Kalenderblatt zum 3. März

St. Marien gehört zu den ältesten Bauten Wismar

Till Eulenspiegel soll sich hier verewigt haben 

Am 3. März 1353 ist der  Chor von St. Marien geweiht worden. Das war mit Sicherheit ein bedeutendes Ereignis in Wismar, denn St. Marien war nicht nur die Hauptpfarrkirche der Stadt, sondern auch die Kirche des Rates. Schon kurz nach der bekannten Gründung der Stadt ist mit dem Bau einer Kirche, ebenso wie mit dem Bau eines Rathauses begonnen worden. Beides gehörte unabdingbar zum Stadtwesen dazu. Schon 1237 wird von einer im Bau befindlichen Kirche berichtet, die 1250 existiert. Weitere Bautätigkeiten weist das älteste Stadtbuch zwischen 1260 und 1270 an der Hallenkirche aus. 1962 hatte man Grundreste dieser Kirche in einer Notgrabung nach der Sprengung des Kirchenschiffes entdeckt. Ende des 13. Jahrhunderts ist auch der noch heute vorhandene Turmuntergeschoss von St. Marien errichtet. Diese Kirche war der Vorgängerbau, der uns heute bekannten St. Marienkirche und teilt somit auch das Schicksal anderer Wismarer Kirchen, die zunächst einen einfachen, mitunter aus Holz gestalteten Bau hatten und später neu errichtet wurden. Um 1320 wurde dann mit dem Bau der neuen hochgotischen, querhauslosen Basilika mit sieben Jochen begonnen. St. Marien wurde nach dem Vorbild der nordfranzösischen-flandrischen Kathedralen, die auch 1266 von der Lübecker Marienkirche übernommen wurde, erbaut. Von der ersten Marienkirche blieb nur der Turm mit seinem Unterbau stehen. Somit ist dies der älteste Teil von St. Marien. 1339 war der Kirchenbau mit der Fertigstellung der Arkadenreihen schon sehr weit vorangeschritten. In diesem Jahr bekam der Baumeister Johann Grote den Auftrag, den Bau von St. Marien bis zur Fertigstellung des Chores zu leiten. Er hat dies in einer verhältnismäßig kurzen Zeit von 14 Jahren geschafft. 1346 soll sich Till Eulenspiegel in Wismar aufgehalten haben, denn beim Bau von St. Marien wurde ein Backstein vermauert, der eine Eule mit menschlichem Ansicht und einen Spiegel zeigt.

Das Langhaus war bis 1367 fertiggestellt und sicher fanden ab dieser Zeit Gottesdienste in St. Marien statt. 1388 und 1414 wurden die Vorhallen an der Nordseite und Südseite errichtet. Schon 1390 ist die Sakristei angebaut worden,  der 1480 einen Prunkgiebel erhielt. Dieser ist am 16. November 1660 eingestürzt und erst 1895 erneuert worden. Auf dem vorhandenen Turmunterbau aus dem 13. Jahrhundert ist der  81 Meter hohe Turm um 1440 mit seinen drei Obergeschossen und den Schmuckschildgiebeln errichtet worden. Die Wismarer St. Marienkirche hatte eine äußerst reiche Ausstattung. Um 1540  gab es allein 46 Nebenaltäre, an denen Gottesdienst gefeiert wurden. St. Marien steht mit 16 Meter über dem Meeresspiegel auf einem der höchsten Punkte der Altstadt, nur das ehemalige Fernmeldeamt ist mit 22 Meter höher. Der Turm dient als eingetragenes Zeichen auch der Seefahrt. Bis 1539 war dort noch ein Turmreiter auf, der am 25. Juli des Jahres durch Blitzschlag verbrannte. Man setzte einen neuen Reiter auf und auch dieser wurde durch einen Orkan am 4. Januar 1661 zerstört. 1592 leisteten sich die Wismarer ein Glockenspiel, das mit 14 Chorälen bis 1928 in Funktion war. Erst 1982 konnte das alte Glockenspiel durch Spenden der Altschülerschaft der Großen Stadtschule ersetzt werden und spielt täglich zu bestimmten Uhrzeiten einen Choral aus dem Kirchenjahr. St. Marien besaß mit einer astronomischen Uhr eine weitere Kostbarkeit mittelalterlicher Uhrmacherkunst, die um 1421 Erwähnung findet und 1542  als „Wunderuhr“ bezeichnet wurde. jedoch schon im 19. Jahrhundert nicht mehr in Betrieb war. Die astronomische Uhr ist bei der Zerstörung von St. Marien am 14. April 1945 völlig zerstört worden. Lediglich ein Uhrzeiger ist erhalten, den das Wismarer Stadtgeschichtliche Museum bewahrt. St. Marien war wie die anderen Wismarer Kirchen und Klöster Bestattungsort für Verstorbene. 1831 ist der neue Friedhof eingeweiht worden und 1832 hat der Rat alle Beerdigungen innerhalb der Stadt verboten. Eine Ausnahme wurde für die 1835 verstorbene Susanne Ockel gemacht. Sie hatte schon zu ihren Lebzeiten St. Marien 500 Taler hinterlassen mit der Bedingung, dass sie neben ihrem Mann in St. Marien bestattet werde. Ein 1867 gegründeter Turmbauverein wollte den Turm wieder mit Dachreiter herstellen, doch der Zuspruch war zu wenig, so dass das eingesammelte Geld 1904 der Kirchgemeinde von St. Marien überwiesen wurde.

Das 20. Jahrhundert war das  schrecklichste in der Geschichte dieser Kirche. In der Nacht vom 14. April auf den 15. April 1945 zerstörten Luftminen St. Marien und umliegende Bauwerke. Das Dach war zu sehen, doch die Seitenanbauten waren völlig weg. Die Gläubigen fanden Unterkunft in der 1951 fertig gestellten Neuen Kirche. Doch am 6. August 1960 begann  etwas, womit kaum einer gerechnet hat – eine Sprengung des Kirchenschiffes. Mit vier Sprengungen innerhalb eines Monates war St. Marien für immer verschwunden. Der Turm blieb erhalten als Wahrzeichen und den auf den Gräbern nach der Sprengung errichteten Parkplatz  wurde geräumt und man kann das Kirchenschiff wieder erkennen. Am 11. Dezember 1989 forderten erstmals Wismarer Bürger auf einer „Montagsdemonstration“ des Neuen Forums auf dem St.-Marien-Kirchhofplatz die Wiedervereinigung Deutschlands.

Was sonst noch geschah

  1. März 1946 Stadtbaurat Arthur Eulert nimmt sich und seinen vier Kindern in der Atwismarstraße 6 (heute 23) das Leben.
  2. März 1819 Gründung Wismarer Freimaurerloge „Zur Vaterlandsliebe“ in Mecklenburger Straße 6.
  3. März 1906 Platte vom Mecklenburger Tor mit lat. Inschrift wird über Rathauseingang angebracht.
    8. März 1933 NSDAP Ortsgruppenführer Alfred Pleuger „rät“ Bürgermeister Dr. Heinz Brechling in „Urlaub“ zu gehen. Nazis übernehmen die Macht. Der 2. Bürgermeister Dr. Franz Plog übernimmt das Amt übergangsweise.
  4. März 1933 Die SA hisst auf dem Rathaus die Hakenkreuzfahne der Nazis und Alfred Pleuger verkündete die „nationale Revolution“.
  5. März 1808 Das Herzogtum Mecklenburg-Schwerin tritt dem napoleonischen Rheinbund bei.
  6. März 1942 Kauf des ehemaligen Arbeitersportlerheimes durch die Norddeutschen Dornierwerke.

 Detlef Schmidt

 

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