Kalenderblatt zum 31. Oktober

Anno Domini 1375 war der Kaiser zu Besuch in Wismar

Am 31. Oktober Anno Domini 1375 besuchte der römisch-deutsche Kaiser Karl IV. die Hansestadt Wismar. Von Lübeck kommend, wurde er vom Bürgermeister und dem gesamten Rat schon am Lübschen Tor empfangen.

Karl IV. zählte zu den bedeutendsten Herrschern in Europa und galt als äußerst einflussreich und sehr pragmatisch. Geboren am 14. Mai 1316 in Prag als „Wenzel“ und Sohn des böhmischen Königs, wurde er ab 1346 römisch-deutscher König und seine Kaiserkrönung vollzog am 5. April 1355 Papst Innozenz VI. in Rom. Er erhielt seine Ausbildung und Erziehung in Paris und konnte sich in fünf Sprachen verständigen. In seiner für damalige Verhältnisse ungewöhnliche lange Amtszeit erwarb er sich bleibende Verdienste. Auf ihn fällt auch die „Goldene Bulle“ zurück, eine Art Grundgesetz des Reiches, und das 2013 zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Es war bis zur Auflösung des alten Reiches 1806 wirksam. Es fielen auch Schatten auf seine Regierungszeit. So sein Verhältnis zu den Juden, die er unter seinem Schutz nahm und die dafür dem sich ewig in Geldnöten befindlichen Kaiser die notwendigen finanziellen Mittel gaben. Als 1349 durch Mitteleuropa die große Pestwelle weite Teile entvölkerte, war dies der Anlass für Judenpogrome, die er nicht verhinderte. Die Juden sollten die Brunnen vergiftet haben. Dies war auch Anlass für die Wismarer und anderen Hansestädten, die Juden aus ihren Städten zu vertreiben und sie nur zu Märkten wieder in die Stadt zu lassen. Erst am 4. Oktober 1867 beschließt der Wismarer Rat einstimmig, dass Juden den ungehinderten Zugang und Zuzug zur Stadt haben.

Der Kaiser im Mittelalter war Zeit seiner Regentschaft auf Reisen.  Es gab keine festen Residenzen, sondern ihm standen die errichteten kaiserlichen Pfalzburgen zur Verfügung. Das „Heilige römische Reich deutscher Nation“ zu regieren, war nur durch viel Reisen möglich. Der neue Wirtschaftsverbund der Hanse, machte Kaiser Karl neugierig und besuchte im Oktober 1375 zunächst die Hansestadt Lübeck, die im Juni 1226 von Kaiser Friedrich II. die Reichsfreiheit erhielt und er sich zehn Tage aufhielt. Ursprünglich wollte er nach Dänemark zu König Waldemar, doch als er von dessen Erkrankung erfuhr, machte er sich mit seinem gesamten Tross wieder auf dem Heimweg und der führte über Wismar. Darüber berichtet der damalige Stadtschreiber Heinrich von Baalsee: „Im Jahre des Herrn 1375, am Tage vor Aller Heiligen, dem 31. Oktober, weilte in unserer Stadt Wismar der ruhmreiche Herr Karl der Vierte, der Römer Kaiser, mit seiner Gemahlin und vielen anderen Fürsten. Meine Herren, die Ratmannen, holten ihn mit Ehrerbietung und großem Gepränge ein und bezeigten ihm in allem, was ihnen von Nöten war, große Dienstbeflissenheit, indem sie ihn in allem und jedem freihielten und alles bezahlten. Dafür sagte er auch, wie verlautete meinen Herren mehr Dank als den Herren Ratmannen von Lübeck, wo er vorher gewesen war. Und am anderen Tage geleiteten ihn wieder meine Herren ehrfurchtsvoll weithin von der Stadt, wodurch sie sich nicht geringen Dank verdienten.“ Karl der IV. reiste weiter in Richtung Tangermünde, wo er beabsichtigte eine Pfalz zu errichten. Er hatte damals von ein recht hohes Alter von über 60 Jahren und verstarb am 29. November 1378 auf der Prager Burg. Den Grundstein für die davorliegende „Karlsbrücke“ über der Moldau ist 1357 gelegt worden. Der Name wurde ihr jedoch erst 1870 verliehen.

Einen weiteren kaiserlichen Besuch erhielt die Hansestadt Wismar über 500 Jahre später am 15. September 1904. Ab dem 8. September fand im Bereich Stoffersdorf und der Wohlenberger Wiek ein kaiserliches Manöver statt. Ein großes Anlandungsmanöver fand dort statt und Wismars Schulen gaben ihren Schülern einen freien Tag, um sich das einmalige Erlebnis anzusehen. Zugegen beim Manöver war auch Kaiser Wilhelm II. mit seiner Frau und dem mecklenburgischen Großherzog und wie das so üblich war, mit einem riesigen Gefolge. Kaiser Wilhelm II. ist dann am 15. September 1904 nachmittags mit dem Auto durch das Lübsche Tor bis zum Altwismar Tor gefahren. Die Stadt war festlich geschmückt und am Bahnhof verabschiedeten den Kaiser, die Honoratioren der Stadt Wismar

An den deutschen Kaiser erinnert heute in Wismar kaum etwas. Dabei gab es im Lindengarten ein Kaiser-Wilhelm-Denkmal und die Claus-Jesup-Straße hieß von 1875 bis 1954 „Wilhelmstraße“. Davor wird diese Straße schon um 1270 wegen des dort verlaufenen Wasserlaufes als „Vogtsgrube“ und ab 1400 als „Faule Grube“ bezeichnet. 1875 erhielt sie nach dem deutschen Kaiser den Namen Wilhelmstraße.

Was sonst noch geschah

31. Oktober 1427 Enthauptung des Ratsherrn Hinrik van Haaren auf dem Markt.

31. Oktober 1927 Die Villa „Ravelin Horn“ des Industriellen Paul-Heinrich Podeus geht infolge eines Konkurses an die Stadt Wismar über. Hier wird nach Umbauarbeiten 1929 das neue Landratsamt eingerichtet.

31. Oktober 1945 von 41.900 Einwohnern sind 12.450 Umsiedler.

31. Oktober 1967 Fertigstellung und Einweihung des Verbindungshauses am Hauptgebäude zwischen Haus I und Haus II der Wismarer Ingenieurschule.

31. Oktober 1989 Das Neue Forum ruft zu einem Treff zum Reformationsgottesdienst in St. Nikolai auf. Thomas Beyer vom Neuen Forum hält die Ansprache.
1. November 1881 Benennung der Bahnhofstraße.

1. November 1891 Fernsprechamt geht mit 30 Teilnehmern in Betrieb. Ab 12. Oktober 1903 wurde die Fernsprechleitung unterirdisch verlegt.

2. November 1889 Gründung der Zuckerfabrik Wismar als Aktiengesellschaft. 1890 wird der Betrieb aufgenommen.

2. November 1991 Erster Tag der offenen Tür in der sowjetischen Garnison nach 46 Jahren.
3. November 1897 Wasserwerk mit Wasserturm am Turnplatz (Podeusstraße) geht in Betrieb.

3. November 1897 Das letzte Mal fließt Wasser aus der Wasserkunst auf dem Marktplatz. Ab sofort erfolgt die Versorgung durch den neuen Wasserturm am Turnplatz.

3. November 1862 Eröffnung der „Kleinkinderschule“ (Kindergarten) in der Neustadt 24.

4. November 1934 Einweihung der 1. Deutschen Ahnenhalle in der Kapelle Maria zur Weiden. Im Februar 1960 Abriss der 1324 erstmalig erwähnten Wallfahrtskapelle Maria zur Weiden auf dem St.-Marien-Kirchhof ohne denkmalpflegerische Genehmigung. Sie wurde im Krieg beschädigt, war aber aufbauwürdig.
5. November 1818 Gründung des Musikvereins (zweitältester in Deutschland) im Briesemannschen Gasthof, heute Fründts Hotel an der Schweinsbrücke, durch Bürgermeister Carl von Breitenstern (Bürgermeister 1814-1825). Aufführung des Oratoriums „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn mit 100 Sängern in St. Nikolai am 12.9.1816.

6. November 1954 Einweihung des Ernst-Thälmann-Gedenksteines in der Schweriner Straße.

7. November 2011 Gottfried Kiesow, Ehrenbürger von Wismar seit 2004, gestorben. Geboren 7. August 1931.

 

Detlef Schmidt

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