Kalenderblatt zum 5. Februar

Wismarer Ingenieur-Akademie zieht in Zeughaus ein

 Am 5. Februar 1935 stimmt der Wismarer Rat dem Umbau des Zeughauses für die Ingenieur-Akademie zu, die am 30. Juli hier im eigenen Gebäude einzieht.

Der 1850 in Büchen geborene Architekt  Robert Schmidt stellte am 30. Dezember 1907 einen Antrag an den Wismarer Rat zur Gründung einer Ingenieur-Akademie. Wismar mit seinem damals schon vorhandenen industriellen Kern ist nicht zufällig gewählt, da es in Mecklenburg eine derartige Lehreinrichtung nicht gab und gut ausgebildete Fachkräfte gebraucht wurden. Am 9. Mai 1908 schloss Robert Schmidt mit dem Wismarer Rat den Gründungsvertrag und am 26. Oktober 1908 nimmt die neue Ingenieur-Akademie mit  dreizehn Studenten in den Lehrrichtungen Maschinenbau und Bauingenieurwesen ihren Betrieb auf. Gründungsort ist die 1855 erbaute ehemalige Mädchenvolksschule auf dem Heilig-Geist-Hof, die vom Rat der Stadt Wismar zur Verfügung gestellt wurde. Es sollte eine Wismarer Erfolgsgeschichte werden, die bis heute anhält.

Die neue Ingenieur-Akademie entwickelte sich rasch. Im Wintersemester 1910 waren 115 Studenten und 1913, 202 Studenten eingeschrieben. Die Räumlichkeiten waren bald sehr beengt, trotz der zur Verfügung gestellten Nebenkapelle der Heilig-Geist-Kirche. Der auf dem Hof noch heute befindliche Brunnen wurde 1909 von den Studenten als artesischer Brunnen gebaut.  Am 14. November 1910 konnte der erste Bau des neuen Laboratoriums für Maschinenbau am heutigen Baumweg übergeben werden. Die endgültige Fertigstellung war 1913. Hier sollte zukünftig der gesamte Akademie-Komplex angesiedelt werden, so eine visionäre Planung. Der 1. Weltkrieg brachte eine deutliche Zäsur in der Ingenieurausbildung, die jedoch in den zwanziger Jahren deutlich an Fahrt gewann. Als Ausbildungsgebäude stellte die Stadt Wismar die St. Georgen-Schule in der Baustraße zur Verfügung. Dieses Haus ist im 2. Weltkrieg zerstört worden. 1922 übernahm die Stadt Wismar vertragsgemäß die bis dahin privat geführte Ingenieur-Akademie. Die Aufsicht übernahm ein von der Stadt gewähltes Kuratorium. Robert Schmidt ging 1923 im Alter von 74 Jahren in den Ruhestand. Er starb am 28. Juli 1928 in seiner Wohnung in der Bohrstraße 15. Der Humanist Robert Schmidt war ein geachtetes Mitglied der Wismarer Freimaurerloge „Zur Vaterlandsliebe“.

1934 war die Lage der Studierenden derart beengt, dass die Stadt nach neuen Möglichkeiten suchte und diese im seit Jahren zweckentfremdet als Speicher genutzten Zeughaus fand. Zum Wintersemester 1935 konnten dann die Studenten der „Ingenieur-Akademie der Seestadt Wismar“, so der damalige Name, in ihr neues Domizil einziehen. Seit 1939 trägt sie den Namen „Ingenieurschule Wismar“. Der 2. Weltkrieg brachte die Einrichtung in der Endphase zum Erliegen. Am 9. August 1945 erteilte die sowjetische Militäradministration den Befehl zur Vorbereitungen zur Wiedereröffnung der Ingenieurschule. Am 15. Oktober 1945 wird der Lehrbetrieb an der  Wismarer Ingenieurschule wieder aufgenommen. Bis 1992 war das Zeughaus neben dem schon vorhandenen Campus an der Phillip-Müller-Straße, ein Haus der nunmehrigen Hochschule Wismar.

Das Zeughaus wird von 1700 bis 1701 vom schwedischen Festungsbaumeister Erik Dahlberg erbaut. Der erst 1689 errichtete Vorgängerbau war durch eine Pulverexplosion im August 1699 völlig zerstört worden. Das Zeughaus kann als Meisterwerk schwedischer Militärbaukunst gesehen werden. Genutzt hat es das in Wismar stationierte schwedische Militär als Waffenarsenal. Nach dem Nordischen Krieg sollte es als Teil der Festung abgerissen werden, doch Wismarer Bürger erwarben es 1718 und nutzten es als Speicher. 1754 kaufte die Stadt Wismar das Zeughaus, die es unter anderem seit 1848 bis zum 27. Mai 1903 für einen Wollmarkt benutzte. Ab 1904 wurde im Zeughaus Getreide eingelagert. 1935 bezog die Wismarer Ingenieurschule das Haus.

Ab 1993 wird es für insgesamt 14 Millionen DM zu einem modernen Medien- und Kommunikationszentrum mit der Wismarer Stadtbibliothek, unter Wahrung der Sichtbarmachung der hervorragenden barocken Militärarchitektur, umgebaut. Am 2. Oktober 2000 findet die feierliche Eröffnung der Stadtbibliothek im traditionsreichen Haus statt.

Das Zeughaus ist ursprünglich in die Festungsmauer eingebaut gewesen, sodass der Hauptzugang von der heutigen Hofseite erfolgte. Hier prangt wieder das Wappen mit dem Namenszug des schwedischen Königs Karl XII., das mit finanzieller Unterstützung des schwedischen Königshauses rekonstruiert und saniert werden konnte. Schwedens König Karl XVI. Gustav und Königin Sylvia besuchten Wismar am 29. April 1993. Die Wappen am Frontispiz über den Mittelrisaliten an der Straßenfassade sind vom Mecklenburger Tor, das am 23. Mai 1869 abgerissen wurde, hier angebracht.

Was sonst noch geschah

  1. Februar 1946 Die Lindenstraße wird auf Vorschlag der SPD in Dr.-Leber-Straße umbenannt.
    6. Februar 1865 Fritz Reuter besucht Wismar.
  2. Februar 1811 Matrosenpressung für die Armee Napoleons, Festnahme aller in dieser Nacht in Wismar befindlichen Matrosen.
  3. Februar 1994 Gründung der Seglerjugend Hansestadt Wismar e.V.
  4. Februar 1721 Schweden besetzen die Ämter Poel und Neukloster.
  5. Februar 1997 Gründung des Shantychor „Blänke“.
  6. Februar 1948 Beginn der Bauarbeiten für ein neues Theater an der Parkstraße in der ehemaligen Exerzierhalle der Infanteriekaserne.
    12. Februar 1878 Graphikerin Sella Hasse (viele Jahre in Wismar ansässig) geboren.
  7. Februar 1995 Eröffnung des Technologie- und Gewerbezentrum Wismar mit Haus 1-3, Phillip-Müllerstraße.

Detlef Schmidt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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