Kalenderblatt zum 31. Januar

Kalenderblatt zum 31. Januar

 

Sturm zerstörte Giebel der Heiliggeistkirche

Heftige Winterstürme sind in Wismar keine Seltenheit und können, wie 1990 an St. Georgen, beträchtliche Schäden anrichten. Ein solcher Sturm tobte am 31. Januar 1898 über Wismar und riss teilweise den Giebel der Heilig-Geist-Kirche auf die Straße. Wie sich später herausstellte waren die Ankerbalken des Giebels regelrecht verfault. Das der Kirche gegenüberliegende Eckhaus Neustadt/Lübsche Straße 31 wurde ebenfalls schwer beschädigt. Dies gehörte dem bekannten Wismarer Tierarzt Dr. Adolf Schütz, der im gleichen Jahr im Alter von 81 Jahren starb. In diesem Haus wohnte zu der Zeit auch der bekannteste Wismarer Historiker und Stadtarchivar, Dr. Friedrich Techen.  Einige Jahre später wurde das Schütz´sche Haus abgerissen und 1907 ist das noch heute stehende Gebäude, in dem sich jahrelang ein Uhrmacher befand und heute ein Optikergeschäft, erbaut worden.

Die Heilig-Geist-Kirche entstand nach 1238, als die gerade einmal gegründete Stadt Wismar sich nach Westen und wird um 1250 erwähnt. Die anliegende Straße „Neustadt“ wurde dementsprechend um 1289 als „fossa sancti Spiritus“, der „Heilig-Geist-Grube“ benannt. Erst um 1330 wird die Bezeichnung „nova civitas“ (Neustadt) für diesen Straßenzug gebräuchlich und ist bis heute erhalten.  In dem um 1250 gegründeten Heilig-Geist-Hospital erhielten die Reisenden ihre Herberge, wurden Kranke gepflegt und Alte erhielten hier ihre Fürsorge.

Ursprung der Heilig-Geist-Hospitäler sind die „Brüder vom Orden des Heiligen Geistes, ein Hospitalorden, die  sich besonders der Armen-, Waisen- und Krankenpflege verpflichteten. Sie  beherbergten in ihren Spitälern aber auch Pilger und versorgten Pfründner. Der Orden nahm seinen Ursprung 1180 in Südfrankreich, wo er aus einer Bruderschaft hervorgegangen ist, die sich in Montpellier der Kranken- und Armenfürsorge verschrieben hatte. Im Jahre 1198 erhielt er die päpstliche Bestätigung und 1204 erhielt die Gemeinschaft ihre an Augustinus orientierte Regel, die um besondere Bestimmungen erweitert war. Die meisten Spitäler zum Heiligen Geist wurden im 13. Jahrhundert in der Folge von Stadtgründungen eingerichtet.

Im 1411 erbauten Langhaus des Heilig-Geist-Hospitales gab es Wohnungen für

Alleinstehende sowie alte Bürger, die sich dort eingekauft hatten. Um 1255 wurde mit dem Bau der heutigen Kirche begonnen, 1326 konnte der Altar und 1329 der Kirchhof eingeweiht werden. Besonders bemerkenswert in dieser Kirche ist die nach 1699 eingezogene bemalte Holzdecke mit Motiven aus der Bibel sowie ein 1968 entdecktes Freskoaus dem 14. Jahrhundert mit einem mathematischen Quadrat, auf welchem „DEOGRACIAS“ 504-mal vorkommt.

Das Wismarer Heilig-Geist-Hospital war sehr vermögend und besaß neben mehreren Liegenschaften um die Stadt noch acht Bauernhöfe und drei Dörfer. Diese gingen mit der Bodenreform 1946 in privates Eigentum über. Nach einem Vertrag vom 1.1.1962 wurden die Heilig-Geist-Kirche und auch das Langhaus Eigentum der Kirche. Alle anderen Gebäude im Bereich der Heilig-Geist-Kirche gingen in städtisches Eigentum über. Auf dem Heilig-Geist-Hof entstand 1855 die Mädchenvolksschule. Dieses Gebäude wurde am 26. Oktober 1908 Gründungsstätte der neuen Ingenieurakademie, der heutigen Hochschule Wismar. Den Brunnen auf dem Hof erbauten Studenten der neuen Akademie 1909 als artesischen Brunnen.

Der Hof der Heilig-Geist-Kirche wurde im Juli 1921 mit dem Film „Nosferatu“ von Wilhelm Murnau Schauplatz einer der ersten Vampir-Filme der Welt.

Detlef Schmidt

 

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