Kalenderblatt zum 4. Februar

Unvergessen – Kinderarzt Sanitätsrat Dr. med. Otto Connerth

Am 4. Februar 1898  wird Dr.med. Otto Connerth in Hermannstadt in Siebenbürgen, heute Sibiu in Rumänien, geboren. Es gibt in Wismar wohl keinen der über Fünfzigjährigen, der nicht in irgendeiner Art und Weise mit ihm in Berührung gekommen ist. Connerths Eltern, Fritz und Anna Connerth, besaßen eine Hutfabrik, sowie landwirtschaftliche Nutzflächen. Nach Abitur in Hermannstadt wurde er 1916 zum Militärdienst eingezogen und war zwei Jahre Soldat an der Front. Danach begann er ein Studium der Medizin in Klausenburg und Graz und setzte dieses an den Universitäten Greifswald, Königsberg, München und Jena fort. Hier promovierte er am 27. September 1922 mit einer Dissertation zu „Syndrome  und Zustände im Bereich der Niere, wie flüssigkeitsgefüllte Zysten und sackartige Ausstülpungen“  und erhielt mit der Approbation die Zulassung als Arzt. Zu der Zeit wurden kranke Kinder wie Erwachsene medizinisch behandelt und kaum die besonderen Umstände bei Kindern beachtet. Hier war es Dr. Connerth, der sich diesem Gebiet zuwandte. Bis zum 8. Februar 1926 war er Assistenzarzt an der Universitätskinderklinik bei Prof. Peiper in Greifswald, schloss hier seinen Facharzt ab und ging dann zur Kinderheilstätte Hohenlychen in der Uckermark. Von dort zog er nach Wismar und eröffnete am 1. Dezember 1926 in der Lübschen Straße 50, dem Freimaurerhaus, seine erste eigene Kinderarztpraxis und wohnte auch im gleichen Haus. Hier lernte der unverheiratete Otto Connerth seine Frau Margarethe Renner kennen, die er 1931 heiratete. Margarethe Renner war die älteste Tochter des bekannten Wismarer Arztes Dr. Adolf Goetze. Sie war Witwe und ehemals verheiratet mit Bankdirektor Peter Renner aus Lübeck, der im 1. Weltkrieg gefallen ist. Sie brachte in die Ehe vier Kinder mit, die Dr. Connerth wie seine eigenen betrachtete. Nach der Totgeburt eines eigenen Kindes, hatten Connerth und seine Frau keine gemeinsamen Kinder mehr. Der Bedarf an kinderärztliche Behandlung war groß und Dr. Connerth ein tüchtiger Arzt, sodass er im Januar 1930 eine Kinderklinik mit 30 Betten in der Lübschen Straße 83, heute Lübsche Straße 89, eröffnete. 1935 kaufte Dr. Connerth das Haus Mecklenburger Straße 16, das er im Januar 1936 bezog. Hier hatte er auch seine Kinderarztpraxis eingerichtet. 1938 gehörten die Connerths mit zu den ersten Wochenendsiedlern am Schwarzen Busch auf Poel, als sie dort in guter Lage ein Wochenendhaus bauen konnten. Am 25. August 1944 wurde Wismar schwer bombardiert und das Haus der Connerths in der Mecklenburger Straße 16 ist völlig zerstört worden. Die Familie Connerth überlebte den Angriff im Keller und konnte sich nahezu unbeschädigt daraus retten. Sie zogen dann in die Villa Lübsche Straße 83 (heute 89), wo Praxis und Wohnung neu eingerichtet wurde. Am 1. Juli 1945 pachtete er von den Norddeutschen Dornierwerken das 1929 erbaute ehemalige Arbeitersportlerheim und spätere Lehrlingswohnheim von Dornier in der Parkstraße 43 (heute Philipp-Müller-Straße) und baute es zur Kinderklinik um. Dies musste er jedoch auf eigenen Kosten unternehmen und besonders die Materialschwierigkeiten nach 1945 erschwerten die Arbeiten. Dr. Connerth wandte viel eigene finanzielle Mittel auf, um die Klinik zu erhalten. 1950 übergab er die Kinderklinik in der Parkstraße  an das städtische Krankenhaus, die die Kinderabteilung unter Leitung von Dr. Connerth als Chefarzt weiterführte. Dr. Connerth war ein hochgewachsener Mann, der durch seine Ausstrahlung schon Respekt einflößte, der aber auch herzlich und einfühlsam zu seinen Mitarbeitern sein konnte, und besonders zu seinen kleinen Patienten. Nach seiner Tätigkeit in der Praxis und in der Klinik, machte er bis spätabends noch Hausbesuche. Es kam mitunter vor, dass er noch um 22 Uhr bei seinen Patienten zu Hause vorbeikam. In die Klinik führte abends regelmäßig sein Gang, um sich besonders um die schwerkranken Kinder zu kümmern. Seine kleinen Patienten liebten ihn und er sie auch. Dr. Otto Connerth war ein Arzt, der keinen Feierabend kannte und immer bereit war, zu helfen. Er hielt seinen Arztberuf sehr hoch und meinte, „Ein Arzt hat keinen Job – er ist Arzt!“

Er war zwar Forschungen und Neuerungen auf seinem medizinischen Fachgebiet aufgeschlossen, hatte jedoch zu manchen Dingen eine differenzierte Meinung. So lehnte er Krippen ab und forderte stattdessen, dass die Mütter mehr in die Behandlung der Kinder einbezogen werden müssen. Die in den fünfziger Jahren auch in Wismar grassierende Polio-Epidemie (Kinderlähmung), forderte alle seine Kräfte und er versuchte dieser Krankheit Herr zu werden. 1966 schied Dr. Otto Connerth, der inzwischen den Titel Sanitätsrat verliehen bekam und 1953 mit der Auszeichnung „Verdienter Arzt des Volkes“ geehrt wurde, als Chefarzt aus dem Krankenhaus und „seiner“ Klinik aus. Er praktizierte jedoch weiter in seinem Privathaus mit Kinderarztpraxis in der heutigen Lübschen Straße 89. In den letzten Lebensjahren erkrankte Sanitätsrat Dr. Otto Connerth er sehr schwer und der beliebte Kinderarzt verstarb am 29. Januar 1976 an den Folgen eines Schlaganfalls.

Was sonst noch geschah

30. Januar 1939 Nach 20 Monaten Bauzeit wird das Wismarer  Luftwaffenlazarett übergeben. Nach dem Krieg als „Friedenshof“ Unterkunft für Flüchtlinge. Ab 1960 Einrichtung als Klinikum.

2. Februar 1411 Erstes dokumentiertes Votivschiff für die Nikolaikirche, anlässlich der Gründung der Marienbruderschaft.

2. Februar 1718 Sprengung der Walfischbastion durch die Dänen.

3. Februar 1961 Gründung der TSG Wismar.
4. Februar 1884 Ruderclub „Wismaria“ gegründet.

4. Februar 1991 Vertreter der Deutschen Stiftung Denkmalschutz übergeben eine erste finanzielle Starthilfe zum Wiederaufbau von St. Georgen.

6. Februar 1865 Fritz Reuter besucht Wismar.

7. Februar 1994 Gründung der Seglerjugend Hansestadt Wismar e.V.

8. Februar 1721 Schweden besetzen die Ämter Poel und Neukloster.

8. Februar 1997 Gründung des Shantychor „Blänke“.

9. Februar 1961 Benennung der Dr.-Liebenthal-Straße durch Ratsbeschluss.

10. Februar 1948 Beginn der Bauarbeiten für ein neues Theater an der Parkstraße in der ehemaligen Exerzierhalle der Infanteriekaserne.
12. Februar 1995 Eröffnung des Technologie- und Gewerbezentrum Wismar im Haus 1-3 in der Phillip-Müllerstraße.

Detlef Schmidt

 

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