Kalenderblatt zum 30. Dezember

Hinrich Schabbel – Bürgermeister, Kaufmann und Brauherr

Am 30. Dezember 1600 stirbt im Alter von 69 Jahren in seinem Haus an der Frischen Grube Bürgermeister Hinrich Schabbell. Er ist zwar der Erbauer und Namensgeber des heutigen „Schabbellhauses“ an der Schweinsbrücke, doch Hinrich Schabbell war mehr als nur das. 1531 als Sohn des Ratsherrn Hans Schabbell und seiner Frau Katharina in Wismar geboren, machte der als sehr durchsetzungsstark geltende Schabbell zunächst eine Lehre im väterlichen Handel, ehe er sich mit seinen eigenen Tätigkeiten weiter eine Existenz aufbaute.
Hinrich Schabbell war Kaufmann und später Brauer. Hiermit festigte er seinen Ruf als tat-kräftiger Mann, der auch im politischen Leben nach Macht strebte. Am 22. Dezember 1565 wurde er mit 34 Jahren erstmals in den Wismarer Rat gewählt. Im Oktober 1579 wurde er Bürgermeister und bestimmte in diesen Funktionen bis zum Ende seines Lebens die Politik der Stadt wesentlich mit.
Er heiratete, nachdem er früh Witwer geworden war, in zweiter Ehe Anna Dargun, Tochter des Wismarer Ratsherrn Hans Dargun, aus Wismar. Sie wurde 1535 hier geboren und verstarb schon vor ihrem Mann am 16. Mai 1596. Das Paar hatte drei Kinder: Katharina Schabbel, Heinrich Schabbel und Jacob Schabbel. Ein Enkel von Hinrich Schabbell, der 1607 in Wismar geborene Heinrich Schabbell, war zunächst Advokat am Wismarer Tribunal und später Rats-herr und Bürgermeister in Wismar.
Hinrich Schabbell hatte seine eigene Art, sich für die Belange der Stadt einzusetzen, und diese brachte viele Bürger gegen ihn auf. Dies trat besonders zu Tage, nachdem Schabbell 1579 Bürgermeister von Wismar wurde. Seine Gegner behaupteten, dass, „seitdem er Bürgermeister geworden ist, die Bedrückung der Bürger zugenommen habe“. Im Rat nahm Schabbell zudem die üblichen Aufgaben eines Ratsherrn und Bürgermeisters wahr, wie des Weinherren im Ratskeller, gemeinsam mit Matthias Koch in den Jahren 1566 bis 1571. Auch eine aufwändi-ge, von Schabbel vorfinanzierte Gesandtschaft nach Kolding zur Kindstaufe der erstgebore-nen Tochter des dänischen Königs Friedrich II., Elisabeth, um die Absenkung der Bierakzise für Wismar zu erbitten, ist für das Jahr 1573 nachgewiesen. So engagierte sich Wismar in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts für den Erhalt der hansischen Privilegien im Ausland, vor allem in Dänemark und Norwegen, und für Rechtssicherheit im lübischen Rechtskreis.
Hinrich Schabbell brachte einen neuen Entwurf für die Armenordnung und auch für eine Hochzeitsordnung, die erneuten Ärger unter den Ratsmitgliedern und Bürgern hervorrief. Er wollte die Abgaben der Bürger zugunsten der Stadt neu regeln, doch dies stieß nun auf größ-ten Widerstand. In seine Amtszeit fiel auch ein Raub der „Türkenkiste“ im Rathaus mit viel Geld zur Abgabe an den Kaiser.
Größter Neid kam beim Bau seines neuen Hauses an der Frischen Grube auf, das er zwischen 1569 und 1571 vom Utrechter Baumeister Philipp Brandin errichten ließ. Das Schabbellhaus zeigt seinen schmuckvollen Votiv- und Prunkgiebel zur Grube und zur Kirche St. Nikolai hin und hat zur Straßenseite einen Traufengiebel. An den beiden Renaissanceportalen des Hauses sind die beiden Wappen der Eheleute Schabbell. Philipp Brandin stellte das Haus in nieder-ländischer Renaissancearchitektur 1571 für Hinrich Schabbell fertig. Brandin begann übrigens auch 1579 im Auftrage des Rates mit den Entwürfen für die Wasserkunst auf dem Markt, die zwar schon 1595 Wasser lieferte, aber erst 1602 endgültig fertig gestellt wurde.
Zugleich engagierte sich Schabbell sehr aktiv in Immobiliengeschäften, die sich vor allem um die Nikolaikirche konzentrierten. Von seinem Vater erbte er ein größeres Grundstück an der Mühlengrube, auf dem früher Buden und Gärten gewesen waren, zudem eine „wüste“ Stelle hinter dem Chor der Nikolaikirche. Das Augenmerk Schabbells war aber schon früh auf einen Komplex gerichtet, der bis heute mit seinem Namen eng verbunden ist, einem großen Eck-grundstück an der Schweinsbrücke, auf dem ursprünglich Kirchenbuden standen, in denen wahrscheinlich Angestellte der Nikolaikirche, wie der Organist oder die Kirchendiener bzw. ihre Witwen, lebten.
Der Zustand dieses Quartiers an exponierter Stelle scheint um die Mitte des 16. Jahrhunderts unbefriedigend gewesen zu sein, jedenfalls ließ sich Schabbel vom Rat im Jahre 1569 für den Fall der Errichtung eines großen Brauhauses eine zehnjährige Steuerbefreiung zusagen. Das Geld und die Grundstücke für diesen prächtigen Bau erwarb er durch Erbschaft und Heirat seiner Nachbarin Anna Dargun, deren Vater zwei unmittelbar benachbarte Häuser mit dem wichtigen Braurecht gehörten. Sofort wurde der Verdacht laut, dass der Bürgermeister städti-sches Geld unterschlagen hatte, um seinen Luxus zu finanzieren. Doch da waren sie bei Schabbell an der richtigen Stelle und er zwang seine Gegner nach Prüfung der Verwaltung, diese als rechtens anzuerkennen. Aber wo ein Gerücht ist, bleibt immer etwas übrig, und bis zu seinem Tode wurde Schabbell diese Vorhaltungen nicht mehr los. Dabei hatte Schabbell übri-gens immer mal wieder dem Wismarer Rat Geld aus seinem Privatvermögen vorgeschossen!
Das Haus an der Frischen Grube besaß die Braugerechtigkeit, was einen großen Teil seines Gewinnes ausmachte, doch Hinrich Schabbell war als Kaufmann auch ein rühriger Händler. Wer zwischen den Zeilen seine Umtriebigkeit ahnt, meint sich auch bestätigt zu fühlen, dass Hinrich Schabbell manche Bevorzugung, die seine Position mit sich brachte, zu seinem Vorteil nutzte. Schabbell war nicht umsonst der einflussreichste Bürger der Hansestadt Wismar zu seiner Zeit. Er wusste seine Position gut für sein Geschäft zu nutzen.
Das Schabbellhaus gehörte bis ins 18. Jahrhundert den Nachfahren von Schabbell und bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war hier die letzte Wismarer Hausbrauerei. Praktischerweise konnte man aus der neben dem Haus vorbeifließenden „Frischen Grube“ eben „frisches“ Was-ser, daher der Grubenname, zum Bierbrauen schöpfen. 1873 übernahm der Bierbrauer Carl Koch das Haus, richtete hier seine Brauerei ein und ab 1907 das „Altdeutsche Restaurant“. 1920 wurde im Schabbellhaus mit der „Kochschen Brauereien“ eine der letzten Wismarer Brauereien geschlossen. Die industrielle Bierbrauerei war zu übermächtig. Gab es um 1475 noch 182 Brauhäuser in Wismar, so waren es 1880 nur noch sechs Brauereien. Koch verkaufte 1920 das Schabbellhaus. Seit 1918 hatte August Schulz das „Altdeutsche Restaurant“ mit den legendären Porterstuben angemietet, das bis 1938 betrieben wurde.
Am 18. Juni 1933 wird im baulich sanierten Schabbellhaus an der Schweinsbrücke Wismars neues Heimatmuseum eröffnet. 1979 letztmalig saniert, befindet sich das Schabbellhaus ge-genwärtig in einer grundlegenden Sanierung und Erweiterung, deren Eröffnung für 2017 ge-plant ist. In St. Nikolai befindet sich seit 1605 ein Epitaph mit den Bildern von Anna und Hinrich Schabbel zum Gedenken. Seit Jahren wird dies restauriert, finanziert durch ein Wis-marer Sponsoring.

Was sonst noch geschah
30. Dezember 1970 Übergabe und Eröffnung der Sport- und Kongresshalle.
1. Januar 1845 Eröffnung der Hirsch-Apotheke Am Markt 29 als die „Neue Apotheke“.
1. Januar 1909 Die Verordnung zur Erhebung des Wassergeldes tritt in Kraft.
1. Januar 1947 Wiedereröffnung des Museums im Schabbellhaus.
1. Januar 1992 die „Mathias-Thesen-Werft“ wird in „Meerestechnik-Werft“ umbenannt, das Kürzel MTW bleibt bestehen.
1. Januar 2001 Das Landesfilmzentrum zieht von Schwerin nach Wismar.
1. Januar 2012 Eröffnung des Pflegebereiches im Seniorenzentrum Lübsche Burg, Lübsche Burg 2 und 4 mit 84 Pflegeplätzen.
2. Januar 1820 Es sind für den Neubau des Rathauses 26.174 Reichstaler ausgegeben worden.
2. Januar 1825 Eröffnung der am 23. Juni 1824 gegründeten städtischen Ersparniß-Anstalt (Sparkasse) im Rathaus.

Detlef Schmidt

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