Kalenderblatt zum 4. Januar

  Hafengeburtstag wurde im italienischen Capua begründet

Am 4. Januar 1211 bestätigte  Kaiser Otto IV.  im süditalienischen Capua, wo er auf der Reise nach Süditalien und Sizilien im Winterlager war, eine Urkunde von 1209, die  „den lieben Bürgern zu Schwerin eine beliebige Anzahl von kleineren Schiffen und zwei größeren Schiffen im Hafen von Wismar zu halten gestattet“. Diese Urkunde geht aber auf eine Fälschung zurück, die durch eine falsche Abschrift einer Urkunde von 1167 entstanden ist.

Kaiser Otto IV. aus Braunschweig wurde am 4. Oktober 1209 vom Papst zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt. Schon ein Jahr später am 18. November 1210 exkommunizierte der Papst den Kaiser und schloss ihn aus der Kirche aus. Grund war die vorgesehene Eroberung Süditaliens und Siziliens durch das kaiserliche Heer. Ob dadurch die 1211 ausgestellte Urkunde rechtsgültig war, sei dahingestellt und für den Wismarer Hafen auch nicht von grundlegendem Wert. Der Hafen ist untrennbar mit der Stadtgeschichte verbunden, war er doch eine der Gründe, warum sich im frühen 13. Jahrhundert hier Menschen ansiedelten, woraus sich die Stadt gründete, deren erste Erwähnung am 6. Juni 1229 durch eine Schenkungsurkunde des mecklenburgischen Herzogs Johann an „seine lieben Bürger zu Wismar“ war. Da war es zum einen die alte Salzstraße, die hier von Lüneburg kommend vorbeiführte und zum anderen die gezeitenlose, meeresoffene  Bucht, die zudem noch durch die vorgelagerten Inseln Poel und Walfisch geschützte war und die Stadtgründung wesentlich beeinflussten. Deshalb war die Region um die heutige „Wismar-Bucht“ begehrtes Siedlungsland, wie man an den Funden bei Strömkendorf erkennen kann, aber auch stark frequentierter Landeplatz. So taucht der Name „Wismar“ erstmals 1147 auf, als der dänische König Sven Grade in „Wizmar Havn“ – der Wismarer Bucht – landete. Der Name „Hafen“ ist hier irreführend. Gemeint ist ein Ankerplatz. Der nunmehr über 805jährigen Hafen ist das wirtschaftliche Herzstück der Hansestadt, die somit 18 Jahre jünger ist. Noch heute richten sich angesiedelte Industriezweige auf den Hafen aus und nutzen dessen Logistik. Bis in das auslaufende 19. Jahrhundert erfüllte der heutige „Alte Hafen“ mit seinem um 1775 fertiggestelltes Baumhaus und dem heutigen „Thormann-Speicher“ von 1862, die vielfältigen Aufgaben. 1893 erfolgte der Durchstich am Baumhaus zum Neuen Hafen und somit zur entscheidenden Erweiterung. Ebenso wie der ab 1909 geschaffene Holzhafen und der Westhafen. Die Umschlagmengen mit etwa 300-tausend Tonnen als Spitzenergebnis muten aus heutiger Sicht bescheiden an. 1927 wurde das Seegrenzschlachthaus errichtet, das den seeseitigen Vieh Im- und Export erhöhen sollte. Die zwischen 1935 und 1940 erbauten Speicher , wie der 1935 erbaute „Löwe-Speicher, der 1938 errichtete 34 Meter hohe „Ohlerich-Speicher“ und der 1940 gebaute „Kruse-Speicher“ auf der Lastadie waren enorm wichtig für den Getreidetransport, jedoch stagnierten die Umschläge, die neben Getreide auch Kohle beinhalteten. Über 200-tausend Tonnen kam man nicht mehr und der 2. Weltkrieg brachte ihn nahezu zum Erliegen. Das Seegrenzschlachthaus erlitt Bombenschäden und wurde nach dem Krieg per Befehl vom 13. August 1951 demontiert.

1945 war an einem normalen Hafenbetrieb nicht zu denken. Anlagen waren zerstört, das Fahrwasser war vermint und auch die für die Sicherheit dringend notwendigen Leuchtfeuer funktionierten nicht. Am 3. April 1946 gründete sich die DERUTRA AG (Deutsch-Russische-Transport AG), die mit der Beauftragung zur Instandsetzung des Hafens begann. Mit dem Befehl zur Übertragung der Rechtsträgerschaft des Hafens am 8. April 1946 an die Stadt, erhielt Wismar, wenn auch nur formell, die Hoheit über seinen Hafen, die schon am 1. Mai 1947 wieder endete. Endgültige Ordnung schafft man am 1.Januar 1952  als durch eine Verordnung über die Einrichtung von Volkseigenen Betrieben aus der Hafengemeinschaft Wismar  der Volkseigene Betrieb (VEB) Seehafen Wismar gegründet wird. Das  1888 erbaute neogotische „Großherzogliche  Zollhaus“  wurde bis 1996 Verwaltungssitz des VEB Seehafen. Ab 1946 setzen umfangreiche Rekonstruktionsmaßnahmen ein, wie die Instandsetzung von Lagerbunker zu Kalibunker. Die erste Kalihalle ist am 23. Juni 1951 fertiggestellt. Kali machte bis zur Wende, neben Stückgüter, den größten Bereich der Umschlagmenge aus. Am 15. Juni 1990 wurde der Seehafen in eine GmbH umgewandelt und am 17. Juni 1991 (Treuhandvertrag vom 25.3.1991) erhielt die Hansestadt Wismar ihren Hafen nach 40 Jahren wieder zurück. Gesellschafter sind heute die Hansestadt Wismar mit 90 Prozent und das Land Mecklenburg-Vorpommern zu zehn Prozent. Nach dem Wegfall der Kalitransporte mussten neue Geschäftsfelder erschlossen werden. Heute hat der Hafen Bedeutung vor allem für Massengüter und massenhafte Stückgüter. Hauptgutarten sind Rund- und Schnittholz, Stahl und Schrott, Torf und Baustoffe. Über die Ende der 1990er Jahre komplett neu gebaute Massengutanlage wird Kali und Salz verschifft. Der Hafen bietet insgesamt 15 Liegeplätze mit 2300 Meter Kailänge und zwei Dalbenplätze. Jährlich laufen den Wismarer meeresoffenen und gezeitenfreien Hafen etwa 1300 Schiffen aller Größenordnungen an. Das Umschlagvolumen beträgt acht Millionen Tonnen Güter aller Art pro Jahr. Sorgen bereitet nach wie vor, die nicht mehr ausreichende Tiefe des Fahrwassers, das jedoch in den nächsten Jahren durch umfangreiche Ausbaggerungen behoben werden soll. Umfassende Sanierungen der Kaianlagen im Bereich des Alten Hafen sind 2007 abgeschlossen. Das am 9. September 2012 gegründete „Columbus Cruise Center Wismar“ macht Hoffnung auf Teilnahme am weltweit boomenden Kreuzfahrttourismus, der sich auch belebend für Handel und Gastronomie auswirken kann, denn von der Kai bis zum Markt sind es eben nur ein paar Schritt.

Die für Wismars Hafeneinfahrt typischen Schwedenköpfe stehen nach altem Vorbild wieder seit Juli 2003 auf ihren über 200 Jahren alten „Stammplätzen“ auf den Dalben in der Hafeneinfahrt. Zur Erinnerung an die Rückgabe des Hafens an die Hansestadt, wird jedes Jahr im Juni ein Hafenfest gefeiert. Das erste Fest fand am 19. Juni 1992 statt. Eine sorgsam abgewägte Bebauung auf der gesamten Hafenhalbinsel wertet diese auf. Sind nach der „Wende“ umfangreiche Baumaßnahmen zur Sanierung in der gesamten Stadt zu erkennen, so hat sich das Bild des Hafens grundlegend gewandelt und sich im Bereich des Alten Hafen zu einer beliebten „Freizeitmeile“ mit „Schifferhus“ und „Lotsenhus“ entwickelt. Im Bereich des ehemalige „Holzhafen“ entstanden seit 2001 ein Technologie- und Forschungszentrum und ausreichend Fläche für weitere innovative Unternehmen.

Was sonst noch geschah

  1. Januar 1661 Ein Sturm reißt den Dachreiter vom Marienturm herunter.
  2. Januar 1696 Der Walfischturm ist fertiggestellt und verfügt über ein Kellergewölbe, eine Geschützetage und eine Dachetage mit gemauerter Dachhaut.
  3. Januar 1905 Festanstellung Dr. phil. Friedrich Techen als erster hauptamtlicher Ratsarchivar Wismars.
  4. Januar 1266 erstmalige Erwähnung von einem Franziskanerkloster.
  5. Januar 1897 Robert Förster geboren (Flugkapitän und Werksflieger bei Dornier Wismar), verstorben am 30. März 1997 in Wismar.
    5. Januar 1948 Eröffnung der ehemaligen Polizei- und SS-Kaserne zur Poliklinik am Lindengarten durch Med.-Rat Dr. Claus Peters.
  6. Januar 2015 Der Wismarer Maler und Grafiker Rolf Möller verstorben.
  7. Januar 1632 Wallensteins Truppen kapitulieren vor den Schweden und geben Wismar frei.
  8. Januar 1993 Eröffnung des digitalen Fernsprechknotens am Friedenshof.
  9. Januar 1885 Einrichtung einer Allgemeinen Ortskasse in Wismar.

Detlef Schmidt

 

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