Kalenderblatt zum 31. März

Sturm brachte Boot mit fünf jungen Wismarern zum Kentern

Am 31. März 1961 geschah in der Wismarer Bucht ein tragisches Bootsunglück mit fünf Jungen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren. Es war der Karfreitag vor Ostern, damals noch ein arbeitsfreier Feiertag, der erst nach der Wende wiedereingeführt wurde. Am Morgen des 31. März brachen die Schüler und Lehrlinge Wilfried Meewis, Manfred Rauter, Jörg-Peter König, Michael Holst und Wolfgang Böttcher vom Wassersportgelände am Wendorfer Ufer auf, um mit ihrem offenen Sportruderboot zum Boinsdorfer Werder zu fahren. Es herrschte typisches Karfreitagswetter mit grauen Wolken und unbeständigem Wind. Die Temperaturen betrugen am Tage sechs Grad und der lokale Wetterbericht warnte vor mäßigen bis starken Winden mit nachfolgenden Regenschauern. Die Jungen fuhren ein Vierer-Ruderer mit Steuermann. Sie gehörten zur ehemaligen Sportgemeinschaft Empor Wismar, deren Sektion Rudern in die am 3. Februar 1961 gegründete TSG Wismar aufging. Sektionsleiter der Ruderer war der anerkannte Wismarer Handwerksmeister Herbert Brügemann von der Glaserei Beutel. Die Hansestadt Wismar hatte durchaus Traditionen im Rudersport. Am 4. Februar 1884 wurde der erste Ruderclub „Wismaria“ gegründet. Heute hat die TSG Wismar keine derartige Sektion, lediglich die agile Sektion „Kanu“.

Bei etwas bewegter See fuhren die fünf Ruderer über die Bucht, erreichten auch den Boinsdorfer Werder über den Breitling. Da sie aber auch bemerkten, wie das Wetter zunehmend schwieriger wurde, entschlossen sie sich zur schnellstmöglichen Rückkehr. Wie Augenzeugen aus Fährdorf berichteten, haben sie Boot und Besatzung mittags am 31. März zwischen 12 und 13 Uhr vom Breitling kommen gesichtet. Das Wetter wurde zusehends schlechter und der Wind frischte in Böen bis zu Windstärke 8 auf. Was danach geschah kann man nur vermuten. Wie Kenner der Wismarer Bucht einhellig sagen, ist die See am Ausgang der Kirch See ein schwieriges Fahrwasser, das kleineren Schiffen und Booten durch die vorherrschenden Strömungen schon Schwierigkeiten bereiten kann. Wenn dann böiger Wind hinzukommt, entwickelt sich dieser Bereich zu einem Hexenkessel. Ein offenes Spotruderboot läuft schnell Gefahr, dass Wasser einläuft und das Boot zum Kentern bringt. Von Mittag des 31. März verliert sich jede Spur der fünf jungen Menschen. Nachdem man die Sportler vermisste, begann eine Suchaktion, die ergebnislos verlief. Erst am 1. April entdeckte man zwischen Strömkendorf und dem Redentiner Ufer, Sitze, Riemen, Turnschuhe und eine Fahne. Damit wurde langsam das Schicksal der Fünf Gewissheit, dass sie wohl ertrunken sind. Durch die vorherrschende Witterung auf der Wismar-Bucht hatten die fünf Jungen keine Chance und auch nicht die Kraft, sich zu retten. Am 4. April entdeckte die mit der Suche beauftragte Polizei weitere Gegenstände aus dem Boot, wie Rollsitze und Bodenbretter, die eindeutig dem vermissten Boot zugeordnet werden konnten. Dieses tragische Unglück war „Stadtgespräch“ und viele beteiligten sich an der Suchaktion, aber viele hatten auch ihre eigene Meinung zum Unglück. Dazu trug im Wesentlichen auch die vorherrschende Informationspolitik in der DDR bei. Bloß nicht zu viel sagen. Erst am 6. April 1991 gab es eine knappe Meldung zu dem Unglück. Bis dahin waren die sterblichen Überreste der fünf jungen Menschen noch nicht gefunden. Die Polizei versprach zwar, dass sie die Bürger über den Fortgang weiter öffentlich informieren will – aber das war Fehlanzeigen. In der Ostsee-Zeitung erschienen außer zwei Familien-Traueranzeigen nichts mehr. In den Folgetagen konnte man die sterblichen Reste aller fünf Ruderer bergen und so wie sie zusammen gestorben sind, sollten sie auch gemeinsam beerdigt werden. Am Sonnabend, 22. April 1961 wurden die fünf Sportler in einer gemeinsamen Grabanlage auf dem Wismarer Friedhof unter großer Anteilnahme beigesetzt.

Die damals noch junge TSG schaltete für ihre Mitglieder Wilfrid Meewis und Michael Holst einen würdigen Nachruf in der Ostsee-Zeitung und auch im Jahresbericht für 1961 der TSG findet dieses Unglück mit allen fünf Ruderern seinen Niederschlag. Nach diesem tragischen Ereignis war an einer Fortsetzung dieser Sportart nicht zu denken. Es wurden auch Untersuchungen angestellt, inwieweit man das Unglück durch bessere Aufsicht hätte verhindern können. Als Konsequenz trat die Sektionsleitung zurück. Lange noch haben die Wismarer Bürger dies im Gedächtnis gehabt, doch nach nahezu 60 Jahren wird die Erinnerung blasser und es ist doch wert, dieser fünf jungen Wismarer zu gedenken, deren Grabanlage auf dem Friedhof erhalten ist.

 Was sonst noch geschah

1. März 2012 Übergabe des bronzenen Stadtmodells für 29.000 € an der Ostseite des Rathauses von Egbert Broerke aus Welven bei Soest (NRW). Das Modell ist auch für Blinde geeignet und mit einer Blindenschrift.

1. April 1893 Ende der „Wismarer Ortszeit“, die fünfzehn Minuten Differenz zur MEZ hatte.

1. April 1910 Verkauf des Hauses am Markt 19 an Bäckermeister Karl Oldenburg, der hier die Gaststätte „Reuterhaus“ einrichtet. Das Haus wurde 1988 wegen „Baufälligkeit“ komplett abgerissen und sofort 1989 ohne Fassadenerker als Neubau wiedererrichtet. Die Plastik an der Giebelseite zeigt den Verleger Hinstorff mit seinem Dichter Fritz Reuter. Die Plastik erschuf der Bildhauer Rainer Kessel aus Neu Nantrow im Landkreis Nordwestmecklenburg.

1. April 1888 Einweihung des Postamtes in der Mecklenburger Straße 18.

1. April 1891 Einweihung der Mädchen-Bürgerschule in Dahlmannstraße (seit 1946 Fritz-Reuter-Schule) Architekt war Gustav Dehn.

1. April 1895 Verleihung des Ehrenbürgerrechts an Otto von Bismarck.

1. April 1933 Die SA marschiert durch Wismar und Alfred Pleuger hält vom Rathausbalkon eine Ansprache gegen die Juden.

1. April 1946 Einrichtung einer Fachrichtung für Landwirtschaftstechnik an der Hochschule Wismar.

1. April 2003 Einweihung des AWO Kindergarten „Löwenzahn“  am Bürgerpark.

1. April 2014 1. Teileröffnung der Kindertagesstätte „Hanseatenhaus“ der „felicitas“ gGmbH im ehemaligen Schützenhaus an der Schweriner Straße.

2. April 1933 Die Mädchenbürgerschule in der Dahlmannstraße wird in Adolf-Hitler-Schule umbenannt und SA Leute stehen mit Schildern vor jüdischen Geschäften.

2. April 1921 Errichtung des Ehrenmales auf dem Friedhof für die Opfer des Kapp-Putsches. Umgestaltung der Gedenkstätte zu einem Ehrenmal und Einweihung am 2. April 1978.

3. April 2015 Das „Säulenhaus“ in der Altwismarstraße 23 erhält seine ursprüngliche Fassade mit den markanten Säulen. Dieses Haus wurde 1830 auf dem erhalten gebliebenen Keller aus dem 15. Jahrhundert im klassizistischen Stil mit dem Altan und den Säulen erbaut.

4. April 2011 Eröffnung der Markthalle am Alten Hafen mit 1.300 qm².

5. April 1848 Verfügung des Großherzogs, dass das neue Militärlazarett gebaut werden kann. Hierfür stellt die Hansestadt Wismar dem Großherzog das benötigte Grundstück zur Verfügung. Am 1. Juli 1852 Einweihung als Militärlazarett, bis 1920 entsprechende Nutzung. Umbauten erfolgten 1929-1933, danach bis 1950 Nutzung als Finanzamt. Seit 1952 wird das Gebäude von der Wismarer Polizei genutzt.

Detlef Schmidt

 

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