Kalenderblatt zum 3. Juli

Ein modernes Haus hinter alter Fassade
Hotel STADT HAMBURG wurde am 3. Juli 1993 feierlich eröffnet

Am 3. Juli 1993 wurde das neu errichtete Hotel Stadt Hamburg am Markt übergeben. 1991 ist die Immobilie von einer Betreibergesellschaft von den ursprünglichen Eigentümern erworben worden. Diese hatten das Hotel, das seit den fünfziger Jahren von der Konsumgenossenschaft Wismar be-trieben wurde, nach der politischen Wende zurück erhalten. Das Haus entsprach in keiner Hinsicht mehr den Ansprüchen nach einem modernen Hotel und war eine, durch die in der DDR vorherr-schende Mangelwirtschaft, total heruntergewirtschaftete Immobilie. Die Wismarer Niederlassung des Baukonzern Züblin wurde als Bauhauptauftragnehmer mit einem Neubau beauftragt. Die Ge-samtsumme für das neue Hotel betrug 30 Millionen DM, wovon alleine auf den Wismarer Betriebs-teil des Baukonzerns 18 Millionen DM an Bauleistungen entfielen. Den besonderen Forderungen der Denkmalpflege nach Erhalt der Fassade wurde erstmalig in Wismar mit einem besonderen Ge-rüst Rechnung getragen. Im September 1991 erfolgte der Abbruch des alten Hotels unter Ausschluss der Marktfassade und Erhalt des mittelalterlichen Gewölbekellers, 1992 wurde Richtest gefeiert und am 3. Juli 1993 war dann die feierliche Eröffnung. Wie richtig die Entscheidung nach Erhalt der Fassade war, zeigt sich an der zehn Jahre später erfolgten Anerkennung der Stadt zum Weltkulturerbe. Da wurde besonders die Erhaltung des Straßennetzes und der Hausparzellierung gewürdigt. Im Hotel Stadt Hamburg ist heute noch erkennbar, dass das Haus früher einmal aus drei Häusern bestand.
Erstmalig belegen schriftliche Zeugnisse von einem „Gasthaus mit Logis“ an dieser Stelle in der Wismarschen Zeitung aus dem Jahre 1795, als der Organist von St. Nikolai hier ein Harfenkonzert geben wollte. Demnach ist anzunehmen, dass schon länger an dieser Stelle ein Gast- und Logierhaus bestanden hat, denn die Marktlage war dafür geradezu prädestiniert. Das Haus hieß nach seinem Eigentümer Ever´sches Gasthaus. Am 19. August 1796 wollte Wilhelm von Humboldt hier Quartier nehmen, doch der Zustand des Hauses war damals derart schlecht, dass er das Haus schnell wieder verließ und in einem anderen Haus der Hansestadt Wismar Quartier nahm. Von Evers übernahm 1801 Bennemann & Bordier den Gasthof und diese verkauften ihn als „Bennemann`schen Gasthof“ 1814 an den Gastwirt Luger.
Erstmalig wird der Name „Stadt Hamburg“ im der Wismarschen Zeitung vom 11.September 1816 erwähnt. An diesem Tag besuchte der Held der napoleonischen Befreiungskriege, Feldmarschall Leberecht von Blücher, die Hansestadt Wismar und logierte im Hotel „Stadt Hamburg“ am Markt. Damals waren sicherlich die schlechten Zustände von 1796 vorbei. Am 27. März 1844 war Heinrich Hoffmann von Fallersleben, dem Dichter und Schöpfer der deutschen Nationalhymne eine weitere Berühmtheit im Haus und am 6. Februar 1865 wurde zu Ehren des größten niederdeutschen Dichter Fritz Reuter ein Gala Essen für 200 Personen gegeben.
Das Hotel bestand zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch aus zwei Giebelhäusern mit einer sogenann-ten Ausspannung und einem Garten zur Diebstraße hin. Um 1840 baute man das Hotel um, verei-nigte die beiden Giebelhäuser zu einem Quer- oder Traufenhaus und das links danebenliegende Haus wurde von den Erben des Uhrmachermeisters Oldenburg angekauft und mit dem Hotel verei-nigt. Mit diesem Umbau verschwand auch der schmale Durchgang zur Diebstraße, der zwar seit 1621 nicht mehr begehbar war, aber den kuriosen, jedoch mit einem ernsten historischen Hinter-grund, Namen „Tittentasterstraße“ hatte und Namensgeber für den Bierkeller des heutigen „Stadt Hamburg“ ist. Dieser Bierkeller erhielt 1993 kurzzeitig den Namen „Onkel Pö“ nach einer Hambur-ger Szenekneipe, musste jedoch aufgrund zahlreicher Proteste Wismarer Bürger schnell wieder sei-nen ursprünglichen Namen „Zum Tittentaster“ annehmen.
Vor dem Umbau des Hauses war dieses von Gastwirt Luger an seinen Nachfolger, dem Weinhänd-ler Böckel verkauft worden, der es wieder 1848 an das Unternehmen Lahnstein & Bock veräußerte.
Gastwirt Bock war es auch, der eine richtige Weinhandlung einbaute und der es ab 1851 alleine führte und später seinem Sohn überließ. Anfang der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts erwarb die be-kannte Wismarer Firma F.G. Michaelis, ihr gehörte auch der „Weinberg“ Hinter dem Rathaus 3, das Hotel „Stadt Hamburg“. In der Folgezeit wechselten die Besitzer rasch und am 1.Mai 1905 wurde Theodor Martens Pächter des Restaurants, der dem unteren Bereich des Hotels ein anderes Ausse-hen gab. Das „Mecklenburgische Tageblatt“ vom 31.August 1905 schrieb dazu: „Durch das neu ein-gebaute große Fenster flutet das Tageslicht in den großen Raum und erhellt ihn im Gegensatz zu früher bis zur tief zurückliegenden Hinterwand“.
Das Hotel „Stadt Hamburg“ befand sich bis 1953 im Besitz der Familie Hamke, die es aufgrund der damaligen politischen Verhältnisse an die Konsumgenossenschaft abgeben musste. Der Name „Stadt Hamburg“ sollte ab den 60er Jahren völlig durch den neuen Namen „Konsum-Hotel am Markt“ getilgt werden, doch im Wismarer Sprachgebrauch hieß das Haus trotzig weiter „Stadt Hamburg“. Das heutige Hotel der Steigenberger Gruppe hat 103 Zimmer und verfügt über 190 Bet-ten. Hinzu kommen Tagungs-, Konferenz- und Veranstaltungsräume mit barrierefreien Zutritt.
Am 5. Juli 1995 wird am Stadt Hamburg das Straßenschild „Tittentasterstraße“ angebracht, das schon einen Tag später abmontiert war. Ein neues, diebstahlsicheres, Schild gehört seitdem zu den wohl am häufig fotografierten Motiven der Stadt.

Was sonst noch geschah:

3. Juli 1945 In der Lindenstr. 38 (Dr. Leber-Str.) wird wegen der steigenden Seuchengefahr eine Typhusstation eingerichtet.
4. Juli 1917 Die ausgediente Dampfspritze der freiwilligen Feuerwehr wird auf dem Markt als Was-serwerfer gegen Demonstranten für höhere Lebensmittelrationen genutzt.
5. Juli 1859 Ausbruch der Cholera in Wismar.
5. Juli 1945 Die Wismarer müssen ihre Uhren nach Moskauer Zeit zwei Stunden vorstellen.
5. Juli 1991 1. Eröffnungskonzert der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern in der Heilig-Geist-Kirche.
6. Juli 1889 Einweihung der Mädchen-Volksschule am Badstaven (Pestalozzischule/Volkshochschule).
7. Juli 2000 Kiellegung der Poeler Kogge.
7. Juli 1947 Durch Befehl 93 der Sowjetischen Militäradministration (SMA) wird die Demontage des ehemaligen Luftwaffenlazarettes beendet und es werden Notwohnungen eingerichtet. Nach Antrag von zweiundzwanzig Wismarern sowie Oberbürgermeister Herbert Säverin vom 17. Juni 1947 an den Ministerpräsidenten, erhält es den Namen „Friedenshof“, ein Name, der später auf das gesamte Wohngebiet angewendet wird.

Detlef Schmidt

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