Kalenderblatt zum 3.Oktober

    Seebrücke Wendorf hat lange Tradition und wurde neu gebaut

Am 3. Oktober 1993 wurde die neue, 350 Meter lange Seebrücke in Wendorf eingeweiht.

Nach der politischen und gesellschaftlichen Wende regte sich in vielen Orten Mecklenburg-Vorpommern der Gedanke, doch wieder die ehemaligen Seebrücken aufzubauen. Vielfach wurden sie entfernt, da sie den Grenzmilitärs im Wege standen und Fluchtgefahr begünstigten. Boote und Schiffe durften diese maritimen Bauwerke sowieso nicht mehr benutzen. Alle Orte, die früher eine Seebrücke besaßen, mussten dies durch Pläne und Fotos nachweisen, so auch Wismar. Insgesamt 19 Seebrücken entstanden zu Beginn der 90iger Jahre und setzten damit die Tradition alter Badeorte und Seebäder fort. Das Land Mecklenburg-Vorpommern beteiligte sich mit einem 90 Prozentigem Fördersatz.

Die Hansestadt Wismar hatte am Wendorfer Ufer einen Strand, der schon recht früh zum Ausflugs- und Badeziel wurde. Das spätere Seebad Wendorf gehört somit, nach Heiligendamm und Boltenhagen, zu den ersten Seebadeorten Deutschlands.

Am 14. Juni 1821 weihte der Wismarer Schiffszimmermeister Johann Carl Hammer sein Badeschiff am Wendorfer Ufer ein, das durch eine 150 Meter lange Brücke verbunden war und ist somit der „Urahn“ der heutigen Wendorfer Seebrücke.

Nachdem 1793  am Heiligendamm bei Bad Doberan das erste deutsche Seebad durch das mecklenburgische Herzoghaus auf Anregung von Dr. Samuel Vogel gegründet wurde, nahm das „Freibaden“ besonders unter den wohlhabenden Bürgern einen großen Aufschwung. Ganz billig war das Baden in den Badekarren und Badeschiffen eben nicht. In rascher Folge entstanden in fast allen mecklenburgischen Küstenorten mehr oder weniger große Badeanstalten. Verwundert schauten die Bauern und Fischer auf die neue Mode, denn „Kleine Leute“ badeten nicht in der Öffentlichkeit. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts begann auch in Wismar das „Freibaden“ Mode zu werden. Besonders eignete sich dafür der Strand von Wendorf, einem damals kleinem Dorf. Zwar badete die Bevölkerung auch noch im Hafen, im Mühlenteich und bei der Brücke vor dem Poeler Tor, doch das wurde ihr 1822 durch eine Ratsverordnung verboten. So sah man sich notgedrungen nach anderen Bademöglichkeiten um und der besonders pfiffigen Idee Carl Hammers ist es zu verdanken, dass in Wismar eines der ersten Seebäder Deutschlands entstand: Seebad Wendorf. Im Winter wurde das Schiff regelmäßig im Wismarer Hafen für die nächste Saison überholt. In den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage des Besitzers, so dass Hammer schließlich im Februar 1850 Schiff und Inventar meistbietend versteigern musste.

Doch die günstige Lage am Wendorfer Ufer war geradezu prädestiniert für eine Badeanstalt und so begann 1850 Johann Lorenz, ein Neffe des Schiffbaumeisters Hammer, hier eine Badeanstalt zu errichten. Am 13. Juni 1850 inserierte Lorenz in der „Wismarschen Zeitung“: „Ich erlaube mir die gehorsamste Anzeige, dass ich, nachdem das bisherige Badeschiff eingegangen ist, mehrfach angesprochenen Wünschen zufolge, eine anderweitige Badeanstalt eingerichtet habe, bestehend in einem unweit der bekannten Badeschiffstelle auf einer Anhöhe am Strand errichteten Bretterzelte mit Restauration, in einer Brücke zum Anlegen mit Booten und – einstweilen – in drei Badekarren, von denen zwei bereits an Ort und Stelle sich befinden. Der dritte wird in ganz kurzer Zeit ebenfalls fertig sein. Ich empfehle dem Publikum diese kleine Anzeige zur recht fleißigen Benutzung angelegenlichst.“  Sicher wird Lorenz die alte Brücke zum Badeschiff weiter genutzt haben, doch die Wismarer nutzten fleißig sein Angebot und bald hatte das Wendorfer Hochufer den Namen „Lorenzhöhe“ weg, ein Name der noch weit ins 20. Jahrhundert galt. Johann Lorenz gab zwar 1856 seinen Badebetrieb wieder auf, doch die Ausflugsmöglichkeit mit der räumlichen Nähe zur Stadt war sehr geeignet, Gäste hierher zu locken. So entstand in den Jahren 1866/67 das Kurhaus Wendorf, das heutige Hotel „Seeblick“.

War das Seeufer bislang in privatem Besitz, bzw. im Landesbesitz, so übernahm am 1. September 1902 die Hansestadt Wismar das Seebad Wendorf im städtischen Eigentum.

Die damals gut 150 Meter lange Seebrücke war mit einer Badeanstalt versehen, wo in den dreißiger Jahren städtische Bademeister streng und „unnachsichtig“ auf Ordnung und „Einhaltung der Moral“ wachten und auch Schwimmunterricht gaben.

Am 1. Oktober 1939 wurden die bis dahin selbstständigen Gebiete und Gemeinden Redentin, Hof Redentin, Hinter-Wendorf, Mittel-Wendorf, Vor-Wendorf, Zierow und Rohlstorfer Forst aus dem Landkreis Wismar in die Seestadt Wismar und den Stadtkreis Wismar eingemeindet. Wismars Neubauprogramm startete schon am 1. Mai 1949 am Flöter Weg, doch die am 29. April 1950 erfolgte Grundsteinlegung für die ersten Wohnhäuser in Vor-Wendorf war der Beginn für Wismars größtes Neubaugebiet. Dem folgte schon am 1.Mai 1956 mit der Übergabe des Hochhauses am Platz des Friedens in Wendorf, das zweite Hochhaus auf dem Gebiet der damaligen DDR. Lange hieß es immer noch Vor-Wendorf  bis es schließlich in den  Namen Wendorf überging, denn die anderen Teile waren schlichtweg nicht mehr vorhanden.

Zur Aufrechterhaltung des Badebetriebes konnte man in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts mit einer Barkasse für 30 Pfennig vom Baumhaus zur Wendorfer Brücke fahren. Am Wendorfer Strand überwachten Rettungsschwimmer die Sicherheit der Badegäste und auch ein kleiner Zeltplatz war vorhanden. Der städtische Nahverkehr fährt bis zum Strand, doch die Anziehungskraft des Wendorfer Strandes wurde durch Aufspülungen und teilweise auch durch die in der Nähe liegende Kläranlage beeinflusst. Die alte hölzerne Seebrücke verfiel zusehends und das Betreten war verboten, bis das Wasser auch die letzten Reste abholten  Die Wismarer motorisierten sich ab den siebziger Jahren mehr und andere Strände übten mehr Anziehung aus. Seit einigen Jahren übt der Strand vor der Haustür wieder seine alte Wirkung aus und  mittels eines Fördervereines wird versucht, die Attraktivität des Ortes herzustellen. Denn welche Stadt hat in so einer Nähe einen Strand mit toller Bademöglichkeit?

Dass die Seebrücke sich großer Beliebtheit bei den Wismarern erfreut, zeigt sich, als am 9. Mai 2014 die Brücke wegen Gefahr gesperrt werden musste. Mehr oder weniger lautstark forderten die Wismarer, dass „ihre“ Brücke schnell wieder fertig wird. Nach 13 Monatiger Sperre und Reparaturzeit ist sie dann am 11. Juni 2015 übergeben worden. Obwohl hier, im Gegensatz zu anderen Brücken, kaum Schiffe anlegen, ist sie hervorragend geeignet zum „Schiffe gucken“, denn mit ihrer Länge reicht sie sehr nahe an die Fahrrinne heran.

Was sonst noch geschah

  1. Oktober 1961 Abschluss des Vertrages über die Auflösung der „Geistlichen Hebungen“.
  2. Oktober 1867 Der Wismarer Rat beschließt einstimmig, dass Juden den ungehinderten Zugang und Zuzug zur Stadt haben. Damit hört ein Verbot von 1350 auf, der den Wismarern bei strenger Geldstrafe verbat, Juden aufzunehmen. Die Juden durften nur zu den Jahrmärkten in die Stadt. 1754 wurde dies seinerzeit vom königlichen Tribunal bestätigt.
  3. Oktober 2004 Beginn der Vorabendfernsehserie „SOKO Wismar“ im ZDF.
  4. Oktober 2014 Richtfest auf dem neuen Polizeigebäude in der Rostocker Straße.
  5. Oktober 1969 Die Gaststätte in der Mecklenburger Mühle unweit von Wismar wird eingeweiht. Sie gehört seitdem zu den beliebtesten Ausflugszielen der Wismarer.
  6. Oktober 1907 Einweihung des Lyzeum am Turnplatz (Turnplatzschule, zu DDR-Zeiten „DSF Schule – Schule der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft“).

9 . Oktober 1989 Treff von Sympathisanten des Neue Forum in Voßkuhl im Wohnhaus von Fritz Kalf mit 150 Teilnehmern.

  1. Oktober 1945 Seit Kriegsende wurden 500 Wohnungen instandgesetzt.
  2. Oktober 1945 Die Reichsbahn richtet eine Tagesstrecke zwischen Wismar und Schwerin ein.
  3. Oktober 1949 Die Karstadt AG in Essen protestiert gegen die Zwangsenteignung des Wismarer Stammhauses.
  4. Oktober 1893 Einweihung des Neubaus der großen Stadtschule (Architekt Gustav Dehn).

Detlef Schmidt

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