Kalenderblatt zum 29. September

    Martin Luther gab den Anstoß für eine neue Schule

Am Michaelistag, dem 29. September 1541, fasste der Wismarer Rat den Entschluss eine Schule in das freiwerdende Franziskaner Kloster, das Graue Kloster, einzurichten.

Zwar hatte im Mittelalter in Wismar der Rat das Sagen, aber in Sachen Bildung waren die Geistlichen tonangebend und so kann von einer breiten bürgerlichen Bildung bis zur Reformation in Wismar keine Rede sein. Die Reformation hat unter anderem auf diesem Gebiet in Wismar tiefe Spuren hinterlassen. Im Kirchspiel St. Marien war es zu einem Auswechseln der Konfessionen gekommen. An St. Marien hatte 1543 der letzte katholische Pfarrer Knudsen aufgehört und sein Nachfolger Paul Mecklenburg wetterte von der Kanzel, dass „die Bürgermeister alle auf dem Galgenberg stünden zwischen einem Haufen und brennen, weil sie die geistlichen Güter auffräßen“. Er starb 1542 und damit war ein letztes Aufbäumen der alten Lehre in Wismar vorbei. Neben dem Wechsel der Konfession vom Katholizismus hin zum evangelischen Glaubensbekenntnis, ist das Sendschreiben Martin Luthers „An die Ratsherren aller Städte deutschen Landes, dass sie christliche Schulen aufrichten und halten sollen“ aus dem Jahre 1524 besonders für Wismarer Schulen von Bedeutung und somit die unmittelbare direkte Reaktion aus Wismar, am Michaelistag dem 29. September 1541 eine Stadtschule im Grauen Kloster der Franziskaner zu gründen. So schreibt Luther, dass „die Aufsicht über die Schulen habe nicht mehr die Kirche. Erhaltung und Ordnung des Schulwesens sei künftig Pflicht und Recht der weltlichen Obrigkeit“. Das war wichtig für den Wismarer Rat.

Zwar sind nicht alle Forderungen Luthers, wie Schulen für das gesamte Volk, danach erfüllt worden, doch dem Wismarer Rat, der zumindest die Einrichtung einer weltlichen „Gelehrtenschule“ zügig betrieb, kann nachgesagt werden, dass er immerhin schon gut seit 250 Jahre die Patronatsrechte gegen alle Angriffe der Geistlichkeit verteidigt hatte.

Mit der Großen Stadtschule wurde auch die Einrichtung der Alten Schule, wie sie nun seit 1569 erstmals genannt wurde, immer hinfälliger. 1544 musste die Große Stadtschule wegen Umbauarbeiten im Grauen Kloster und damit verbundenem Geldmangel in die Schule an der St. Marienkirche verlegt werden, was den Rat noch in einem Schreiben von 1552 „nicht behage“, aber man sparte zunächst zwei Lehrerstellen ein. Zum Unterhalt der neuen Schule ließen die findigen Wismarer Ratsherren aus dem Erlös des Klosterinventars Wohnbuden bauen und vermieteten diese. Diese Häuser hatten die Bezeichnungen von A bis M und das war der Grundstein für die heutige ABC-Straße. Die Mieteinnahmen wurden zum Erhalt der neuen Schule verwendet.

Nach Beendigung der notwendigen Umbauarbeiten zog die Große Stadtschule 1554 in das endgültig hergerichtete Graue Kloster an der Schulstraße ein. In der Mitte des 16. Jahrhunderts verzeichnete die Große Stadtschule 400 Schüler. Eine enorme Anzahl, wenn man dagegen die Einwohnerzahl von etwa 7.000 Bürgern stellt. Erstmals konnten sehr viele Bürger eine Schule besuchen und so nutzten einige Erwachsene dies Angebot, denn wie vermerkt „saßen auch einige Bärtige“ in den Schulbänken. Wismars „Gelehrtenschule“ im Grauen Kloster stand allen Bürgern offen und hat sich durch einen engagierten Lehrkörper einen exzellenten Ruf erworben. Die auf dem Platz der 1916 erbauten Turnhalle gebaute Klosterkirche wurde schon 1816 abgerissen. Hier war neben vielen Angehörigen des mecklenburgischen Fürstenhauses auch Johann I. begraben, der 1289 vor Poel ertrank. Als „Außen Turnplatz“ für die Schule diente der am 17. Oktober 1863 übergebene Turnplatz. Wismar hatte einen großen Bedarf an Schulen, seit am 1. März 1855 das Schulzwangsgesetz eingeführt wurde. Alle innerstädtischen Schulen wurden in wenigen Jahren erbaut und so ist es nicht verwunderlich, dass der Rat wieder einmal „stöhnte“ wegen der vielen Ausgaben. Uhrmachermeister Julius Brunnckow, auf den auch die „Brunnckowkai“ zurückgeht, hat als Provisor der Stadtschule, stellvertretender Bürgervorsteher und Vorsitzender des Gewerbevereines, dem Rat die richtige Lösung vermittelt. Danach begannen am 16. Oktober 1891 die Abrissarbeiten an den alten Klostergebäuden und am 12. Oktober 1893 um 10 Uhr übergab Bürgermeister Adolf  Fabricius an Schuldirektor Dr. Ludwig Bolle die Schlüssel. Damit hatten die jahrhundertealten Klostergebäude der Franziskaner als Schulgebäude ausgedient. Architekt war Gustav Dehn, der auch weitere Wismarer Schulgebäude in dieser Zeit entwarf.

Was man nicht vorhergesehen hatte, war die Tatsache, dass der Raumbedarf für die Schule trotzdem zukünftig nicht gesichert war und ab 1927 einen Neubau auf dem „Kleinen Exerzierplatz“ (Ecke Vogelsang, Dr.-Leber-Straße) plante und auch schon die Erdarbeiten dafür fertigstellte.

Der Schulneubau wurde in den kommenden Jahren „regelrecht zerredet“ und herausgekommen ist 1931 eine Erweiterung durch Aufstockung. Dabei ist es auch bis heute geblieben. Nach dem II. Weltkrieg wurde in der Schule am 27. Juli 1945 ein Hilfskrankenhaus mit 200 Betten eingerichtet und am 19. April 1948 erfolgte die Umbenennung in „Erweiterte Oberschule Geschwister Scholl“, der 1991 in „Große Stadtschule – Geschwister-Scholl- Gymnasium“ umgewandelt wurde. Umfangreiche Sanierungsarbeiten der letzten Jahre entsprechen den heutigen Anforderungen an eine Bildungseinrichtung, die nunmehr ihr 475-jähriges Jubiläum begeht.

Was sonst noch geschah
29. September 1864 Für 60 Taler im Jahr stellt der Rat dem Museum die oberen Räume der Hauptwache für Ausstellungszwecke zur Verfügung.
29. September 1945 Die Theaterspielzeit 1945/46 wird eröffnet.
29. September 1956 Übergabe der Werft-Poliklinik an der Koggenoor an Dr. Walter Heller als ärztlichem Direktor.
30. September 1903 Uhrmachermeister Julius Brunnckow (Altwismarstr. 1) mit 76 Jahren gestorben. Mitglied des Bürgerausschusses seit 1871, deren stellvertretender Vorsitzender 1887-1901, Vorsitzender des Wismarer Gewerbevereins. Namensgeber des „Brunnckowkai“ am Hafen.
1. Oktober 1822 Ferdinand Gustav Michaelis (7.10.1794-28.6.1861) übernahm den Weinberg nach mehrmaligem Besitzerwechsel.
1.Oktober 1869 Erlass der „Gewerbeordnung für den Norddeutschen Bund“, später 1883 zur „Gewerbeordnung für das Deutsche Reich“. Damit erlosch das Zunftwesen.
1. Oktober 1998 Der Wismarer Maler Theodor Martens stirbt an den Folgen der Cholera in Portici/Italien. Er ist am 26. August 1822 in Wismar geboren. Er gilt neben Carl Düberg und Carl Canow als eine der bedeutendsten Maler Wismars des 19. Jahrhunderts.
1. Oktober 1897 Zum 75-jährigen Bestehen feiert die Fa. F. G. Michaelis ein großes Kellerfest im Ratskeller. Danach schließt der Keller.
1. Oktober 1908 Eröffnung der Volksbücherei in der Dankwartstraße.
1. Oktober 1909 Die evangelische Landeskirche richtet in Wismar erstmalig eine Landessuper-intendentur ein.
1. Oktober 1939 Eingliederung der Gemeinden Redentin, Hof, Redentin, Hinter Wendorf, Mittel Wendorf, Vor Wendorf und Zierow und Rohlstorfer Forst aus dem Landkreis Wismar in die Seestadt Wismar und den Stadtkreis Wismar.
1. Oktober 1945 Beginn des Unterrichts in Mecklenburg-Vorpommern.
1. Oktober 1953 Einweihung der Kabelkrananlage auf der MTW (Mathias-Thesen-Werft).
1. Oktober 1992 Eröffnung der ehemaligen Technischen Hochschule als Fachhochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung.
1. Oktober 1994 Eröffnung des Wismarer Kino „CineStar“ (seit 1952 Volksfilmtheater).
1. Oktober 1956 Eröffnung der Betriebspoliklinik der Werft (heute Ärztehaus an der Kog-genoor) durch Dr. Walter Heller (Betriebsambulatorium bereits seit dem 29. Juli 1950).
2. Oktober 1842 Eröffnung des Theaters in der Mecklenburger Straße.
2. Oktober 1911 In Preußen wird die Schulunterrichtsstunde auf 45 Minuten festgelegt.
2. Oktober 2000 Eröffnung der Stadtbibliothek im Wismarer Zeughaus (Umbauten von 1993 – 2000 mit 14 Mio DM, Architekturbüro Mai, Zill & Kuhsen, Lübeck).
2. Oktober 2005 Eröffnung der Wismarer Freimaurerloge „Zur Vaterlandsliebe“ im Haus Lüb-sche Straße 50.
3. Oktober 1954 3. Rundstreckenrennen auf dem Hanseatenring für Rennrad.
3. Oktober 1965 Richtfest am „Haus der Begegnung“ in Wendorf. Einweihung am 19. Juni 1966.
3. Oktober 1993 Einweihung der 350 Meter langen neuen Seebrücke in Wendorf. Eine grund-legende Sanierung der baufälligen Seebrücke erfolgt in den Jahren 2014/2015.
3. Oktober 1961 Abschluss des Vertrages über die Auflösung der „Geistlichen Hebungen“.
4. Oktober 1848 Regelmäßiger Verkehr mit Raddampfer „Obotrit“ nach Kopenhagen.
4. Oktober 1867 Der Wismarer Rat beschließt einstimmig, dass Juden den ungehinderten Zu-gang und Zuzug zur Stadt haben. Damit hört ein Verbot von 1350 auf, der den Wismarern bei strenger Geldstrafe verbat, Juden aufzunehmen. Die Juden durften nur zu den Jahrmärkten in die Stadt. 1754 wurde dies seinerzeit vom königlichen Tribunal bestätigt.
6. Oktober 1999 Genehmigung durch das Innenministerium M/V für die am 1. Juli 1999 ge-gründete „Kulturstiftung Nordwestmecklenburg“ als „Bürgerstiftung“.
6. Oktober 2004 Beginn der Vorabendfernsehserie „SOKO Wismar“ im ZDF.
7. Oktober 1969 Die Gaststätte in der Mecklenburger Mühle unweit von Wismar wird einge-weiht. Sie gehört seitdem zu den beliebtesten Ausflugszielen der Wismarer.
7. Oktober 1996 Median-Klinik in Wendorf wird eröffnet

Detlef Schmidt

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

15 + elf =