Kalenderblatt zum 4. Juni

 

Apotheker wurde verdächtigt Wismars obersten Pastor vergiftet zu haben

Am 4. Juni 1851 erwähnte die „Wismarsche Zeitung“ erstmalig den Namen „Löwen-Apotheke“ in einer Verkaufsanzeige: „Wohn- und Apothekenhaus, früher die untere Apothe-ke, jetzt die Löwen-Apotheke genannt“. Sie ist 1659 von Mathias Scheffel eröffnet worden. Im Gegensatz zur Ratsapotheke wurde sie immer die „kleinere“ oder „untere Apotheke“ ge-nannt, was für manch einen schon geringschätzig war. aber besonders, wenn der Ratsapothe-ker den Eigentümer der Apotheke am Hopfenmarkt „Nebenapotheker“ nannte.
Von einem ersten Apotheker wird um 1280 in Wismar berichtet, der in der Krämerstraße ein Haus besaß. In Rostock gab es eine 1260 und in Hamburg 1265. Diese Apotheken wurden von Kaufleuten betrieben, die Gewürze, Drogen und fremde Kräuter einführten, diese verar-beiteten oder auch unverarbeitet verkauften. Auch Wein und Branntwein gehörte zum Sorti-ment. Aus diesem Handel entstanden Apotheken. Die Mönche der verschiedensten Orden versorgten die Bürger medizinisch und stellten auch allerhand Kräuter selbst her. In Wismar schloss nach der Reformation in der Mitte des 16. Jahrhundert das Graue und Schwarze Klos-ter und der Rat stand vor der Aufgabe, die Gesundheit seiner Bürger zu erhalten. Die medizi-nische Versorgung übernahmen weiter Ärzte und auch Apotheken, deren Eigentümer nicht immer ausgebildete Apotheker waren. Nicolaus Eggebrecht, Stadtsekretär und Notar in Wis-mar, war Eigentümer der späteren Ratsapotheke in Wismar und bekam als erster „Apotheker“ den Titel „Ratsapotheker“. Ob er da nachgeholfen hat, ist nicht überliefert. Der Wismarer Rat selbst bestimmte, wer eine Konzession zum Betreiben einer Apotheke bekam und ließ ab 1594 die Apotheken durch den Stadtphysikus überprüfen. Wie notwendig dies war, zeigt der Tod der Familie des Superintendenten Freder. Diese hatten beim Ratsapotheker und Notar (?) Eg-gebrecht Gewürzwein gekauft und daran sollten nun sechs Personen verstorben sein. Egge-brecht wurde des Giftmordes beschuldigt und das Kaisergericht in Speyer verurteilt ihn, dass er „gefänglich eingezogen und in eine böse schwere Gefängnis, im Thurm zu Wismar, bey dem alten Wismar Thor gelegen, gelegt und mit eisernen Ketten an beyden Beinen angeschlossen und an einer grossen und starken Ketten, so an der Mauer festgemachet und nun in die 15 Monate lang, erzehlter gestalterbermlichen und schwerlichen, mit eisernen Ketten Tag und Nacht angefesselt und gefenglich gehalten“. Beweisen konnte man Nicolaus Eggebrecht nichts und die Familie erwirkte seine Freilassung, mit der Auflage, dass Nicolaus Eggebrecht vier Jahre Hausarrest verbüßen musste. 1576 starb Nicolaus Eggebrecht und 1580 verkaufte seine Witwe die Apotheke an die Stadt Wismar, die sie 250 Jahre selbst bis 1819 verpachtete. Wegen der hohen Kosten für den Rathausneubau verkaufte Wismar seine Ratsapotheke 1819 für 8.000 Taler. Der erste Pächter der Ratsapotheke war Johann von Schönfeldt aus Itzehoe, der 1582 die Apotheke in einer denkbar schlechten Zeit übernahm. Es grassierte gerade die Pest in Wismar. Es sind in dieser Zeit 2.000 Menschen in Wismar verstorben, darunter auch Schönfeldts Frau und drei seiner Kinder. 1594 verstarb Schönfeldt und seinem Nachfolger Christoph Edeling aus Kolberg wird kein gutes Wirtschaften in der Ratsapotheke bestätigt. Doch Edeling beschuldigt nun wiederum den Wismarer Johann Nenne der zwar „Apotheken-kunst erlernet“ aber mit Gewürzen handelt, als „Nebenapotheke“ und das ohne Konzession! Nenne wiederum war äußerst beliebt in Wismar und erwirkte eine Überprüfung der Ratsapo-theke, da „auff ihrer Apotheken viel und hoch schedtliche Mängel gespüret und vorhanden seien.“ Nun schritt der Rat ein und der erste angestellte Stadtphysikus, der in Antwerpen ge-borene Dr. Peter Budanus, führte mit Dr. Assverus, eine gründliche Revision ab dem 22. Mai 1599 durch. Auf 32 Seiten sind alle vorhandenen Medikamente aufgeführt und was man fand, war nicht gerade rühmlich für den Ratsapotheker Ederlich. Viele Mittel waren abgelau-fen oder „die Kraft ist weg, darumb man hat es abgethan.“ Die Apothekenräume sind dann am 11. Juni 1599 in Begleitung der Bürgermeister und des Rates „visitiert“ worden. Dem Stadtphysikus wurde „bevohlen und auferleget, die mängel und gebrechen, so auf ihrer Apo-theken befunden, nicht allein in fleissige Achtung zu nehmen, sondern auch dieselbe auch auffs Papier zu bringen“. Daraus entstand Wismars erste Apothekenordnung von 1599 die vom Rat bestätigt wurde. Eine zweite Ordnung erfolgte 1606, die einige wenige angepasste Abänderungen hatte. Sie sah unter anderem vor, dass die Arzneimittel alphabetisch und nach Gruppen gelagert werden, es ein amtliches Arzneibuch gibt, schlechte Arzneimittel sind aus-zusondern. Die Apothekenräume hatten sauber zu sein und verboten war es ausdrücklich Arz-neimittel wieder zurück zu nehmen. Maßnahmen, die noch heute ihre Gültigkeit haben.
1741 geben der Rat und die Bürgerschaft eine allgemeingültige Arzneipreismittelliste heraus, die dem Bürger Verlässlichkeit bietet. Bis 1844 gab es in Wismar zwei Apotheken. Am 1. Ja-nuar 1845 öffnete der Apotheker Carl Friedrich Framm mit der „neuen“ Apotheke, die spätere Hirsch-Apotheke, am Markt, die dritte Wismarer Apotheke. Der Wismarer Rat hatte sie nur deshalb genehmigt, weil die Einwohnerzahl über 12.000 Bürger gestiegen ist und so gewähr-leitet werden konnte, dass auch der Apotheker nicht „brotlos“ wird. Das ist heute etwas an-ders. In Deutschland versorgt statistisch gesehen, eine Apotheke durchschnittlich 3.800 Men-schen. In Wismar gibt es bei gegenwärtig 42.000 Bürger, 15 Apotheken und das entsprechen 2.800 Bürger auf eine Apotheke – aber das ist bloße Statistik.

Was sonst noch geschah
4. Juni 1911 Arzt, Historiker und Archivar Dr. Friedrich Crull gestorben.
4. Juni1932 Rede Joseph Goebbels im Schützenhaus und im Hotel „Zur Sonne“.
6. Juni 1229 Grundstücksüberlassungsurkunde des Landesfürsten Johann I. an „seinen Bür-gern“ zwischen Wendorf und der Köppernitz (erste Erwähnung der Stadt Wismar) „ Geburts-urkunde der Stadt Wismar“. Der Ortsname „Wismar“ kommt insgesamt fünfmal vor, dabei ein Ort in der Uckermark bei Strasburg, bei Gießen, in der Altmark und bei Stettin. In Schweden gibt es eine „Herrschaft Wismar“.
8. Juni 1940 Erster aber grundloser Fliegeralarm im II.Weltkrieg.
8. Juni 2015 Der Wismarer Seehafen erhält 23,5 Mio Euro Fördermittel vom Land Mecklen-burg-Vorpommern und wird damit 35,6 Mio Euro zum Ausbau des Hafens bis 2018 für den 41 500 qm großen Erweiterungsbau investieren.

Detlef Schmidt

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