Kalenderblatt zum 31. Januar

Frauenklinik zieht in Wismarer Luftwaffenlazarett ein

Am 31. Januar 1960 wird im ehemaligen Luftwaffenlazarett die Wismarer Frauenklinik unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Meta Sander (1906 -1996) eröffnet, die diese schon seit 1958 in der Mecklenburger Straße 11 leitete. Hier hatten 1919 Dr. Gerda und Dr. Alexander Tschirch eine Privatklinik für Frauenheilkunde mit Geburtenhilfe eingerichtet. Diese Klinik hatte zunächst 20 Betten, die nach der Übernahme der Klinik nach 1945 durch die Stadt Wismar auf 60 Betten aufgestockt wurde. Die Geburtenzahl hatte sich nach dem Krieg sprunghaft von 241 Kindern im Jahr 1945 auf 1.166 Kinder im Jahr 1952 erhöht.
Das Luftwaffenlazarett wurde am 26. Januar 1939 nach 20 Monaten Bauzeit an die Wehr-macht übergeben. Dr. Otto Bengsch wird ab 1.November 1938 Abteilungsarzt und ab 1. Janu-ar 1942 Chefarzt. Das vorwiegend nur für Angehörige der Wehrmacht vorgesehene Lazarett hatte 300 Betten. Hier war alles vorbereitet für den Kriegsfall mit Operationsbunker, Notwas-serversorgung und Kriegschirurgie. Außerdem gab es eine Abteilung für Tropenkrankheiten und eine kleine Entbindungsstation. Für die Wismarer Bevölkerung blieb das Krankenhaus am Dahlberg zuständig. Zum Ende des Krieges waren im Luftwaffenlazarett 1.260 Verwundete untergebracht. Manche Betten waren doppelt belegt. Das Luftwaffenlazarett sollte nach ei-nem Alliiertenbeschluss, wonach alle Kriegsbauten zerstört werden sollten, auch gesprengt werden. Hier waren aber schon 1945 viele Flüchtlinge untergekommen. Insgesamt suchten in den ersten Monaten nach dem Krieg nahezu 13.000 Menschen Zuflucht in der Stadt, wovon viele Wismar aber wieder verließen. Durch den Befehl 93 der Sowjetischen Militär-Administration vom 7. Juli 1947 wurde die Demontage des ehemaligen Luftwaffenlazarettes beendet. Nach Antrag von zweiundzwanzig Wismarern, sowie Oberbürgermeister Herbert Säverin vom 17. Juni 1947 an den Ministerpräsidenten, erhält es den Namen „Friedenshof“. Ein Name, der später auf das gesamte Wohngebiet angewendet wird.
Im nunmehrigen ehemaligen Lazarettbau fanden in 400 eingebauten kleinen Wohnungen viele Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Osten eine willkommene Unterkunft. In den Wirt-schaftsgebäuden des ehemaligen Lazarettes wurde die „Friedensschule“ eingerichtet, die dann später wegen der Nutzung durch das Klinikum am Juri-Gagarin-Ring neu gebaut wurde. Auch diese Schule ist nun schon wieder Geschichte.
1958 übernahm Prof. Dr. med. Meta Sander, die im Rheinland geboren wurde und an der Universität Köln studierte und 1933 promovierte, die Frauenklinik in der Mecklenburger Stra-ße. Sie war von 1948 bis 1951 die ärztliche Leiterin der Schwesternschule in Rostock und von 1953 bis 1959 war sie Dozentin für Geburtshilfe und Gynäkologie. Ihrem persönlichen Ein-satz ist es zu verdanken, dass am 31. Januar 1960 in einem freien Teil des ehemaligen Luft-waffenlazarettes die Wismarer Frauenklinik eröffnet wurde. Prof. Dr. med. Sander war 1959 die erste Frau in der damaligen DDR, die eine Professur für die Frauenheilkunde erhielt, was für ihre hervorragende fachliche Qualität spricht. Unter ihrer fachlichen Anleitung entstand so eine der modernsten Kliniken dieser Art im Land. Gleichzeitig war es auch der Start für wei-tere Ansiedlungen des Wismarer Klinikums an diesem Standort, der erst 2011 mit der Aufga-be des Hauses am Dahlberg abgeschlossen wurde. Prof. Sander war am Aufbau der Gesell-schaft für Frauenheilkunde beteiligt. Nebenamtlich hatte sie eine Professur für das Fachgebiet der Gynäkologie und Geburtshilfe an der Rostocker Universität. Mehr als zwei Dutzend Ärz-te promovierten unter ihrer Leitung. In der gynäkologischen Krebschirurgie setzte Prof. Dr. Meta Sander Akzente, führte diese und die radiologische Kontakttherapie ein. 1965 wurde ihr der Titel Verdienter Arzt des Volkes verliehen. 1971 schied Prof. Dr. med. Meta Sander aus dem Dienst und leitete nach ihrer Pensionierung noch die Schwangerenberatung sowie die Frauenhilfe der Klinik. Sie verstarb im hohen Alter von 90 Jahren 1996 in Wismar. Das Wis-marer Klinikum hält das Andenken an diese verdiente Ärztin sehr hoch. In Schwerin trägt eine kleine Straße ihren Namen.
Heute verfügt die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Wismarer Sana-Hanse-Klinikum der Sana-Gruppe, über 56 Betten und drei Kreißsäle, sowie einen OP-Saal für ge-burtshilfliche Operationen. Die Ärzte, Schwestern und Hebammen unternehmen alles, ihren Patienten hilfreich bei Seite zu stehen und ihnen ein umfangreiches Spektrum an gynäkologi-schen, geburtshilflichen und speziellen kinderärztlichen Leistungen zu bieten. Jährlich kom-men hier über 700 Kinder auf die Welt. Eine bessere friedlichere Nutzung für einen ehemali-gen militärischen Bau kann es nicht geben, der den Namen „Friedenshof“ zu Recht verdient.

Was sonst noch geschah:
31. Januar 1898 Der Giebel der Heiligengeistkirche wird vom Sturm umgeworfen und teils auf die Straße Neustadt geschleudert.
31. Januar 1910 Gründung des Wismarer Tierschutzvereins im Hotel Wädekin.
2. Februar 1411 Erstes dokumentiertes Votivschiff für die Nikolaikirche, anlässlich der Grün-dung der Marienbruderschaft.
2. Februar 1718 Sprengung der Walfischbastion durch die dänischen Eroberer.
3. Februar 1961 Gründung der TSG Wismar.
4. Februar 1884 Ruderclub „Wismaria“ gegründet.
4. Februar 1898 Kinderarzt Dr. Otto Connerth in Herrmannstadt/Siebenbürgen geboren. Ge-storben am 29.01.1976 in Wismar.
4. Februar 1991 Vertreter der Deutschen Stiftung Denkmalschutz übergeben eine erste finan-zielle Starthilfe zum Wiederaufbau von St. Georgen.

Detlef Schmidt

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

17 − 12 =