Kalenderblatt zum 3. Februar

Von Kanuten, Akrobaten und Handballdamen………….

Am 3. Februar 1961 ist die Wismarer Turn- und Sportgemeinschaft (TSG) gegründet worden. Aufbauend auf Wismars lange Tradition im Breitensport, war das nach damaliger Ansicht eine folgerichtige Entscheidung. Schon im 19. Jahrhundert gab es mit Turnen und Wassersport rege Sportvereine, die sich im 20. Jahrhundert erfolgreich vergrößerten. Dazu kam der Yachtclub, Fußballverein, Turnen, Tennis, Boxen, Kegeln, um nur einige Beispiele zu nennen. Die Wisma-rer Arbeiterschaft hatte eigene Sportverbände, die im Arbeiter-Sport-Kartell e.V. vereint wa-ren. Dieser wurde 1934 aufgelöst und die Immobilien zwangsversteigert.
Nach dem Krieg kamen durch den Zuzug vieler Aussiedler aus den östlichen deutschen Lan-desteilen, viele Neugründungen hinzu. Zur Finanzierung des Breitensportes und der Sportver-eine wurden die Betriebe hinzugezogen und es entstanden die Betriebssportgemeinschaften, wie BSG Motor und auch die BSG Einheit. Schnell hatte man aber auch eingesehen, dass die Bündelung beider großer leistungsstarker Verbände, sich effektiver auf den Breitensport aus-wirken würde. Natürlich liefen solche Entscheidungen in der DDR nicht ohne die allein be-stimmende SED und so wurde unter deren Einfluss am 3. Februar 1961 Wismars größte Sportgemeinschaft, die TSG Wismar, gegründet. Die beiden Vorsitzenden der BSG Motor, Hans-Ulrich Lenz und der BSG Einheit, Karl Ebert, besiegelten dies mit ihrer Unterschrift. Materiell unterstützt wurde die TSG von der Werft, dem Alubau, dem VEB Ausbau und dem Press- und Schmiedewerk „Hein Fink“. Erster Vorsitzende der TSG Wismar wurde Hans-Ulrich Lenz. Durch den Zusammenschluss erreichte man im ersten Jahr gleich 1.725 Mitglie-der, die sich 1981 noch auf 3.016 Mitglieder erhöhte. Eine Zahl, die so nicht wieder erreicht wurde.
Die TSG entwickelte sich aber auch zu einem erfolgreichen Leistungszentrum, woraus sich Sportler für eine weitere Karriere empfahlen. Die Leistungszentren in der DDR waren die wei-teren Stationen für diese Sportler, so wie Marita Meier-Koch, die vielfache Leichtathletik-Weltmeisterin. Aus dem Handball kamen viele Sportler in die Nationalmannschaft, was für die Ausbildung bei der TSG spricht. Natürlich hatte der Fußball seinen besonderen Stellen-wert. Seit Gründung der TSG wurde hier besonders Wert auf die Nachwuchsarbeit gelegt und Spieler wie Peter Sykora und Klaus-Peter Stein legten den Grundstein für den DDR Meister im Juniorenbereich. 1966 stiegen die Fußballer sogar in die DDR Liga auf und beinahe wäre ihnen 1972 der Aufstieg in die höchste Spielklasse, der Oberliga, der DDR geglückt. Joachim Streich war wohl der erfolgreichste Fußballer der TSG. Mit der DDR Nationalmannschaft bestritt er über 100 Spiele und gewann mit der Nationalmannschaft die bronzene Medaille beim olympischen Fußballturnier 1972 in München. Die Akrobaten unter Holger Röpke waren Stammgast in der Nationalmannschaft.
Nach der politischen Wende 1990 und der dadurch bedingte Wegfall von finanziellen Unter-stützungen, kam es in vielen Bereichen der TSG zu einer Zäsur. Sektionen, wie Tennis und auch Segeln gründeten sich aus und bildeten eigene Vereine. An einen Leistungssport war schwerlich zu denken, da auch die Unternehmen im „schweren Fahrwasser“ waren. Nach der Gründung des FC Anker Wismar am 12.06.1997 aus dem Zusammenschluss der Fußballabtei-lungen von TSG-Fußball (über 320 Mitglieder) und Schifffahrt-Hafen Wismar kam es am 2. Juni 2003 zu einem Zusammenschluss mit der Sektion Fußball der TSG, um auch hier die Leistung zu bündeln.
Die herausragende Sportart in der TSG ist gegenwärtig die Frauen Handballmannschaft. Sie schaffte es sogar in die oberste Spielklasse der Bundesrepublik, spielt aber gegenwärtig in der 3. Bundesliga. Trotzdem pilgern ihre Fans bei Heimspiele in die Sporthalle an der Bürgermeis-ter-Haupt-Straße, der Spielstätte der Handballer seit 1971
Doch die TSG mit ihren aktuell nahezu 700 Mitgliedern nur auf den Handball festzulegen wäre schlichtweg ungerecht. Zu vielfältig ist das Angebot mit Handball, Turnen, Akrobatik, Radsport, Kegeln, Seniorensport, Tischtennis, allgemeiner Freizeitsport und dem allseits be-liebten Spielmannszug. Eine Rarität im Norden ist die Sektion Skilanglauf, die zehnte Sparte, und von Peter Handschak engagiert geführt. Er ist seit seinem 3. Lebensjahr auf Skiern und Student der Physiotherapie in Rostock, schloss sich der TSG an, weil es ein attraktiver Verein im Norden ist. Geschäftsführer Klaus-Dieter Soldat ist ganz stolz auf den kleinen Zuwachs, zeigt er doch den Charakter der Sportgemeinschaft. Breitensport für alle Bevölkerungsschich-ten und zielstrebiger Leistungssport zeichneten von Anfang an die TSG aus. Zahlreiche Deut-sche Meister, Europameister und sogar Weltmeister künden von der Leistungsvielfalt. Namen wie Marita Koch, Bärbel Röhrich, Joachim Streich oder Holger Röpke, um nur einige wenige zu nennen, haben in der nationalen und internationalen Sportwelt einen hervorragenden Ruf. Die Sportler der TSG mit ihren Leistungen haben einen wesentlichen Anteil am Bekanntheits-grad Wismars in Deutschland und darüber hinaus – sie sind ein wichtiger „Wismar-Botschafter“.
Gelingen konnte dies alles nur dank einer bis heute andauernden konzentrierten Kinder- und Jugendarbeit mit einer exzellenten ehrenamtlichen Betreuung. Hier liegt wohl auch ein Ge-heimnis der sportlichen Arbeit in der TSG, denn ohne die nicht zu zählenden ehrenamtlichen Übungsleitern, Betreuern und Helfern wäre die Leistung der letzten Jahre nicht zu schaffen gewesen und kaum ein Sportler wäre so weit gekommen. Derzeit sind es 75 ehrenamtlich ar-beitende Übungsleiter, davon allein 50 lizensierte, die einen reibungslosen sportlichen Ablauf und auch die wichtige Nachwuchsarbeit garantieren. Der traditionsreiche Spielmannszug der TSG hat zum 31. Dezember 2016 seine Tätigkeit eingestellt. Bedingt durch mehrere Umstän-de, fehlten schlichtweg neu Mitglieder.
Flaggschiff der TSG Wismar ist seit Jahren die Damenhandballmannschaft, die über Jahre in der 2. und derzeit erfolgreich in der 3. Bundesliga spielt und „bei ihren Heimspielen die Sporthalle in der Bürgermeister-Haupt-Straße zu einem Hexenkessel verwandelt“, so Bürger-meister Thomas Beyer, bekennender Handball- und TSG-Fan, der kaum ein Heimspiel aus-lässt. Manager dieser Mannschaft ist Klaus-Dieter Soldat, der seit 1992 ebenfalls erfolgreich als Geschäftsführer der TSG fungiert. Die betriebswirtschaftliche Situation der TSG muss durch eine breite Unterstützung aus der Region gestärkt, neue Sponsoren gesucht und weitere wirtschaftliche Felder erschlossen werden. Das Ehrenamt ist wichtig, doch damit ist es allein nicht getan. Präsident ist Maik Dittberner, der seit dem 18. März 2014 im Amt ist. Am 18. Oktober 2017 wurde der Unternehmer Torsten Wehr zum Präsidenten gewählt.

Was sonst noch geschah
4. Februar 1884 Ruderclub „Wismaria“ gegründet.
4. Februar 1991 Vertreter der Deutschen Stiftung Denkmalschutz übergeben eine erste finan-zielle Starthilfe zum Wiederaufbau von St. Georgen.
5. Februar 1935 Der Rat stimmt dem Umbau des Zeughauses zur Ingenieursakademie zu.
5. Februar 1946 Die Lindenstraße wird auf Vorschlag der SPD in Dr.-Leber-Straße umbe-nannt.
6. Februar 1865 Fritz Reuter besucht Wismar.
7. Februar 1994 Gründung der Seglerjugend Hansestadt Wismar e.V.
8. Februar 1721 Schweden besetzen die Ämter Poel und Neukloster.

Detlef Schmidt

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