in der Stadt eröffnet.
1. September 1946 Die erste neu gewählte Stadtverordnetenversammlung nach dem II. Welt-krieg tritt im Saal des Hotels „Zu Sonne“ zusammen.
1. September 2005 Einweihung des Senioren-Wohnprojektes der Diakonie „St. Martin“ in der Papenstraße.
1. September 2011 Einweihung des Kundencenters der Stadtwerke Wismar im alten Güter-schuppen von 1847 (ehem. Bahnhof).
2. September 2011 Die Evangelische Schule Wismar erhält den Namen des am 19. April 1951 im NKWD-Gefängnis in Schwerin umgekommenen Pfarrers Dr. Robert Lansemann.
3. September 1915 Das Dorf Kleinen erhält den Zusatz „Bad“ und wird zu „Bad Kleinen“. Dies ist auf Betreiben des Arztes Dr. Armin Steyerthal zurückzuführen, der hier 1895 eine Wasserheilanstalt errichtete.
3. September 1997 Richtfest für die neue Dockhalle der Werft. Sie ist 395 Meter lang, 155 Meter breit und 76 Meter hoch.
4. September 2011 Wismar wird im Zuge der Kreisgebietsreform Kreisstadt von Nordwest-mecklenburg.
5. September 1928 Einweihung des Feuerwehrdepots an der Frischen Grube 13. Die Gesamt-kosten beliefen sich auf 185.008,70 Reichsmark.

Detlef Schmidt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

zwei × 1 =